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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-02-09 · Heft 7 (9.2.1875) · p. Seite 105

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 7 (9.2.1875)
Date
1875-02-09
Page
Seite 105 (sequence 7)
Language
German
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105 bet bekanntlich in solchen Dingen die Orthodoxen auf irgend eine Veränderung nicbt eingehen, auf der anderen Seite aber nach solchen Veränderungen gar wenig gefragt wird. Man konnte daher den Gegenstand vorläufig nur von rein wissenschaftlichem Standpunkte aus in Betracht ziehen. Dies ist sogar vor geraumer Zeit schon einmal von dem Herrn Regierungs- Medicinalrath vr. Niemann in einer Berliner medicinischen Zeitschrift versucht worden, ohne jedoch irgend welche entscheidende Resultate zu gewinnen, Rach dieser Seite hin, könnte vielleicht ein jüdischer Anatom, unterstützt von einem Rabbiner, dafür interessirt werden. Es käme auf die Resultate einer solchen wissenschaftlichen Untersuchung an. in wie weit sie auch eine praktische Verwerthung haben könnten. Da hier auch materielle Interessen, nämlich gesundheitliche, im Spiele sind, kann man den Erfolg im Voraus nicht übersehen. Redaction. Breslau, 29. Januar. (Privatmitth., In diesen Tagen erschien der Jahresbericht des jüdisch-theologischen Seminars über dessen zwanzigstes Jahr. In seiner bisherigen Wirksamkeit fortfahrend, harte es im letzten Jahre 31 Hörer, unter denen (außer den Provinzen Preußen, Posen und Schlesien) doch einmal wieder 2 deutsche sich befinden. Auch im verflossenen Jahre erhielt das Seminar mancherlei Zuwendungen von Gemeinden und Privaten zur Unterstützung bedürftiger Hörer und für die Bibliothek. Die wissenschaftliche Arbeit, die dem Bericht vorangeht. ist die Fortsetzung der „Hellenistischen Studien" von 0>. I. Freudenthal, die gewiß eine weitere Besprechung verdient. Oesterreich-Ungarn. Krakau, 2». Januar. «Privatmitth.) Während die Heißsporne der Polen noch träumten, eine Coalition des ganzen Landes gegen die Juden in commercieller und industrieller Beziehung zu Stande zu bringen, so daß die Juden keine Arbeiter, keine Käufer und Verkäufer finden sollten, wurde hier insonders durch Juden ein Institut in's Leben gerufen, welches den Handel Krakau's und hiermit des ganzen Landes zu neuem Aufschwung und erfreulichster Ausdehnung zu bringen un Stande sein wird. Man schreibt der „N. ft. Pr." hierüber: „Gestern Abends fand hier die feierliche Eröffnung der Krakauer Geschäftshalle statt. Die vom hiesigen, ebenfalls gestern eröffneten Kaufmännischen Vereine gegründete, somit gleichzeitig mit letzterem, in's Leben getretene commercielle Institution hat ihrem Statute gemäß den Zweck, in Krakau, als dem wichtigsten Handelsplätze Westgaliziens, einen Centralpunkt für den geschäftlichen Verkehr herzustellen und auf die Förderung des Handels, die Belebung des Gewerbefleißes und die Beziehungen desselben zur Production thunlichst zu wirken. Daß Krakau (welches als Knotenpunkt von drei wichtigen Bahnlinien den Handelsverkehr zwischen dem productenreichen Galizien, Rußland und dem deutschen Reiche vermittelt) diese seine günstige geographische Lage zu seinem eigenen commerciellen und industriellen Aufschwünge zu benutzen bisher unterließ, dies geschah eben aus dem Grunde, weil den Kausleuten daselbst bisher jener geschäftliche Gemeingeist mangelte, der mit vereinten Kräften und deshalb auch oft erfolgreich dem gewünschten Ziele entgegenstrebt. Diesen auf Hebung der hisigen Handels-Interessen nunmehr gerichteten gemeinsamen Sinn in der Krakauer kaufmännischen Well geweckt zu haben, ist unstreitig das Verdienst des hier allgemein geachteten Avvocaten 0r. Arnold Rapaport. In Anerkennung seiner diesbezüglichen Leistungen hat auch gestern der Bicepräsident des Käufmännischen Vereins. Herr Osias Fränkel — der in Vertretung des erkrankten Präsidenten Herrn Gustav Baruch die Geschäfrshalle in ihrem solenn erleuchteten, von der großen Mitglieverzahl dichtgefüllten Locale eröffnete — dem l»,. Arnold Rapaport in warmen Worten den Dank res Vereins ausgedrückr und im Namen des letzteren zum Zeichen der Hochachtung ein Ehrengeschenk, bestehend in einem silbernen Pocale, überreicht. 0>. Rapaport hielt rann eine längere, den Zweck und die Bedeutung des Vereins und rer Geschäflshalle beleuchtende Rede, die in der Versammlung rauschenden Beifall fand. Hierauf folgte ein animirtes Bankett. Der Verein zählt bereits mehrere hundert Mitglieder und hat die Absicht, ein eigenes Journal für Handel und Gewerbe herauszugeben. Pest, im Januar. (Privatmitth.» Laut amtlichem Ausweis sind im verflossenen Jahre in der hiesigen Gemeinde 139! Sterbefälle vorgekommen. Davon waren: Erwachsene 596 u. zwar 305 Männer u. 261 Frauen Kinder bis incl. 12 Jahre 563 - - 294 Knaben - 269 Mädch. Frühgeburten und Kinder bis l Atonal 265. Die größte Sterblichkeit zeigt der Monat März mit 155, die geringste der Monat April mir 9d Personen. In den übrigen Monaten vertheilen sich die Sterbefalle von 102 bis 134. Der k. ungarische Minister für Cultus und Unterricht hat dem hiesigen israel. Mädchenwaisenhause 1000 fl. zu Unterrichtezwecken zugewendel. —. Im Januar vorigen Jahres trat der Schneidermeister Karlnißky in Wien zum Judenthume über und heirathete ein Fräulein Katharina Weiß aus Tas in Ungarn. Die Ehe der beiden jungen Leute scheint eine recht glückliche zu sein, denn den Bruder Karlnißky's, der in Wien Sleinmetzmeister ist. lockte, wie das „P. I." erzählt, ein gleiches eheliches Glück, und dieser Tage trat auch er zum Judenthume über, um eine Cousine seiner Schwägerin, Fräulein Esther Stein aus Tas, zu ehelichen.

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