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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-26 · Heft 5 (26.1.1875) · p. Seite 74

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 5 (26.1.1875)
Date
1875-01-26
Page
Seite 74 (sequence 10)
Language
German
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74 freigegeben werden kann, vielmehr auf Bezahlung, auf hohe Bezahlung und auf Unterschiede nach dem Maße der Bezahlung gedrungen werden muß — so wäre es unerträglich, die Vermögensklaffen gänzlich zu scheiden, und nach diesen getrennte Gotteshäuser zu errichten. Jedenfalls geht aus diesen amerikanischen Zuständen hervor, welch ein unschätzbares Gut die Gemeindeeinheit ist, welche Urtheils- oder Gewissenlosigkeit dazu gehört, sie zerstören zu wollen, und wiederum entspringt daraus für uns die Warnung, der Pracht und dem Pompe der Gotteshäuser und des Gottesdienstes nicht zu sehr zu huldigen, weil hieraus unausbleiblich ähnliche Folgen ersprießen, wie in Amerika — abgesehen davon, daß die Innerlichkeit der Andacht dadurch eher zerstreut als gehoben wird. Die Redaction.) Ieuilleton. Correspondenz. Stadtoldendorf (Herzogth. Braunschweig), 14. Jan. In Bezug auf die in Nr. 2 dieser Zeitung geführte Eorrespondenz aus Fürth, die Wanderbettelei betreffend, ist nachstehende Mittheilung gewiß von öffentlichem Interesse. Bor ungefähr zwei Jahren kamen zu Herrn Rothschild, Besitzer von Stein- und Marmorbrüchen Hierselbst, mehrere kräs. tige junge Polen, die Herr R. auf das Unzweckmäßige ihres Herumtreibens aufmerksam machte und zum Arbeiten in seinen Steinbrüchen aufforderte. Sie gingen darauf auf den ihnen gemachten Vorschlag ein. Ihre Anzahl hat sich seit der Zeit vergrößert, so daß kurz darauf sieben, alsdann neun Polen hier in Arbeit standen. Spater haben sich Mißverhältnisse herausgestellt, die theils darin bestanden, daß die jüdischen Arbeiter der ihnen anvertrauten Arbeit nicht gewachsen waren. und dem Arbeitgeber empfindlicher Nachtheil erwuchs, theils in der Verabreichung von jüdischer Kost, wodurch auch die hiesige Gemeinde in unliebsame Mitleidenschaft gezogen wurde. Augenblicklich arbeiten noch drei der zuerst dagewesenen Polen, die übrigen sind während des letzten Sommers und Herbstes entlassen worden. Noch muß bemerkt werden, daß mehrfach durchreisende Polen, durch das Beispiel ihrer Landsleute aufgemuntert, um Arbeit dringend nachsuchten, die aber Herr Rothschild in Rücksicht auf die oben geschilderten Mißstände zurückgewiesen hat. Zwei von den noch hier weilenden Arbeitern sind verheirathet und senden monatlich ihre Verdienste ihren Familien nach Rußland; sie selbst leben jedoch äußerst beschrankt und entziehen sich oft das Allernvthweudigste ihrer Bedürfnisse. Bedenkt man, daß die jüdischen Arbeiter von Jugend auf an solch schwere Arbeit nicht gewöhnt waren und sich derselben jetzt gern und mit Ausdauer unterziehen, so ist ihnen sicher eine gewisse Anerkennung nicht abzusprechen. Wie bereits oben angedeutet, ist Einsender dieses durch die Correspondenz aus Fürth zu diesem Artikel geführt worden. Ich will auf das Nähere derselben nicht eiugehen, glaube aber, daß sowohl der Correspondent als auch der Verein gegen die Wanderbettelei, durch ein starkes Vorurcheil verleitet, sich zur großen Strenge haben Hinreißen lassen. Der Zweck des Vereins ist gewiß ein löblicher, und die Bemerkungen des geehrten Correspondenten sind in mancher Beziehung recht zutreffend, jedoch ist ein übergroßer Eifer immerhin schädlich und führt oft das Gegentheil herbei, was man bezwecken will. Vielleicht möchte obige Mittheilung dazu anregen, jungen arbeitsfähigen Polen auch in anderen Theilen Deutschlands Arbeit zu verschaffen, und wäre hierdurch sicher ein recht wirksames Mittel gegen die Wanderbettelei gewonnen. li. Herzog Serthold von Andechs u. der Zvde -Zalomon. (Eine Episode aus dem dritten Kreuzzug.» Bon Rabbiner vr. Engelbert in St. Gallen. Es war ein beißer, blutiger Kampf, der eines Tages vor Accons Doppelmauern während dessen zweijähriger Belagerung von den Kreuzrittern >1189—91) mit dem Ausfall der saracenischen Besatzung begonnen und erst spät am Abend durch die Flucht derselben beendet wurde. Die Tapferkeit der deutschen Ritterschaft, die hier besonders engagirt war, hatte sich auf das Trefflichste bewährt; zahlreiche Todte und Verwundete, die der Feind zurücklassen mußte, gaben Zeugniß hiervon. Ganz besonders war es Berthold von Andechs, Herzog von Meran, der mit Löwenmuth gekämpft, wie er überhaupt auf dem ganzen bisherigen, überaus mühe- und gefährlichen Zuge, namentlich durch die Engpässe Bulgariens, sich durch Kühnheit und Unerschrockenheft ausgezeichnet hatte und seinen oft verzagten Kampfgenossen mit einem heroischen Beispiel vorangegangen war. Erschöpft von der Schwüle des Tages und den Anstrengungen des Gefechts verließ er das leichenbesäete Schlachffeld, das von dem fahlen Mondlicht beleuchtet nur einen um so schauerlicheren Anblick gewährte, und begab sich in sein auf der äußersten Linie des verschanzten Lagers gelegenes Zelt, um der wohlverdienten Ruhe zu psiegen. Sichtlich mit sich und dem vollbrachten Tagewerk zufrieden, streckte er sich auf der ersehnten Lagerstätte mit besonderem Wohlbehagen aus, sich der frohen Hoffnung auf das vollständige Gelingen des so schwierigen, gemeinsamen Unternehmens hingebend. Er sah schon im Geiste diese, als der Schlüssel Syriens für das christliche Heer überaus wichtige und daher auch vom Sultan mit außergewöhnlicher Sorgfalt befestigte Hafenstadt zurückerobert und mit ihr die übrigen Besitzungen der Christen in Syrien von der

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