Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 8 (16.2.1875)
- Date
- 1875-02-16
- Page
- Seite 119 (sequence 5)
- Language
- German
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119 Das Wachsthmn der jüd. Levölkrrunz in Preußen, n.*) Die Volkszählung im DecemLer 1871 erwies in den acht alten Provinzen Preußens (also ohne die annectirten) eine jüdische Bevölkerung von 272,680 Seelen, also gegen 1867 wiederum eine Vermehrung von 9920. Gegen 1816, wo man in denselben Provinzen 123,937 Juden zahlte, haben dieselben um 148,743 Seelen zugenommen, also in diesen 65 Jahren um etwas mehr als 120 pCt. Sehen wir uns nun jetzt diese Bewegung in den einzelnen Provinzen und Bezirken etwas naher an. Hierbei ist nicht zu vergessen, daß erst das Gesetz vom 23. Juli 1847 den Juden die Freizügigkeit innerhalb des ganzen preußischen Staates gewährte. Bis dahin waren die einzelnen Provinzen hinsichtlich der Juden von einander abgeschlossen, und es war für diese sehr schwer z. B. vom linken Elbufer auf Las rechte hinüberzuziehcn, oder aus der Provinz Posen nach einem anderen Landestheile; in einigen Bezirken, z. B. in den Neusächsischen, dursten sie gar nicht wohnen. Noch schwieriger war es für ausländische Juden, sich in Preußen niederzulassen, und jeder einzelne Fall bedurfte erst der Genehmigung des Ministeriums des Innern. Außer einer ziemlich starken Auswanderung nach Amerika aus der Provinz Posen schon in den vierziger Jahren, zeigen uns bis 1847 die Zahlen nur das Bild der jüd. Bevölkerung in jeder einzelnen Provinz, wie sie sich durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle vermehrte, da, wie wir durch Zahlen erwiesen haben, der Uebertritt zum Chrisienthume selbst in der Zeit, wo er am häufigsten statrfand, gegen die Gesammtzahl verschwindend klein war, nämlich 0,17 pCt. Die entgegengesetzte Richtung zeigen auf diesem Gebiete die beiden Provinzen Brandenburg und Posen, von welchen die erste die stärkste Vermehrung an Juden erfuhr, während die Provinz Posen, die noch jetzt am stärksten von Juden bewohnte, die einzige Provinz ist, welche eine Verminderung der jüdischen Bevölkerung aufweist (außerdem nur noch Hohenzollern). Der Reg.-Bez. Potsdam mit Berlin zählte in den Jahren 1837, 1843, 1867 und 1871 an Juden: 8221 — 11,582 — 32,299 — 40,563, also in diesen 34 Jahren ein Plus von 32,342, das ist eine Berfünffachung der ursprünglichen Zahl, so jedoch, daß die Bewegung nach Berlin erst mit 1848 eine bedeutende wird. Weniger stark war die Zunahme im Reg.-Bez. Frankfurt an der Oder, nämlich: 4262 — 4656 — 6783 — 6921, also ein Plus von 2659. Die ganze Provinz Brandenburg bietet also folgende Zahlen: 12,483 — 16,238 — 39.082 — 47,484, also ein Plus von 35,001. Der Schwerpunkt des Zuzuges fällt also hier überall zwischen die Volkszählungen von 1843 und 1867. — Ein entgegengesetztes Resultat liefert die Provinz Posen. In den angegebenen Jahren zahlte der Reg.-Bez. Posen an *) S. Nr. 3. Juden: 52,017 — 54,819 — 42,435 — 40,224, also ein Minus von 11,793. Wir sehen hier von 1837 zu 1843 einen Zuwachs, wahrend 1867 eine starke Verminderung, welche zugleich die naturgemäße Vermehrung durch den Ueberschuß der Geburten über die Sterbefälle verschlingt, erweist. Der Reg.- Bez. Bromberg hatte: 22,179 — 24,788 — 23,055 — 21,758. Also auch hier ein Anwachs bis 1843, von da ab eine Verminderung, aber eigenthümlicher Weise stärker in den vier Jahren von 1867 bis 1871, als in den vierunvzwanzig Jahren von 1843 bis 1867. Die Verminderung befaßte die natürliche Vermehrung und 421. Die ganze Provinz Posen bietet uns also folgende Zahlen: 74,196 — 79,607 — 65,508 — 61,982, also ein Minus von 12,214. Wir ersehen daraus, daß der größte Theil der Einwanderung, welche die jüdische Gemeinde in Berlin erfuhr, aus der Provinz Posen gekommen sei. Blicken wir zunächst auf die jüdische Bevölkerung der Prov. Preußen, so ergeben sich aus den angegebenen Volkszählungen folgende Zahlen: 23,878 — 27,574 — 39,541 — 41,057, also ein Plus von 16,279. Die Vermehrung betrug also nur 68 pCt., also nur etwas über die Hälste des Procenrsatzes, der sich für die jüdische Gesammtbevölkerung ergab, so daß, da man für diese Provinz auch auf einige Einwanderung aus den angrenzenden russischen Provinzen rechnen muß, die Auswanderung nicht ganz unbedeutend gewesen sein kann. Die einzelnen vier Regierungsbezirke dieser Provinz zeigen aber hinsichtlich des Wachsthums eine große Verschiedenheit. Der Reg.-Bez. Königsberg nämlich zählte: 3943 — 4738 — 9759 — 10,588. also ein Plus von 6645, also ungefähr 150 pCt. Reg.-Bez. Gumbinnen: 1102 — 1468 — 3065 — 3837, also ein Plus von 2735, demnach 248 pCt. Reg.-Bez. Danzig dagegen: 5056 — 5417 — 6349 — 67 82, also ein Plus von 1726, d. i. nicht ganz 34 pCt. Reg.-Bez. Marienwerder.- 13,777 — 15,951 — 20,368 — 19,850, also ein Plus von 6073; dieser Reg.-Bez. hat also nur eine Vermehrung von 44 pCt. erfahren, in den letzten vier Jahren eine Verminderung von 518: man sieht also leicht, welche Gegenden dieser Provinz eine starke Einwanderung, und welche eine bedeutende Auswanderung gehabt haben. — Nächstdem ist die Provinz Schlesien die von Juden am meisten bewohnte, und zwar in regelmäßigem Wachsthnme bis zu etwas mehr als 92 pCt. Der Reg.-Bez. Breslau wies in in den bez. Jahren auf: 8995 — 10,400 — 18,105 — 19,189, also ein Plus von 10,194; Reg.-Bez. Oppeln: 13,179 — 15,594 — 22,153 — 22,7 66, also ein Plus von 9587; Reg.-Bez. Liegnitz: 2401 — 2673 — 4564 - 4664, also ein Plus von 2263; die ganze Provinz: 24.575 — 28,667 — 44,822 — 46,619, also ein Plus von 22,044. — Biel weniger von Juden bevölkert ist die Prov. Pommern, nämlich Reg.-Bez. Stettin: 2953 — 3809 — 6484 — 6501 , also ein Plus von 3548; Reg.-Bez. Köslin: 3006 — 3794 — 6167 — 6189, also ein Plus von 3183; Reg.-Bez. Stralsund: 184 — 158 — 398 —