Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1875)
- Date
- 1875-02-16
- Page
- Seite 121 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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von Alexander Polyhistor aufbewahrten Fragmente zum Abschluß gebracht, hat er die Basis ebenen geholfen, auf welcher sich die Betrachtung der gesammten jüdisch-griechischen Literatur zu erheben hat. — Neue Novellen von Paul Heyse. Berlin, Wilhelm Hertz, 1875. Wir hatten an dieser Stelle kerne Veranlasiung, die vorliegende neue Sammlung von Novellen aus der Fever Heyse's zu besprechen, die der Verfasser der auch von uns verehrten Frau Sarah Lazarus gewidmet, wenn sich unter denselben nicht eine solche befände, die wir, wenn wir so sagen dürfen, als eine jüdische zu bezeichnen haben: „Judith Stern" (S. 173—256). Von den vier Hauptfiguren dieser Novelle sind drei Juden. Charakteristisch ist, daß in diesen drei das Gute unv das Böse, die Tugend und das Laster vertreten wird, also nicht nach dem beliebten Schema, welches zumeist den Juden die Rolle der Verbrecher oder der Carricatur, den Christen die der Tugendhelden ertheilt, oder in seltenern Fällen einen Juden zum Musterbild alles Edelmuthes, aller Entsagung unv Großherzigkeit macht. Was Heyse dem David und der Judith Stern an sittlicher Vollkommenheit 'verleiht, dem halt die teuflische Schlechtheit des l)r. Afser Alcobara, eines jüdischen Arztes, das volle Gleichgewicht. Uebt somit Heyse hier die sittliche Gerechtigkeit aus, so giebt er doch feinen jüdischen Figuren so wenig besonderes Kolorit, daß sie ebenso gut Christen vorstellen und christliche Namen führen könnten. Dennoch weiß Heyse, der sich sonst über so viele Voruriheile hinwegsetzen kann, der sogar Vieles als Vorurtheil ansieht, z. B. Sittliches, was wir durchaus nicht als ein solches gelten lasten, nicht jedes Vorurtheil gegen die Juden zu beseitigen. Er sagt (S. 190): „Es war überhaupt ein großartiger Zug in ihm (David Stern), weit erhaben über der gewöhnlichen jüdischen Gewinnsucht." Also auch bei Heyse die alte Erscheinung: Man schreibt den Juden allgemein einen Fehler zu, und erweist ein Jude das Gegentheil — so ist er eine Ausnahme. Nun sprechen wir die Juden durchaus nicht von der Gewinnsucht frei, glauben aber, daß in unsrer Zeit die Christen nicht ein Loth weniger Gewinnsucht haben als die Juden, vom Tagelöhner bis zum nobelsten Aristokraten hinauf, daß man mindestens ebenso von der „gewöhnlichen Gewinnsucht" der Christen wie der Juden sprechen muß. Die zahllosen Fälschungen, welche jetzt überall, namentlich in den Lebensmitteln Vorkommen, zeugen sogar von einer größern Gewinnsucht bei christlichen Fabrikanten, Kausteuten und Händlern. Die Bäcker, Fleischer, Bierbrauer, Weinhänvler, Butter-, Kaffeeunv Theehändler u. s. w. rangiren jetzt vollständig mit dem ehemaligen Pferdejuden, und sind gefährlicher als dieser, da sie nicht blos den Beutel, sondern auch die Gesundheit bedrohen. Dies jedoch nur beiläufig. Die vorliegende Novelle besitzt alle Vorzüge und Mängel, welche Heyse's Kunstwerken anhaften. Eine außergewöhnliche Sprachgewandtheit, sowie die vollständige Abrundung der Novelle, für welche Dichtungsgattung diese Abrunvung das unbedingteste Erforderniß ist, Vas Geschick, diese scharfgezeichnete Skizze in einen ansprechenden Rahmen zu versetzen, bewähren sich auch in der vorliegenden Erzählung. Dahingegen trägt der Stoff jene sittliche Nonchalance, jene, daß wir es offen bezeichnen, Lüsternheit auch hier in sich, welche in den meisten Dichtungen Heyse's zu Tage tritt, und wodurch überhaupt die neueste deutsche Novellistik den vielgerügten Fehler der französischen in sehr bedauerlicher Weise in sich ausgenommen hat. Daß die Einführung des Bildes in den Rahmen doch nur eine gezwungene, und die schließliche Entwickelung eine etwas gewaltsame ist, wollen wir hier nicht weiter urgiren. 2betttuicj 6iioccfaiac&teu. Deutschland. welche an den Einzigen Gott, nicht aber an die Gottheit Christi glauben, dem Judenthume naher ständen als dem Christenthume, mit dem Anspruch des Papstes „Auf alle Getauften" verglichen wurde. Wie sehr Vieser Vergleich hinkt, braucht nicht erst angeveutet zu werden. Der obige Ausspruch unsres Königs bestätigt aber die von Ihnen ausführlich besprochene Ansicht, in welcher übrigens so Biele mit Ihnen übereinstimmen, ganz und gar. — Berlin, 1. Februar. (Privatm.) Der „Reichsanzeiger" theilt die Anrede mit, welche der Kaiser an den Vorstand der Brandenburgischen Provinzialsynode in der diesem ertheilten Audienz gehalten har. In derselben sagte der Monarch unter Anderem: „Im Frieden für die Kirche zu arbeiten, wirv Ihnen ja nicht schwer werden, wenn Sie sich auf dem Grunde des christlichen Glaubens, des Glaubens an Gott und an die Gottheit Christi halten. Dann freilich, wenn wir daran nicht festhalten, . Das Decemberheft des „Centralblattes für die gesammte Unterrichtsverwaltung in Preußen" bringt wie halbjährlich dann sind wir ja gar keine Christen mehr." Der König war! auch diesmal die im letzien Semester geschehene Verleihung rer zu diesen Worten als oberster Landesbischof sicherlich berechtigt Rechte einer juristischen Person, sowie die Zuwendungen im und jedenfalls von hoher Autorität. Bei Lesung derselben fiel I Reffort der Unterrichtsverwaltnng, welche die landesherrliche Gees mir ein, daß ich neulich in einer Recenfion Ihrer Vorlesungen! nehmignng erhallen haben. Unter der ersten Kategorie sinv von „Ueber die religiöse Idee" eine gewiffermaßen höhnische Bemerfünf aufgeführten zwei jüdischen Jntereffes, nämlich: kung las, invem Ihre Ansicht, daß diejenigen unter den Christen,! 2. Vom 24. Mai v. I. der Höchb erg'schen Stiftung zu