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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-26 · Heft 5 (26.1.1875) · p. Seite 69

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 5 (26.1.1875)
Date
1875-01-26
Page
Seite 69 (sequence 5)
Language
German
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geistliche Nest zu stechen. Die Beschränkung der Kirche innerhalb ihrer Geistlichkeir nach der ihr so lange überlassenen Freiheit war zu leicht als Verfolgung der Kirche darzustellen, und hiermit der Fanatismus des Volkes geweckt. Halte man, wie es setzt geschieht, die Ehe — nicht dem Einflüsse der Religion, sondern nur — der kirchlichen Herrschaft entzogen, hatte man sofort ein kräftiges Unterrichtsgesetz mit dem unbedingten Hauptsätze hergestellt: die Aufsicht der Schule wird nur vermittelst dazu fähiger Lehrer verwaltet, statt bald Diesen, bald jenen katholischen geistlichen Schulinspector abzusetzen, die evangelischen Geistlichen bis auf sehr geringe Ausnahmen in der Schulinspection zu belassen: so hatte man die wichtigsten Schritte gelhan und bei dem Volke hierin kaum auf Widerspruch gestoßen. Da man aber sofort auch die Reform des geistlichen Standes selbst in Angriff nehmen wollte, und bei dem zu erwartenden Widerstande der Strafgelder, des Gefängnisses und der Absetzung nicht entbehren konnte, so wurden die Priester ganz persönlich betroffen, die Seelsorge der Gemeinden und die unmittelbaren kirchlichen Einrichtungen in den Conflicr gezogen und in unübersehbare Verwirrung gebracht, so daß es den Priestern leicht werden mußte, das Volk in sehr hohem Grade zu fanatisiren. Hierdurch aber wird es wiederum um so schwieriger, die Volksbildung zu reformiren und den Bolksgeist auszuklären; der Schule ist ihre Wirksamkeit aufs Aeußerste erschwert. Aus einem Conslict mit der Priesterschaft ist ein Conslict mit der katholischen Bolksmasse geworden, welcher sich eine große Zahl sogenannter Gebildeter angeschlossen, weil auch sie sich von der Idee einer Kirchenverfolgung nicht freizuhalten wissen. So sehe ich, lieber Freund, die Dinge an; vielleicht irre ich in meiner Auffassung, aber der Zustand selbst, wie er sich in der Gesammrheir der Völker darstelll, zeigt, daß wir noch nicht aus dem Barbarismus heraus sind. (Schluß folgt.) Literarischer Wochenbericht Pest, 3. Januar. Der greise, um die jüdische Literatur Durch Herausgabe handschriftlicher Werke verdiente Ber Goldberg in Paris beabsichtigt die noch handschriftlich vorhandene Concordanz des Grammatikers Elia Aschkenasi iLevita) unter dem Titel ies zum Druck zu befördern, und ist das erste Heft, das 28 Seiten umfaßt und bis irr reicht, vor Kurzem erschienen «Frankfurt am Main 1875). Der einzig wesentliche Vorzug dieser Concordanz vor der bekannten und verbreiteten des R. Jsak Nathan ist die Ausnahme der Nomina propria — rechtfertigt aber dies allein die Drucklegung eines so umfangreichen Werkes? Herr Ad. Neubauer, der gegenwärtig mit einer größern Arbeit über die Rabbiner des Mittelalters beschäftigt ist, fand — nach einer Notiz im Pester Lloyd — in der vaticanischen Bibliothek zwei Manuscripte aus dem dreizehnten Jahrhundert, die zwar mit hebräischen Lettern, aber in französischer Sprache geschrieben sind. Aus dem einen dieser Manuscripte soll die Thatsache erhellen, „daß im Jahre 1282 in der Stadt Troyes dreizehn Rabbiner auf Geheiß der dortigen Inquisition dem Flammentode überliefert wurden." Wir wünschten wohl von Herrn Neubauer über diesen wissenschaftlichen Fund nähern Aufschluß zu erhalten, namentlich auch darüber, ob daS in Rede stehende Manuscript von dem bereits von Zunz (Synagogale Poesie 33, Note a) citirten Cod. Bat. 322 verschieden ist.*) Kayserling. *> (Sine detailliere Beschreibung befindet sich in den letzten Heften der „Arch. irr." Redaetion. Deutschland. ^?edxuicj äiioccfatxcikeu. Bonn, 17. Januar. (Privatmittheil.) Wir erlauben uns, l die geehrten Leser auf das in dieser Nummer abgedruckte Inserat, eine Ehrenbezeugung für Sir Moses Montefiore betreffend, aufnlerksam zu machen. Es wäre sicher überflüssig, ausj zuführen, wie sehr die Verdienste dieses ehrwürdigen Greises eines dauernden Denkmals würdig sind, noch dazu da dasselbe in einer wohlthätigen Stifmng bestehen soll, welche von der segensreichsten Tragweite für das heilige Land werden kann. Die deusschen Juden zeigten sich stets bereit, Sir Moses die verdiente Anerkennung, zu widmen. Wir erinnern z. B. an das prachtvolle Album mit trefflichen in die beiden Deckelseilen eingelassenen Oelgemälden von Bendemann und Oppenheim, das wir Sir Moses widmeten und das durch Beiträge aus allen Classen der jüdischen Bevölkerung hergestellt ward. Umsomehr hoffen wir, daß auch die in London angeregte. Idee allgemeinen Anklang finden werde. Die Redaction. Breslau, 13. Januar. (Privatm.) Herr l>r . A. Wedell, bisher Hülfsprediger an der neuen Synagoge zu Breslau, ist als Rabbiner der Synagogengemeinde Düsseldorf einstimmig gewählt worden. Gleichzeitig mit der Einführung des neuen Rabbiners soll auch die Einweihung der neuerbauten Synagoge erfolgen. Breölau, 15. Januar. (Privatminh.) Herr »I. mell. Julius Lobethal, Milcurator der sämmtlichen Fränkel scheu Stiftungen und Vorsitzender des Vorstandes der Synagoge „zum Tempel", ist, von einem Herzschlage getroffen, plötzlich von uns

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