Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 7 (9.2.1875)
- Date
- 1875-02-09
- Page
- Seite 108 (sequence 10)
- Language
- German
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108 aber wüthet der Kampf gegen das beffere Thun einer Minorität. Durch die gemeinsten Verdächtigungen und Chikane suchte man die Mitglieder des Vereins demselben zu entfremden, obgleich die Tendenz desselben „die Verbreitung jüdisch-religiösen Wiffens und sittliche Veredelung" statutarisch festgestelll sind. Obgleich der Verein im Jahre 1866 bis auf 38 Mitglieder herabgemindert war, wurde doch der Prediger 0r. Stiebe! als Prediger und Leiter der Religionsschule des Vereins berufen, desien gediegene und erbauliche Kanzelvorträge, sowie erfolgreiche Leistungen in der Religionsfchule ihm die Verehrung aller Urrheilsfähigen bisher eingetragen haben. Im Jahre 1869 ist von der königlichen Regierung bei Berathung der Gemeindestatuten durch Absendung eines Commiffarius direct der Versuch gemacht worben, den Gemeinbezwiespalt beizulegen; es scheiterte aber Alles an der zewiffenlosen Festhaltung eines Systems, wonach jede beffere Leistung von der Kanzel fern gehalten werden muß und der Minorität keinerlei Berücksichtigung zu Theil werde. Kein Antrag der Minorität wurde berücksichtigt, und es ist ein Statut zu Stande gekommen, das man lesen muß, um es für möglich zu halten. Der Sachkundige wird sofort erkennen, daß hier nicht sachliche Erwägung der Gemeindeverhältuiffe die Bestimmungen dictirt, vielmehr die Geltendmachung der Jntereffen eines blinden Parteihasies unv eines intriganten Acteurs hinter den Couliffen. Es tragt den Zerfall der Gemeinde an der Stirn; kein Judengesetz kann sie davor schützen, wenn es nicht zeitgemäß abgeändert wird. Inzwischen haben die reichen Früchte unserer Religionsschule die Theilhaber der Majoritätsherrschaft zu dem Wunsche angeregt, ein Gleiches zu genießen, und anstatt sich mit uns zu verbinden, behufs Mitbenutzung unserer bewährten Anstalt, beauftragten sie ihre Spitze zur Organisirung einer Religionsschule und Anstellung der Lehrkräfte. Da aber diese Spitze vom Schulwesen und jüdisch-religiöser Wissenschaft nichts versteht, wurde 1872 eine vierklassige Religionsfchule organisirt mit vier Lehrern, die aber sanft entschlafen ist, nachdem sie zwei Jahre etwa ein sieches Leben gefristet. In der Zwischenzeit ist aber der erste dieser Lehrer des Rabbiners Eidam geworden, und da er auch einen 0r. vor seinem Namen hat, ist nunmehr die von deutscher Predigt noch nicht entweihte jüdische Synagoge die ganze Gemeinde werden muß, wenn ein MajoritatSregiment rücksichtslos die Gemeindeintereffen beherrscht, die Minorität von jeder Einsicht und jeglichem Einfluß auf die Gemeindeverwaltung systematisch ausschließt. Der Drohung des Gemeindevorstandes mit der Anstellung eines solchen Mannes antwortete ei» Theil der Minorität mit der Drohung des Austritts. Keiner wird an der Glaubenstreue der 22 BereinSmitglieder, welche mit dieser Drohung hervorgetreten, auch nur den mindesten Zweifel hegen. Ist auch ein solcher Schritt nicht correct zu nennen, so braucht diese Partei nicht die ehrliche Kritik zu scheuen, welche mit seltener Opferbereitschast seit acht Jahren für wahres Judenthum neben drückenden Corporationslasten jährlich 1300 Thlr. aufbringt und die Lossagung nur als eine Trennung von einer zewiffenlosen Partei auffaßt, die alljährlich 16 bis 1800 Thlr. von der Minorität an directen Beiträgen eincassirt, ohne ihr Rechenschaft legen zu wollen, wo die Gelder hinkommen. Es handelt sich hier nicht um wenige Thaler, sondern buchstäblich um den Bermögensruiu achtbarer Familien. Wenn ein Familienvater, der nur 20 Thlr. jährlich steuern kann, Jahr aus Jahr ein mit 70 Thlr. belegt wird, ohne daß seine religiösen Bedürfnisse befriedigt sind, für die er apart zahlen muß, so gehört allerdings Märtyrermuth dazu, nicht in Wirklichkeit auszutreten. Wenn die Schrimmer Berhältniffe vielleicht auch als Uuicum existiren, so ist das Pochen auf Majoritätsrecht ohne Rücksicht auf die Ansprüche einer Minorität wohl nicht alleinstehend. Wenn überall von den Majoritäten die nörhige Rücksicht auf die Minorität genommen würde, gäbe es nicht so viel Streit unter den Juden. Das Judenthum war bei seinem Eintritt in die Geschichte in Minorität und wird es nock» lange bleiben, hätte aber kein Existenzrecht unter den Völkern und Religionen, wenn es nur für die Majoritäten ein Recht gäbe. Aus der Leisemappe l»r. H. Zirndorf, Semiuardirector. Schrimms für deutsche Vorlesungen wenigstens weit offen. Die D-Svorfe-KLreba^abren Corporationsleitung begnügte sich indessen damit nicht, sondern; v _ 8 ¥ suchte diesen Mann auch zum Gemeindeprediger zu machen, und! «Fortsetzung.) ließ erst davon ab, als die Minorität dagegen Einspruch erhob.! In einem bequemen Zimmer des Palatin-Hotel suchte ich Dieses Beginnen, die Gemeindeexisten; auf ein weiteres Menschenj einen Theil des versäumten Schlafes einzuholen. Als ich einige alter ihrerseits zu beeinflussen, ist indeß nicht ohne Folgen ge- > Stunden später an das Fenster trat, rauschte die laute Geschäftsblieben. Die im August v. I. stattgehabte Ergänzungswahl! thätigkeit der Waitzener Gaffe und ein Volksleben von nicht geverwandelte die bisherige Minorität in die Majorität, und wenn j ahnter Buntheit und Fülle an mir vorüber. Es duldete mich auch durch pöbelhaften Skandal einiger Böswilligen nach der nicht zu Hause, Nur wenige Schritte brachten mich an die Wahl zweier Repräsentanten die Wahlhandlung geschloffen wurde Donau, und hier bot sich mir ein Anblick dar, der, oft geschaut, und die Wahl von zweien noch aussteht, so scheint doch einem! von vielen angestaunt, von andern gleichgültig mit dem abge- Theile der Majorität endlich einzuleuchten, wie verderblich es für stumpften Sinn der Bekanncheit hingenommen, immer wieder