Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1875)
- Date
- 1875-02-09
- Page
- Seite 110 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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110 thums sich umsehen und jetzt Ungarn, jetzt Galizien für die frischere Ausbeute Dank tvisien. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Hinrichtung eines Mörders. Glücklicher Weise ist es eine Seltenheit, daß ein Jude ein todeswürdiges Verbrechen begeht, zum Tode verurtheill und die Hinrichtung an ihm vollzogen wird. Es geschah die letztere zu Olmütz am 29. Januar an dem Raubmörder Leopold Freuth, welcher in einem Eisenbahn-Coupe einen Mann ermordert hat, um sich vesien Geldes zu bemächtigen. Der Kaiser hatte sein Begnadigungsgesuch verworfen. Nachdem dem Delinquenten dies mitgetheilr worden, besuchte ihn der jüdische Religionslehrer Hertzka wiederholt im Gefängniß und fand ihn reumüchig und gefaßt. Ueber die letzten Stunden des Berurtheilten berichtet die „N. fr. Pr." Folgendes: „Aus Olmütz telegraphirt man uns von heute Früh halb 9 Uhr: In einem kleinen Hofe der Frohnfeste wurde der Raubmörder Freuth soeben hingerichtet. Er hatte die Nacht wachend zugebracht und die Stunden gezählt. Um 6 Uhr Morgens schrieb er an seine Eltern einen Brief, worin er dieselben um Verzeihung bat. Der Religionslehrer war von 6 Uhr ab bei ihm. Diesem übergab Freuth ven Brief, dann segnete er den Kaiser nnd seine Richter, deren Uriheil gerecht sei. Hierauf wurde er aus seiner Zelle in den Hof geführt, wo nebst der Gerichts-Commission, den Aerzten und Berichterstattern nur einige Personen Platz fanden. Auf den Gängen der Frohnfeste und vor derselben hatte sich zahlreiches Publicum eingesunden. Freuth stellte sich vor den Galgen, neben ihm stand der Religionslehrer. Freuth sprach noch ein kurzes Gebet, bat hierauf die Anwesenden um Verzeihung und sagte: „Verzeihen Sie mir meine Thal, leben Sie wohl." Dann ergriff ihn der Scharfrichter Bott aus Brünn, die Knechte desselben entkleideten den Delinquenten, banden ihn fest, und der Scharfrichter vollzog die Hinrichtung. Freuth war bis zum letzten Augenblicke ziemlich kaltblütig, und nur einen kurzen Moment durchlief seinen Körper ein convulsivisches Zittern. Der Brief Freuth's an seine Eltern lautet: Olmütz, 29. Januar, 6 Uhr Morgens. Geliebteste Eltern! Noch in den letzten zwei Stunden meines Lebens bekenne ich aufrichtigste Reue, ich sterbe gerne, denn ich habe meine Sünden und Thaten mit aufrichtigster Reue und Buße bekannt, den letzten Trost und Segen erhalten, und mein Wunsch, daß mir auf israelitischem Friedhofe nach unseren Ceremonien gehörige Bestattung zu Theil werde, erfüllt sich. Wenn möglich, lassen Sie mir einen Grabstein setzen und alljährlich am 29. Januar, um 8 Uhr Morgens, das Seelenlicht anzün-. den. Schließlich bitte ich fußfallend, sich nicht zu gramen; bedenken Sie, daß Sie noch an so vielen unmündigen Kindern Vaterstelle vertteten müssen, ttösten Sie sich, wie ich mich ttöste, daß ich liebe Angehörige dereinst noch in froher Zusammenkunft begrüßen werde. Grüßen Sie alle Angehörige und grämen Sie sich nicht. Dies ist der einzige Wunsch Ihres zum Tode vorbereiteten Sohnes Leopold. V*7 Uhr, es ist noch anderthalb Stunden Zeit zum Gebete. Um 3/48 Uhr schrieb Freuth noch folgende Zeilen: Gott beschütze Kaiser Franz Joseph mit seiner Familie, der meine Thal, die ich noch in letzter Minute bereue, gerechtmäßig strafte, und ich der Strafe mit beruhigtem Gemüthe mich unterziehe. Obiger. Die Schriftzüge des Briefes sind fest und verrathen keine Spur einer Erregung. Die Leiche wird heute Abends aus ven israelitischen Friedhof gebracht und morgen beerdigt. Lieutenant Conver, welcher an der Spitze ver mit der Erforschung und Vermessung Palästinas beauftragten Expedition steht, berichtet von einigen wichtigen Entdeckungen verlorener biblischer Orte im Hügellande Judäa's. So ist das jetzige Khirbet Kueizibeh, das in l. Chron. 4, 22 erwähnte Chozeba; Maarath (Josua 15, 58) muß im Wady el Moghair gelegen haben; Arab (Jos. 15, 52) in der Nähe Hebrons ist die Khirbet el Arabiych genannte Ruine. Zanoah (Jos. 15. 56 und 1. Chron. 4, 18), das zwischen Juttah und Cain lag, ist die in der Nähe des sehr alten Cain liegende Ruine Khirbet Sanut. Dort wo man den „Wald Harith" gewöhnlich suchte, fand er eine Ruine, welche den ähnlichen Namen Kharas führt. Merkwürdig ist es, daß das Wort für Wald in der Septuaginta und im Josephus „Stadt" lautet. Was das Gehölz „Ziph" anbettifft, wohin Jonathan David aufzusuchen ging, so bemerkt Lieutenant Conver, daß dort Bäume niemals gestanden haben können. Er hat aber in der Nähe von Ziph ein Khirbet Khorreisa gefunden, in welchem das mit Gehölz übersetzte hebräische „Chorresh" erhalten ist. Und hier muß wieder bemerkt werden, daß die Sepmaginta kein „Gehölz Ziph" kennt, sondern nur einen „neuen Ort." Unter Anderem hat Herr Conder Grenzsteine gefunden, von denen er glaubt, daß sie zu den alten levitischen Städten gehörten. Ein zehnjähriger hochgelehrter Rabbi erregt gegenwärtig im Osten der Union Aufsehen. In verschiedenen Synagogen daselbst ttat er als Vorleser, Borbeter und Borsinger auf. Der Knabe heißt F. Kauffmann, ist vor zwei Jahren mit seinen Ellern aus Russisch-Polen in die Bereinigten Staaten eingewanvert und in Albany ansässig. Er spricht und schreibt Deutsch,