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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-02-02 · Heft 6 (2.2.1875) · p. Seite 84

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 6 (2.2.1875)
Date
1875-02-02
Page
Seite 84 (sequence 4)
Language
German
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84 ist dasselbe wie ol xu l.oyoi der Septuag., also dem vou unsrem gesch. College» gebilligten Dekalog. Haben wir uns Dennoch des hergebrachten Ausdrucks im obigen Leitartikel bedient, so geschah dies lediglich der allgemeinen Verständlichkeit wegen, die man in einem Aufsatze, den man dem größer» Publikum nahe bringen will, nicht außer Augen setzen dars.*) Was nun den von Herrn Dr. Braun in Vorschlag gebrachten Ausdruck „die zehn Bundesworte" betrifft, so haben wir folgende Einwände hervorzuheben. 1) Wenn es auch richtig ist. Laß an der angeführten Stelle die „Zehn Worte" man — at „Worte res Bundes" genannt werden, so gebraucht doch die Thora selbst dieselbe Bezeichnung auch für Lehre und Gesetz in viel weiterm Umfange. Werden schon 2 Mos. 24, 3. 4. 7. alle am Sinai verkündeten Gesetze, auch die Tpecialgesetze in ein 77'---. iso „Buch des Bundes" niedergeschrieben und vorgelesen: so heißt es 5 Mos. 25. 69: „Diese sind ri—;a7i -- die Worte des Bundes, den der Ewige dem Moses gebot mit den Söhnen Israels zu schließen außer dem Bunde, den er mit ihnen schloß am Horeb." Dieselbe Bezeichnung „Bundesworie" wird also von rer Thora selbst in einem viel weiteren Umsange der Lehre und des Gesetzes angewender, nämlich aus alle, die *, Wir wollen hierfür noch ein anderes Beispiel geben. Für das von Moses in der Wüste ausgerichtele Heiügthum bedient sich die heil. Schrift am öftersten der Bezeichnung -rna --rr, und diese wird bekanntlich „StiftShüite, Stiftszelr" wiedergegeben. Diese Benennung wird allgemein sestgehalten, obschon Niemand einen rechten Begriff damit verbindet, so daß Slislshütte ein deuffcher Eigenname für das israelitische Heilizthum der Wüste geworden, und mit der Bedeutung eines Eigennamen nimmt man es bekanntlich nicht streng. In unsrem Commentar zu 2 Mos. Cap. 26 haben wir erwiesen, daß die Bedeutung des Ausdrucks -:y"z brrs vom h. Worte selbst sehr deutlich 29, 42 ff. angegeben „wohin ich mich zu Euch verfügen, mit Euch Zusammenkommen will, daselbst mit Dir zu reden; daselbst will ich mich zu den Söhnen Israels verfügen (T-rri) und es soll geheiligt werden durch meine Heiligkeit ff." Ebenso 30, 36: „woselbst ich mich zu Dir verfügen werde" (*p ns). Was unter dem „sich verfügen Gottes" speciell zu verstehen, ist bereits 25, 21. 22. ausgesprochen. nämlich die zukünftige Offenbarung Gottes von der Sühnplatte auf der Bundeslade herab, vgl. 30, 6. 4 Mos. 17, 9. So wird das Heilizthum mit -rm-rbrr« als Offenbaruugsstätte, als Ort, wo Gott Israel sich offenbart, bezeichnet. Die einzig richtige Uebersetzung des ins brrs im Sinne der Thora ist demnach die von uns gebrauchte „Zelt der Zusammenkunft", nämlich „Gottes mit Israel" (nicht „Zelt der Versammlung, Festversammlung", also Versammlung des Volkes, wie noch Fürst erklärt. Trotzdem würden wir in allgemeinen Auffätzen der Verständlichkeit großen Abbruch thun, und müßten jedesmal eine erläuternde Anmerkung hinzufügen, wollten wir die Benennung „Stiftshütte" durch „Zell der Zusammenkunft", wie es in unsrer Bibel geschehen, ersetzen. <Die Septuag. gehen der Sache aus dem Wege, indem sie ay.t’rr, tov naoTvtnov übertragen, was r-nrn brr« ist.) durch Moses verkündet worden. Das Weitere hebt daher gewiffermaßen das Engere auf. 2) Der deutsche Ausdruck „Bundist mit dem hebräischen rrna nicht ganz identisch, das letztere wird auch da gebraucht, wo wir im Deutschen vielmehr „Vertrag" sagen, nämlich zwischen Höher- und Niedrigerstehenden, sowie zwischen feindlichen Mächten, welche sich über streitige Punkte vertragen, ohne darum zu einem bestimmten Zwecke sich zu verbinden.*) Das deuffche Wort „Bund" dagegen wird stets nur zwischen gleich stehenden Mächten oder Personen, die sich zu einem ganz bestimmten Zwecke mit einander verbinden, gebraucht. Niemand wird z. B. den Vertrag zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern einen Bund nennen, sondern nur einen Vertrag, ebenso wenig wird ein Friedensabschluß, der das Abkommen über streitige Punkte enthält, ein Bund genannt, welche Bezeichnung erst eintritt, wenn sich die Mächte zu einem Schutz- und Trutzbündniffe vereinigen. Gebrauchen wir nach deutscher Anschauung ras Wort „Bund" für das Verhältniß, in welches Israel durch die Offenbarung zu Gott eintrat, so stellen wir Gott und Israel als gleichstehende Mächte, als gleiche Individualitäten auf, und dies widerspricht unsrer ganzen Denk- und Gefühlsweise. Die heil. Schrift hat dies auch sicherlich mit dem Ausdruck ri'-n durchaus nicht gemeint, und wenn sie nach der Fluch Gott mir allen Menschen, später mit Abraham, dann mit Israel einen m» eingehen läßt, so geschieht dies nicht im Sinne res deuffchen Wortes Bund, sondern in dem einer unmittelbaren Verbindung. Für dieses Verhältniß haben wir auch ein allgemein gebräuchliches Wort, nämlich „Religion". Dieses Wort leitet Lactanz von religare „verbinden" ab, indem er sagt: a vinculo pietatis, quotl hominem sibi Deus religaverit et pietate constrinxerit, „von dem Bande der Frömmigkeit, mit welchem Gott Len Menschen sich verbunden und durch die Frömmigkeit befestigt hat."**) Religion heißt also die Verbindung des Menschen mit Gott, und dies ist auch die Bedeutung des rn-a; der ma zwischen Gott und Israel ist die israelitische Religion, in welche Israel durch die Offenbarung eintrat. Der deutsche Ausdruck „Bund" giebt also einen zu engen und beschrankenden Jn- *) Von solchen „Verträgen" wird n'-a an vielen Stellen der h. Schrift gebraucht,;. B. schon 1 Mos. 21, 27. 26, 25. 31, 44; ferner zwischen Höher- und Niedrigstehenden Icsua 9, 15., so 1 Sam. 11, 1. „schließe mit uns einen rp-o, und wir wollen Dir Knechte sein." rr-a von ma „zerschneiden", bedeutet eigentlich das bei vielen alten Völkern gebräuchliche Zerschneiden der Opferihiere in zwei Hälften, wenn ein Bündniß oder Vertrag geschloffen werden sollte, darum ma n-o „einen Bund schneiden." **) Diese Ableitung von religio wird durch Stellen wie Lucr. I, 930. Tacitus Ann. 3, 26 bestätigt. Cicero dagegen leitet es von relegere „sorgfältig überlegen", und nennt diejenigen religiös, welche Alles, was den Cultus der Götter betrifft, sorgfältig überlegen. Für die moderne Welt hat aber Religion nur die Bedeutung, welche Lactanz diesem Worte beilegt.

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