Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 6 (2.2.1875)
- Date
- 1875-02-02
- Page
- Seite 85 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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85 halt an, der der deurschen, wie überhaupt unsrer gegenwärtigen Anschauung nicht genügt; bei einer Uebersetzung aber dürfen wir nur mil einem Worte den Gedanken verbinden, den die Sprache ihm beilegt.*) Wir glauben also, daß man bei dem Ausdruck „Zehn Worte" stehen bleiben und ihn durch die israelitischen Lehrbücher und Schulen allgemein gebräuchlich machen soll, noch dazu, da der Uebergang von „Zehn Geboten" zu ihm der leichteste ist. Literarischer Wochenbericht. Bonn, 20. Januar. Die von Hallberger in Stuttgart herausgegebene Prachtbibel für Israeliten mit der Uebersetzung von Di-. L. Philippson und den meisterhaften Illustrationen von Gustav Dor,'- ist bereits so weit vollendet, daß die Apokryphen unter der Presse sind. — In derselben Verlagsbuchhandlung ist der vom Institute zur Förderung der israel. Literatur herausgegebene biographische Roman Judah Touro von Dr. Wassermann in einer sehr eleganten Ausstattung nochmals erschienen. — Phönizische Epigraphik. Die Grabschrift Eschmunazar's, Königs der Sidonier. Urtext unv Uebersetzung nebst sprachlicher und sachlicher Erklärung von Dr. S. I. Kampf, Professor an rer k. k. Universität in Prag. Mil einer Beilage, das Epitaph in der phönizischen Originalschrift enthaltend. Prag. 1874. Verlag von H. Deminicus. Bei Gegenständen von hohem antiquarischem und sprachlichem Werthe, in deren Schooße jedoch eine Menge schwieriger Fragen enthalten ist, erscheint es von Bedeutung, daß von Zeit zu Zeit gewissermaßen eine Revision der Acten vorgenommen und dabei ans Licht geschafft wird, was hier an Schätzen noch verborgen liegt. Dies hat Herr Prof. Kämpf in der vorliegenden Schrift betreffs der genannten phönizischen Inschrift gethan, und mit reichem Erfolge. Zwar vermochte auch er die Abfaffungszeit nur aus allgemeinen Gründen festzustellen, sowie die Frage nicht zu lösen, wieso die phönizische Sprache der hebräischen so überaus nahesteht, während die Phönizier nach der biblischen Urkunde nicht zu den Semiten gehören? (Bei der auch vom Versaffer besprochenen Stelle 1 Mos. 0. 22 ff. machen wir auf die in unserm Eommentar zur Stelle ausgesprochene Ansicht aufmerksam.) Dahingegen verstand es der Verfasser, in seiner sprachlichen und sachlichen Erklärung der Inschrift sehr viele triftige Bemerkungen und stichhaltige Beobachtungen hervorzubringen, welche für das richtige Verständniß der Inschrift und für das Verhältniß der beiden Sprachen zu einander von Wichtigkeit sind, so daß die vorlie- *) Wir haben auf die Gleichbedeutung von rr-2 und Religion bereits in unsrer „Religionslehre" B. I S. 7 aufmerksam gemacht und halten diese ganze Ansicht für nicht ohne wesentliche Folge. gonde Schrift für ihren Gegenstand ein unentbehrliches Hülfsminel geworden. — Beiträge zur jüdischen Alterthumskunde. II. Die Lebensalter in der jüdischen Literatur, von physiologischem, Rechts-, Sitten- und Religionsgeschichilichem Standpunkte betrachtet. Bon Leopold Löw. Im Selbstverläge des Verfassers. Szegedin, 1875. Abermals ein Zeugniß von der außergewöhnlichen, umfassenden Belesenheit des Verfassers und ein Vorbild, wie antiquarische Gegenstände erschöpfend behandelt werten müssen! Um die Reichhaltigkeit des Inhalts anzudeulen, geben wir eine Uebersicht desselben. Der erste Abschnitt giebt eine „Geschichte der Lebenstheilung", der zweite „Embryologisches und Gynäkologisches"; rer dritte Abschnitt bespricht „den ersten Lebensmonat", rer vierte „die aufsteigenden Lebensalter"; im fünften Abschnitt werden „die Bestimmungen der talmudischen Rechtslehre über die vorliegende Materie behandelt"; der sechste hat die Uebcrschrift „Der Katan auf rituellem und cultuellem Gebiete"; der siebente kommt zum abnehmenden Alter, und der achte fügt die „Spiele und Zerstreuungen der verschiedenen Altersstufen" hinzu, und reichliche Anmerkungen nebst Registern schließen das Werk nutzbar ab. Es versteht sich, daß wir dem Verfasser nicht auf das Gebiet dieser zahllosen Einzelnheiten -hier folgen. Das Eine war uns auffällig, daß der Verfasser, während er die Altersbestimmungen für den Dienst der Leviten bespricht, die Bestimmungen über das wehrpflichtige Aller ganz übersieht, obschon diese zu vielen Vergleichungen und zur Heranziehung eines großen Materials über Heeresorganisation, Waffen, Tapferkeit, Kriegszüge u. dgl. härten dienen können. So überaus schätzenswerih nun viele Ausschlüsse sind, die uns in dem vorliegenden Werke über vielerlei Materien gegeben werden: so konnten wir uns doch nicht der Ansicht verwehren, daß in ihm der Mangel an innerm Verständniß, an Aufklärung über den Gehalt und Werth aller dieser Einzelnheiten sich sehr fühlbar macht. Von schwungreicher Eombination, von tieferm Eingehen in das Wesen der Dinge haben wir wenig gefunden. Es ist ein alter Spruch, in der Wissenschaft sei auch das Kleinste wichtig, und Nichts unbedeutend. Dies ist richtig, jedoch nur wenn auch im Kleinsten der Zusammenhang mit der Gesammtheil und eine Abspiegelung der letzteren nachgewiesen wird. Dies ist der Unterschied zwischen Wissen und Wissenschaft. Die Wissenschaft ist nicht befriedigt durch das bloße Wissen einer Sache, sondern erst durch das Begreifen ihres Wesens, wie sie ein Theil des Ganzen ist und zu diesem ein bestimmtes Verhältniß einnimmt. Sonst erhallen wir nur Curiositäten, nicht aber Gegenstände der Wissenschaft. Man braucht nur das Schlußcapitel des vorliegenden Werkes (S. 359) zu lesen, um die Richtigkeit unsrer Bemerkung zu j empfinden. In allen Einzelheiten erweist der Verfasser Schars-! blick und Kritik; aber über das Materielle seines Gegenstandes ■ kommt er nicht hinaus. Mit diesen Bemerkungen haben wir;fcem vielfachen Werthe der vorliegenden Schrift nicht zu nahe- . treten, sondern nur ihren Standpunkt bezeichnen wollen. Wir