Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1875)
- Date
- 1875-01-19
- Page
- Seite 57 (sequence 9)
- Language
- German
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tod) nicht die geringste Veranlassung dazu gegeben. Sie sprachen Bordeaux hat rer israelitischen Gemeinde ein Grundstück von über Politik im Besonderen gar nicht, sondern nur über tie1 18.000 Meter zur Erbauung einer Synagoge überlasten. — Principlen der Gerechtigkeit und Freiheit, welche das mosaische Zn einigen Pariser Zeitungen wurden jüngst die vielen Fäl- Gesetz verkündete und Frankreich 1789 ausgesprochen hätte, schungen und Betrügereien besprochen und tief beklagt, durch Daß die Verwirklichung dieser Grundsätze nur in einer Republik, welche der Verkauf von Fleischwaaren auch in der französische» möglich wäre oder auch nur in der gegenwärtigen französischen Republik besonders angestrebt werde, dies zu behaupten fiel ihnen nicht im Traume ein. Ein zweites Telegramm besagte, die beiden Großrabbiner Härten alle Juden der Welt aufgeforderr, Frankreich in feiner Wievererhebung zu Hilfe zu kommen. Auch dies ist eine völlige Unwahrheit. Man spekulirte darauf, daß sie bei der Anschauung der französischen Juden nicht ganz unmöglich gewesen wäre. Run betonten zwar beide Redner ganz besonders, daß Frankreich die Gleichstellung der Kulte zuerst zum Gesetz gemacht und verwirklicht hat, und sie halten hierzu ge- Hauplstadt gemißbraucht und Len Käufern selbst gefährlich und schädlich gemacht wird. Sie äußern sich dabei, daß die alten Völker, die Hebräer, Griechen und Römer, dadurch, daß sie das Schlachten der Thiere zu einer religiösen Handlung gemacht und unter Aufsicht der Priester gestellt haben. die Gesundheit des zu verzehrenden Fleisches sichergestellr hatten. Hier liegt der Jrrthum zu Grunde, daß die Griechen und Römer nur das Schlachten der Opferlhiere religiös qualificirr hatten, und nur die Juden die Tödlung sämmtlicher zum Verzehren bestimmter Thiere mir religiösen Verpflichtungen umgeben haben. Das gründete Gelegenheit, indem sie darauf aufmerksam machten, daß; Verdienst, das Verzehren des Fleisches hierdurch auch vom genoch keine Synagoge der Welt durch eine so große Unterstützung sundheitlichen Standpunkte sichergestellt zu haben, kommt also aus städtischen Mitteln , über eine Million Francs) ernditet j allein den Juden zu, und dies hätte die Redaction der Arch. isr. worden sei; auch das war natürlich, daß sie mir großer Wärme! hierzu doch wohl bemerken können. Uebrigens liegt bei diesem von der Wiedererhebung Frankreichs, von testen „Wiedereintritt ■ Gesichtspunkte ras Hauptgewicht in der Bedikah (Untersuchung) in seinen früheren Rang unter den Nationen" unc so weiter der inneren Theile. deren Regeln von den Rabbinern festgestellt sprachen — daß sie aber an die Israeliten außerhalb Frankreichs! sind. Hier wäre jedoch eine wistenschaftliche Prüfung dieser eine Austorderung gerichtet hätten, Frankreich hierbei zu Hülfe Regeln sehr an der Zeit, da nach der heutigen Thwrarzneizu kommen, das ist unwahr; vielmehr gingen beide Redner nir- Wistenschast einige dieser Regeln zu weit, andere nicht weit genug gehen. — Nach chficieller Statistik liefern in Algerien zu Len öffentlichen Schulen 1000 Franzosen 158 Zöglinge, 1000 Ausgenvs über die Grenzen des Vernünftigen hinaus. Nach den Erfahrungen, welche sie über den Patriotismus der deutschen Juden gemacht haben, hätten sie ja auch nur bei diesen auf eine länder 126 und looo Israeliten 139. allgemeine Entrüstung und Zurückweisung rechnen wüsten. Die! Bekenner des Judenthums werden in der ahat der französischen! — * 3n diesen Tagen starb Emil Perei re. geboren am Nation stets Dank wisten, daß sie eine Zeit lang die Förderung i 3. December 1800 zu Bordeaux. Ueber die finanzielle Laufder Emancipation auch außerhalb Frankreichs betrieben hat. i bahn dieses vielgenannten Mannes lauten die Ansichten verschie- Dies nicht anzuerkennen, wäre ebenso thörichr als undankbar, i ven; sicher aber ist es, daß er vielen Sinn für Wohlrhätigkeit da die Geschichte die Thatsachen verzeichnet hat. Aber die Dank-! besaß unc diesen bei häufigen Gelegenheiten bethätigle. barkeit für ein geschichtliches Verdienst einer Nation darf niemals so weit gehen, die Jnteresten des eigenen Vaterlandes und die Pflichten gegen dastelbe zu verletzen. Niemand wird zum Beispiel leugnen, daß Frankreich sich durch die frühere Ausbildung seiner Sprache, Literatur und Sitten ein großes Verdienst um die europäischen Völker erworben hat. Niemand wird aber aus diesem Verdienste eine facrische Verpflichtung ziehen, sich den Herrschergelüsten der Franzosen unterwerfen zu sollen; Niemand wird es jenen oeutfchen Kritikern, Lesfing voran, welche das Joch des französischen Geschmacks, der seinem Verfalle sich näherte, abzuwerften strebten, eine Undankbarkeit zuschreiben, selbst wenn sie in ihrer Bekämpfung und Beurtheilung französischer Werke und Regeln bisweilen zu weit gehen. So und nicht anders liegen die Dinge. Dem Pariser Consistorium aber sind wir durch die Veröffentlichung dieses Berichtes zu Dank verpflichtet. Paris, 9. Januar. (Nach den Arch. isr.) Die Stadt Schweiz. St. Gallen, 7. Januar. lPrivatmitlh.) Zur Schächtfrage. Die Regierung hat auf unsere Eingabe das vom Gemeinderath erlastene Schächtverbot vorerst bis auf Weiteres sistirt und die Anweisung ertheilr, bis zur endgültigen Entscheidung fortschächten zu lasten. Inzwischen erhalten wir von Baden bei Zürich die Mittheilung, daß auch der dortige Gemeinderath das Bruneau'sche System eingeführt und in Folge testen die Polizeidirection angeftagt habe, ob neben demselben das Schächten beibehalten werden solle. — Unsere Vermulhung scheint sich somit bestätigen zu wollen, daß es sich bald um das Schächten in der ganzen Schweiz handeln dürfte. Warten wir vor Allem den definitiven Entscheid der hiesigen Regierung ab, der wahrscheinlich schon in den nächsten Tagen eintreffen wird. Engelbert. 4