Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1875)
- Date
- 1875-02-02
- Page
- Seite 86 (sequence 6)
- Language
- German
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86 hoffen, daß dem Verfasser durch zahlreichen Ankauf des Werkes es ermöglicht werde, seine weiteren Arbeiten auf diesem Felde zu veröffentlichen. — Gedichtsammlung zu Declamationsübungen für die reifere Jugend. Bon lli. M. Katzen stein. Hamburg, Otto Meißner 1574. Tie vorliegende Gedichtsammlung geht vom confessionslosen Standpunkte aus. Dem religiösen Stoff überhaupt widmet sie nur wenige Nummern — und von diesen gerade hätten einige wegbleiben sollen, z. B. Nr. 7 auf S. 6 — und irgend welcher specifischen Confession ist kein Raum gegeben. Da gegenwärtig so vielen Lehranstalten der confessionslose Charakter verliehen wird, kann man das Bedürfniß solcher Schriften nicht verkennen. Von diesem Gesichtspunkte aus ist das vorliegende, schön ausgestattete Werk zu empfehlen. Die Hauptsache bei einer solchen Sammlung ist die zweckmäßige Auswahl, und diese hat der Bersasier angemeffen getroffen. Er hat auch nicht verfehlt, der Mehrzahl von Gedichten ernsten Inhalts eine Anzahl humoristischer hinzuzufügen. Bon jüdischen Dichtern fanden wir nur zwei. Las eine von L. Lieber (Lefser), das zuerst in dieser Zeitung veröffentlicht worden, und eines vom Herausgeber der Sammlung „die Friedensfeier", ein einfaches aber recht passendes Gedicht (Nr. 17,7.) ^sTeiiuucj Deutschland. Berlin, 17. Januar. (Privatmitth.) Die „Boff. Zlg." nimmt von der Einführung der neugewählien jüd. Gemeinderepräsentanten Beranlaffung. für die neue Session des Landtages die Einbringung des Gesetzes über die jüdischen Gemeinden zu empfehlen „um die jüdischen Bewohner von dem lästigen Beitrags zwange zu besteien." Dies ist wenigstens klar und einfach ausgesprochen, und wir wünschen lebhaft, daß das Abgeordnetenhaus, Herrn Lasker an der Spitze, davon Kenntniß nehme, um einzusehen, was seine Phrase „aus confessionellem Bedenken" zu bedeuten habe. Es handelt sich um nichts als die Beitragspsticht, da viele Individuen sehr gern Andere für das zahlen lasten, was sie selbst benutzen. Was von „Gewissensfreiheit" dabei gefaselt wird, trifft gar nicht, oder nur in einigen wenigen äußersten Fällen zu. Uebrigens ist, wie wir hören, die Fertigstellung des betr. Gesetzentwurfes noch soweit zurück, daß er wohl in der gegenwärtigen Session im Landtage noch nicht zur Borlage kommen wird. — In die große ständige Justizccmmission ces Reichstages, welche gewählt worden, um nach Schluß der Reichstagssession die großen Gesetzentwürfe über das neue deutsche Civilrecht zu prüfen und zu berathen, sind auch zwei Reichstagsabgeordnete jüdischer Religion gewählt, die DDr. Lasker und Wolsssohn (Hamburg). — . Zu den vielfachen Humanitäts - Anstalten rer hiesigen jüdischen Gemeinde hat die Kranken-Berpflegungs-Anst a l t in der Auguststraße 14 u. 15 unter bedeutenden Opfern auch ein pneumatisches Cabinet Herstellen lasten. Bei der großartigen Einrichtung mit allem Comfort unserer Zeit ausgestattet, ist die Anstalt in der Lage nicht nur den Leidenden der Kranken- Verpflegungs-Anstalt Hülfe zu verschaffen, sondern es können auch die verschiedenen Cabinete des Apparats von Kranken, die nicht in der Anstalt sich befinden, benutzt werden. — Die Aufnahme erfolgt durch den dirigirenden Arzt täglich zwischen 12 nnd 1 Uhr. 6u occlatxc&teu. Köln, 22. Januar. (Privatmitth.) Man weiß hier nicht, ob es ein Scherz der „Düsieltorfer Zeitung" gewesen, oder ob es ein Fühler war, den einige Anhänger des I>r. Lehmann in Main; versuchten, wenn die genannte Zeitung die Nachricht brachte, ,,es solle, wie man hört", Herr Lehmann die Stelle des verst. Herrn l»r. Schwarz als Rabbiner der hiesigen Gemeinde erhalten. Wer die Mitglieder des Vorstandes und der Repräfentantenversammlung, sowie die Ansichten in der Gemeinde kennt, weiß, daß Herr L. gerade so viel Aussicht hätte, gewählt zu werden, wie ein extremer Radical-Resormer. Für beide ist hier kein Feld. Di*. Lehmann hat vor Kurzem am Grabe des verst. Altmann zu Karlsruhe selbst erklärt, daß er den Frieren für nichts, ja für verderblich halte, vielmehr daß Streit und Hader allein den Bestand der Religion sichern könne. Man weiß daher im Voraus, was man von seiner Amtirung zu erwarten hätte, und hierfür haben hier die Wenigsten eine Vorliebe. Weitere Bemerkungen unterlaffe ich, da es sonst aussehen könnte, als ob diese Candidatur ernstlich zu bekämpfen sei. Vom Rheine, 22. Januar. (Privatmitth.) Es war eine große Ungeschicklichkeit, daß der Erfinder jener Angabe im Mainzer „Israelit", es seien im Jahre 1573 in den acht alten preußischen Provinzen 1335 Judenkinder protestantisch gelaust worden, von diesen 156 nach der Rheinprovinz verlegte. Bekanntlich ist die immense Mehrheit in dieser Provinz katholisch, und es war doch sehr unglaublich, daß in einem solchen Lande die Judenkinder gerade protestantisch getauft sein sollten, oder man mußte annehmen, daß noch zehnmal mehr katholisch getauft seien. So einleuchtend es sein mußte, daß alles Dies auf Unwahrheit Hinausliese, so hielt ich mich doch an die so bestimmt angegebene Zahl von 150, und wandte mich an zuverlässige Männer in den meisten Gemeinden des Rheinlandes, die sehr wohl wiffen konnten, was da selbst vorgesallen. Denn die rheinischen Gemeinden sind allesammt nicht groß und außer Köln erreicht keine einzige die Zahl von 1000 Seelen. Die Antworten lauteten aber sämmtlich dahin, daß man von solchen Taufen gar nichts