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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-26 · Heft 5 (26.1.1875) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 5 (26.1.1875)
Date
1875-01-26
Page
Seite 70 (sequence 6)
Language
German
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70 geschieden. Dr. Lobethal gehörte vermöge feiner religiösen Richrung dem streng conservativen Judenthume an und lebte und wirkte in diesem Sinne. Als Arzt hochgeachtet, als Curator die Seele des Curatoriums und als Iehudi ein felsenfester Charakter, der sich durch nichts in seiner religiösen Ueberzeugung wankend noch irre machen ließ. Bebra, 11. Januar. Am heutigen Tage war in unserer Stadt eine große Anzahl Delegirter verschiedener isralitischer Gemeinden des ehemaligen Kurfürstenthums versammelt, um über die Schritte zu berathen, welche zur Beseitigung der Gesetze vom Jahre 1823 und 1833 die Gemeindeverhältnisse betteffend zu ergreifen sind und um sich gleichzeitig über Ersetzung der jetzigen bestehenden Einrichtung, insbesondere der Borsteherämter, durch andere, den heutigen Zeitverhältnissen geeignetere Einrichtungen zu einigen und solche der Behörde in Vorschlag zu bringen. Man einigte sich über die Wahl einer Commission, welche Vorschläge in Form einer Petition den verschiedenen Gemeinden an die Behörden zur Unterschrift vorzulegen hat. «Fr. Ztg.) München, 9. Januar. (Privatmitth.) Als ein glänzendes Zeugniß für die Tüchtigkeit und Pflichttreue des ersten Vorsitzenden des hiesigen städtischen Gemeindecollegiums, Herr Gugenbeimer (eines Israeliten), kann wohl die heute erfolgte einstimmige Wiederwahl desielben angesehen werden. Es hat also auch die ultramontane Minderzahl sich dieser Anerkennung nicht entzogen, was ihr vom allgemeinen Standpunkte aus gewiß zur Ehre gereicht. Die ultramontanen Blätter stimmen hiermit nicht überein und schlagen deshalb auf ihre Parteigenoffen im Gemeindecollegium wacker los. Jndeß wo die Thatsache spricht, braucht man auf solches Gebell kein Gewicht zu legen. Es ist immerhin eine erfreuliche Erscheinung, daß die Gemeindecollegien der beiden bedeutendsten Residenzen Deutschlands, Berlin und München, Juden zum ersten Vorsitzenden haben. Da in solchen Collegien irgend welche Nebenrücksichten keinen auch nur erdenklichen Einfluß auf die Wahl ihrer Vorsteher üben, so spricht dieses Factum laut für sich selbst und giebt ein unwiderlegliches Zeugniß ab. Berlin, 10. Januar. Die Universitätsbehörden veröffentlichten jetzt in den hiesigen Zeitungen, daß der hier verstorbene Rentier Simon ein Stipendium von jährlich 4<i0 Thalern gestiftet hat, das einem in Preußen geborenen Juden, der ein Berliner Gymnasium mit einem unbedingt guten Zeugniß der Reise verlaßen hat, in Berlin Medicin studirt, ein Zeugniß der Bedürftigkeit verlegt, und jedes Semester ein Zeugniß des Fleißes und sittlicher Führung aufweist, erhält. Trier, 3. Januar. (Privatmitth.) Wenn Sie, geehrter Herr Redacteur, sowie Ihre Gesinnungsgenossen, in der Regel sich in keine Polemik mit dem Mainzer „Israelit" und. dessen Herausgeber einlassen, selbst dann nicht, wenn er Sie und Ihre segensreichen Bestrebungen verdächtigt und verleumdet, weil Sie mit Recht dieses wider Ihre Ehre hallen; so glaubt Schreiber dieses in Beziehung auf die Aeußerung des vr. Lehmann in seiner Rede bei dem Leichenbegängnisse des seligen Herrn Altmann in Karlsruhe von dieser allgemeinen Regel eine Ausnahme machen zu dürfen, ja zu müssen, da diese die herrlichsten und großartigsten, allgemein anerkannten, jüdischen Lehren über die Wichtigkeit des Friedens entstellt und herabwürdigt. Nach den authentischen Berichten über die Reden bei dem betreffenden Leichenbegängnisse (siehe Allg. Ztg. d. I. Nr. 50 und 51 v. I.) ermahnte Herr Rabbiner Dr. Friedmann aus Mannheim, seinem Namen und der heiligsten Pflicht eines jeden Talmud-Chachams entsprechend, die verschiedenen Richtungen zum Frieden. Herr Dr. Lehmann, befürchtend diese von einem so bedeutendem Gelehrten und ausgezeichneten Redner an alle Parteien gerichtete und auf rabbinische Belege basirte Ermahnung, könnte auch auf die streng Conservativen, ja sogar hyperorthodoxen, die doch auf jedes Wort der Rabbiner schwören, von Wirkung sein, eiferte dagegen und that den Ausspruch:" der Friede ist kein höchstes Gut, sondern nur ein Gefäß, für dessen Erringung auch nicht die kleinste Concession zu machen sei!" Er dachte hierbei gewiß an die bekannte Midrasch-Stelle: „Wichtig ist der Friede! denn kein Gerath enthält Segen ohne Frieren", und deutet sonach auf spitzfindige Weise das Wort „Geräth" als ein äußeres Gefäß, so daß der Friede kein höchstes Gut sei. Diese Deutung ist aber gegen den Ausdruck und den Sinn des Midrasch, der als Belege hierfür den Vers anführt: „Gott gab Macht seinem Volke, er segnete es mit Frieden," ferner: „Alle Benedictionen in den Pstichtgeboten, sowie in dem Priestersegen schließen mit Frieden," und hinzufügt: „um hierdurch auszusprechen, daß alle Segnungen keinen Werth haben, wenn nicht Frieden mit ihnen verbunden ist." Sollte es aber dennoch Herrn Dr. Lehmann gelingen, durch dieses „feine Wörtchen" Manchen und vielleicht auch sich selbst zu täuschen, so fragen wir ihn; wie deutet und verdreht er die folgenden Stellen desselben Midrasch: «Siehe Rabbe zu Abschnitt Zaw. und Nasso und Jalkut zu Letzterem): „Wichtig ist der Friede, da der Heilige, gelobt sei er, geboten hat, seinen heiligen Namen in dem Wasser, welches der Priester, der des Ehebruches verdäcbtigen Frau zu trinken gab, auszulöschen, um den Frieden zwischen Mann und Weib wieder herzustellen." Das Auslöschen des göttlichen Namens ist aber eine bei Weitem größere Sünde, die mit Geißelung bestraft wird, als all' die Neuerungen, welche bisher in allen Gemeinden eingeführr wurden, was Lehmann und sein Anhang doch zugeben müssen. Ferner: Rabbi Elieser, Sohn des Rabbi Elieser Hackapar sagt: „Wenn Israel sogar Götzendienst treibt, aber Frieden unter ihm herrscht, dann spricht Gott: Kein Ankläger kann ihm beikommen. Wenn aber der Friede ihm fehlt, selbst wenn es Gott verehrt; alsdann ist auch anwendbar der Vers: (Hosea Capitel 4) „Ihre Herzen sind getheilt und deshalb sind sie mit Schuld beladen," wozu im Jalkut noch beigefügt wird: „Man

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