Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1875)
- Date
- 1875-02-16
- Page
- Seite 125 (sequence 11)
- Language
- German
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125 Feuilleton. Sibliographische Notiz. Bekanntlich sind von den Responsen Ben-Aderets mehrere Ausgaben vorhanden, die bezügliich der Zahl der in ihnen aufgenommenen Responsen sich von einander unterscheiden. Die erste Ausgabe Averel'scher Responsen erschien sine loco et anno, ist aber jedenfalls eine Incunabel- Edition. Dieselbe wurde von Le Rosst aufgefunden (vide dessen Annalen Artikel „Aderet"); Wolf war sie nicht bekannt. Eine zweite sich ausdrücklich als solche bezeichnende Edition erfolgte in Bologna. Bon dieser Ausgabe wußte zwar Wolf, aber gesehen hatte er sie wohl nicht; denn sonst wurde er nicht in seiner Bibl. Hebr. B. HI. S. 1020 die auf einem Jrrthum beruhende Bermuthung aussprechen, daß Riva de Trento der Druckort dieser Ausgabe sei, da ja auf einem nach dem Index sich befindenden zweiten Titelblatte Bologna ausdrückllch als Druckort angegeben ist. Auf diesen Jrrthum Wolfs macht übrigens schon deffen Namensvetter Dr. G. Wolf in Wien in einer Note S. 97 des von ihm herausgegebenen Katalogs der Beer'schen Bibliothek in Dresden aufmerksam. In derselben Note erklärt aber H. Wolf auch die in beiden Ausgaben des Oppenheimer'schen Katalogs enchaltene Angabe des Druckjahres dieser Ausgabe 299 a. m. (1539) für falsch, und bemerkt, daß das dem Ortsnamen beigesetzte welches durch ein Strichlein in der Mitte gelheilt ist, das Druckjahr bezeichne, weshalb er auch in dem von ihm herausgegebeneu Katalog 290 (1530) als Druckjahr angiebt. Diese den Oppenheimer'schen Katalog corrigirende Bemerkung Wolfs ist jedoch ganz unbegründet und die Angabe des Druckjahres in seinem Kataloge unrichtig. Denn das dem Druckorte beigefügte hat nicht die Bezeichnung des Druckjahres zum Zwecke, sondern bedeutet hier, wie Las lateinische urlis, wenn es dem Namen einer Stadt beigesetzt ist, so viel wie Hauptstadt. Bologna als eine der größten und ältesten Städte Italiens hatte wahrscheinlich den Titel urbs und ist das rr-.-'r:-: nichts weiter als die hebräische Uebersetzung dieses Titels. Diese Erklärung ist um so richtiger, als ich in allen mir zu Gesicht gekommenen, im 16. Jahrhundert zu Bologna erschienenen Werken das Wort m^yn dem Ortsnamen beigedruckt fand, obgleich dieselben nicht in einem Jahre gedruckt worden waren. Bon deu 4 alten Bologner Drucken der Prager Gemeindebibliothek sind 2 vom Jahre 298 (ein Commentar zu den Hagiographen von Don Joseph Jbn Jachja und die halachischen Entscheidungen des Menachem aus Rikanati), 1 vom Jahre 299 (die eben hier in Rede stehende Ausgabe der Responsen Ben-Aderets), und 1 vom Jahre 30l (ein Machsor nach römischem Ritus); in allen 4 Drucken ist aber Las dem Ortsnamen beigedruckt. Daffelbe kann also keineswegs Len Zweck haben, das Druckjahr zu bezeichnen. Daß aber die 4 genannten Werke in den von mir bezeichneten Jahren gedruckt worden sind, ist aus dem am Schluffe eines jeden befindlichen Perat ersichtlich. (In alten Drucken ist das Druckjahr in der Regel auf dem Schluß- und nicht auf dem Titelblatte angegeben). Auch in der hier in Rede stehenden Responsen-Ausgabe wird das Druckjahr am Schluffe des Jnhaltsverzeichniffes am Ende des Werkes genau angegeben, und geschieht dies durch den Zahlenwerth des Wortes r;-i'7?2, was 299 ist. Die Angabe des Druckjahres in den Oppenheimer'schen Katalogen ist daher ganz richtig, und es ist nur zu verwundern, wie Herr Dr. Wolf bas Alles übersehen und das mvrr für die Bezeichnung des Druckjahres hallen konnte, da er selbst auf S. 75 seines Katalogs 298 als das Druckjahr des Commentars Don Josef Jbn Jachjas zu den Hagiographen nenn:, obgleich auch da das rr-irrn dem Druckorte Bologna beigesetzt ist. HoraLdiowitz, den 2. December. Rabbiner Stark. Äus -er Neisemappe Dr. H. Zirndorf, Scminardirector. Pest vor sechszehn Jahren. (Fortsetzung.) In Pest waren die Functionen des Lehramtes nach großstädtischer Auffassung seit Jahren sehr paffend getheilt gewesen. Für die Belehrung der Jugend bestanden Schulgottesdienste, von fähigen Religionslehrern geleitet: wir werden einigen derselben später näher treten. Den Kanzelvortrag soll der inzwischen gleichfalls Heimgegangene Prediger Bach in einem würdigen, klaren und versöhnlichen Geiste, wenn auch nicht gerade machtvoll und hinreißend, vertreten haben. Seit längerer Zeit war dieser alternde Lehrer in den verdienten Ruhestand versetzt. Die eigentliche Predigt hatte nie eine Haupldomäne Schwab's gebildet, dagegen soll er in der altbeliebren Gattung des Derufch wahrhaft geglänzt haben. Hier wirkte feine Belesenheit, seine farbenreiche Reproductionskraft, sein treffender Witz und seine vielfache Kenntniß jüdischen Bolksthums mit Mitteln, welche den zahlreichen Vorgängern nicht zu Gebote standen, und wodurch er aus dem vergilbten Rahmen dieser Vortragsweise eine sehr glückliche Uebergangsgattung zu Tage förderte. Seine deraschischen Vorträge sind in ziemlich sorgfältiger Ausarbeitung noch zahlreich vorhanden. Sein trefflischer Sohn, Dr. David Schwab, zeigte mir die umfangreichen Manuscripte in der väterlichen Bibliothek: warum hat nicht wenigstens eine Auswahl dieser Vorträge seitdem bas Licht der Oeffentlichkeit geschaut? Die spe- 8*