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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-02-02 · Heft 6 (2.2.1875) · p. Seite 87

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 6 (2.2.1875)
Date
1875-02-02
Page
Seite 87 (sequence 7)
Language
German
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wisse und die Zahlen vollständig erfunden seien. Man war überall erstaunt, unv wollte über den Zweck aufgeklärt sein. Doch hierüber ist es am füglichsten zu schweigen, unv vie Sache dem eigenen Unheil zu überlassen. München, 15. Januar. lPrivatmilth.) Statistik des Judenthums. Der Rabbiner 1),-. Engelbert in Sl. Gallen giebt bei I. Kaufmann in Frankfurt am Main eine „Statistik des Judenthums in Deutschland «exel. Preußen) unv der Schweiz" heraus, zu der die Erhebung res sehr reichhaltigen Materials (es umfaßt nicht nur die Seelenzahl, sondern das gesammie Cultus- und Unterrichtswesen der betreffenden Gemeinden) vom schweizerischen Bundesrath theils angecrdnet, theils auf diplomatischem Wege erwirkt wurde. — Was speciell ras Königreich Bayern betrifft, so weist dasselbe in 35 Rabbinaten 375 Gemeinden nach, deren Gesammtseelenzahl sich auf 50,048 beläuft. Bon dem durch die Freizügigkeit erfolgten bedeutenden Aufschwung der städtischen Gemeinden heben wir nur einige Beispiele hervor: Seelenzahl v. 1852 von 1809 von 187 Nördlingen 3 90 170 Nürnberg 74 1554 1831 Augsburg 123 491 000 Würzburg 480 1005 1518 München 1252 2097 2903 Jm Ganzen hat die Zahl der israelitischen Bewohner Bayerns im erwähnten Zeitraum von 1852—72 um 9,01 pCt. abgenommen, was wohl nur durch die noch in den fünfziger Jahren häufigen Auswanderungen zu erklären ist. Das Vermögen rer vorhandenen, zu Cultus- und Schulzwecken bestimmten Sliftungsfonds erreich: die Höhe von 218,059 fl. Dadurch, daß auch die Beamten und ihre Besoldungen, die Immobilien i Synagoge, Schulhaus und Begräbnißplatz), die Wehlthärigkeirsanstalren- und Vereine mit ausgenommen sind, giebt die Statistik einen Gesammtüberblick über das, was in Milten des Judenihums zur Befriedigung des religiösen Bedürfnisies, zur Förderung des Schulwesens und zur Unterstützung der Armen geschieht, und geht daraus eine Fülle interesianter und werrhvoller Daten hervor, die bisher nur in allgemeinen Umrisien bekannt waren. Nürnberg, 7. Januar. «Privatmittheil.) Musikdirector Lewandowski in Berlin hatte von Seilen des Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde den Auftrag erhalten, die Compositionen für die in der neuen Synagoge eingeführte Liturgie zu liefern. Mit Recht fanden die Compositionen die Anerkennung aller Sachverständigen, sowie auch reu Beifall der Laien, so daß eine Anzahl Musikfreunde in hiesiger Stadt beschloß, Herrn Lewandowski auch ein äußeres Zeichen der Anerkennung zu übersenden. Ein von dem Profesior der hiesigen Kunstgewerbschule zur Straßen modellirter prachtvoller silberner Tafelaufsatz ging heute mit entsprechenden Widmung an Herrn Lewandowski ab. Italien. Aus Oberitalieu, IO. Januar. (Privatmirrheil.) In einem jüngsten Schreiben erwähnte ich der Auszeichnung, welche von Seiten rer Berliner Akademie der Wissenschaften durch Zuerkennung des Bopp'schen Preises für die beste wissenschaftliche Arbeit auf rem linguistisch-philosophischen Gebiete dem Tirector und Professor an dem wissenschaftlichen Institut zu Mailand, G. I. Ascoli, zu Theil wurde. Zu gleicher Zeit erhielt, wie ich neulich aus einer römischen Corresponden; an den Corriere Jsraelitico (4. Dec. 1874 S. 187) entnehme, ein anderer Italiener unserer Confession, Cav. Luigi Cremona, Präsident der praktischen Schule für Ingenieure in Rom, von derselben Berliner Akademie den Preis für die mathematischen Wissenschaften. Als die Kunde davon bei uns anlangte, brachten alle Zeitungsblätter der italienischen Halbinsel die erfreuliche Notiz, daß im deutschen Athen zwei Italiener in der Concurren; der wissenschaftlichen Koryphäen unserer Zeit den Sieg davon getragen haben. In diesen Israeliten wurde also die italienische Nationalität vollständig anerkannt, ihre israelitische Confession wurde auch nicht im Entferntesten angereutet. Allein sollte ein Jeraelit zum Minister ernannt werden, oder kann mau irgend einen Juden eines Versehens oder gar eines Vergehens zeihen, nun da ist „der Jude" bald auf den Lippen, und es wird Zeter gesckrien, weil die Juden, Juden sind. Ein solches Maß hält noch heut zu Tage das Billigkeitsgefühl rer volkserziehenden, tonangebenden Journalistik. In Turin wurde das große Jnselgebäude, worin in den vergangenen Jahrhunderten die dortigen Israeliten als in ihrem Ghetto zusammengepfercht wohnten, im vorigen Monat an eine Aetiengesellschaft veräußert. Wenn es einerseits erfreulich ist, daß die Erinnerung an die unnennbaren Bedrückungen und das herzbeengende Elend denen unsere Glaubensbrüder in vergangener Zeit ausgesetzt waren, als sie sich von jenen häßlichen, abstoßenden Wohnungen nicht entfernen durften, durch Niederreißung und Umwandlung derselben in anmuthige, herrliche Bauten, gleich den übrigen rer schönen Königsladt, verwischt werde, so ist es andererseits schmerzlich zu vernehmen, daß für längere Zeit wenigstens ein großer Theil der bisherigen Bewohner jenes Labyrinthes in seinen Interessen empfindlich geschädigt sein wird, da die ärmere Classe rer Turiner Israeliten für geringen Zmspreis in dem belebtesten Theile der Stadt wohnen konnte, welches ihrer Rührigkeit unv industriellen Thätigkeit sehr zu statten kam. Ein anderer Uebelstand erwächst auch daraus, daß zwei der dortigen Synagogen, die des italienischen und spanischen Ritus, sich in jenem Gebäude befinden, und der seil Jahren unterbrochene Vau des prachtvollen Tempels schwerlich zu Ende geführt werden dürfte. Es werden also wieder zwei Gotteshäuser in gemiecheten Starten provisorisch eingerichtet werden müssen. Ein sehr mißlicher Umstand für die bereits hart mitgenommene Gemeinde.

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