Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 4 (19.1.1875)
- Date
- 1875-01-19
- Page
- Seite 54 (sequence 6)
- Language
- German
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54 teleologischen Gottesbeweise — und für die Einheit desselben den Eclecticismus desselben bezeugt, so zeigt sich andrerseits in der Auseinandersetzung über das Wesen der Einheit und in der These von dem Zusammenfällen des Gottesbegriffes mit der reellen substantiellen Einheit, sowie in der aus dieser Auffassung sich von selbst ergebenden Lehre von den göttlichen Eigenschaften eine gewisse Selbstständigkeit und ein Vorzug des Systems, der selbst gegenüber dem jüd. Vorbilde Bachja's, dem scharfsinnigen Saadja, einen bedeutenden Fortschritt bedeutet. Es kann hier natürlich nicht unsere Ausgabe sein, den Inhalt der ganzen Schrift wiederzugeben, aber nur auf das Eine glauben wir noch aufmerksam machen zu müssen, daß der Hauplwerth desselben uns nicht so sehr in der allerdings vortrefflichen, weil genetischen Darstellung der Bachja'schen Philofopheme zu liegen scheine, als in der steten und eingehenden Prüfung der Quellen, aus denen er geschöpft, der Bezeichnung der Vorgänger, an die er sich angelehnt und der Vergleichung mit den verwandten Lehrmeinungen sowohl der Vorgänger als auch der Nachfolger Bachja's. Daraus haben sich annähernd sichere Resultate für die ganz unbezeugle Lebenszeit desselben — blühte um 1040 — und seinen Wohnort — Saragossa — und höchst interessante Aufklärungen über die geistigen Einflüsse ergeben, aus denen sich seine Lehrmeinungen herausgebildet. Herr Kaufmann hat mittelst der ausgebreiteten, ihm zu Gebote stehenden Quellenkenntniß den Nachweis geliefert, daß der mit Vorsicht und in selbstständiger Verarbeitung, von Anderen herholende Denker den Aristoteles nur aus neuplatonischen Commentarien und pseuvoaristotelischen Schriften gekannt, den Islam, die rationale Theologie der Araber, schwerlich aus den Originalschristen kennen gelernt, daß er hingegen unter dem Einflüsse der arabischen Encyklopädisten, der „lauteren Brüder", gestanden habe, mit denen er ja die gleiche Tendenz theilte, Frömmigkeit neben der Aufklärung zu verbreiten. Durch solche Nachforschungen erst gelingt es, dem Schriftsteller seine literarhistorische Stelle anzuweisen und sich über den Werth seiner Leistungen und feine culturhistorische Bedeutung ein richtiges Urtheil zu bilden; und wenn erst über Jeden der religionsphilosophischen Autoren ähnliche Untersuchungen, wie die preisgekrönte Abhandlung des Herrn Kaufmann vorhanden sein werden, dann wird es an der Zeit sein, sich an eine zusammenfassenve Arbeit über die gesammte Entwickelung der arabisch-jüdischen Philosophie zu wagen. I. H. Ophm. 6a<xcßtxcßteu/. Deutschland. Köln, IS. Januar, < Privatmittheil.) Gestern fand das sehr feierliche Leichenbegängnis des Rabb. ür. Israel Schwarz um zwei Uhr Nachmittags statt.*) Derselbe verschied nach achttägigem Krankenlager am 4. d. M., fünf ein halb Uhr Nachmittags, im vierundvierzigsten Lebensjahre mit Hinterlassung zahlreicher Familie. Geboren zu Hürben in Bayern, einer bekannten Rabbinerfamilie enffprossen, hat er achtzehn Jahre in der hiesigen Gemeinde fungirt. Eine sehr anziehende Persönlichkeit, ein gutes Rednertalent, das mit der Zeit sich entwickelt halte, eine rüstige Thätigkeit für das Unterrichtswesen und ein reger Eifer für alle wohlthatigen Anstalten und zu Gunsten aller Hülfsbedürftigen haben ihm eine vielfache Anerkennung innerhalb seiner Gemeinde und der ganzen städtischen Bevölkerung erworben. War er in seinen Ansichten und Tendenzen nicht von scharfer Entschiedenheit, so kam dies seiner aus verschiedenen Elementen zusammengesetzten Gemeinde zu Gute, und seine warme Begeisterung für die Religion in Verbindung mit seiner Ausdauer sicherte schließlich seine Stellung und ihm selbst die allgemeine Achtung. Sicherlich wird seine Gemeinde dieser Verdienste eingedenk sein und ven *) Wir bedauerten sehr, durch eine Unpäßlichkeit verhindert zu sein, der Einladung des verebrlichen Vorstandes zum Leichenbegangniß Folge leisten zu können. Als nächster Nachbar hätten wir dem Dahingcschiedenen gern den letzten Zoll der Achtung erwiesen. Red acteur. trauernden Hinterbliebenen ven Beistand gewähren, auf den sie, wenn etwa nicht nach dem Buchstaben, doch dem Geiste nach ein volles Anrecht haben. lieber das Leichenbegangniß selbst theilen wir wohl am füglichsten das mit, was die „Köln. Ztg." darüber berichtet, weil sich darin die allgemeine Stimmung anssprichl. Sie sagt: „Gestern Nachmittag wurde die sterbliche Hülle des Rabb. vr. Schwarz zur letzten Ruhe bestattet. Ein unabsehbarer Leichenzug gab dem Dahingeschiedenen das letzte Geleit. Vor dem Leichenwagen schritten die Zöglinge der hiesigen israelitischen Schule einher, demselben folgten zunächst sechs auswärtige Amtsbrüder, die Verwandten und näheren Freunde des Heimgegangenen und dann Männer aller Consessionen, aller Berufsclassen, jedes Alters von nah und fern, katholische und evangelische Geistliche, Künstler, Lehrer der höheren Schulen, Kaufleute und schlichte Handwerker, alle von demselben Gedanken beseelt, dem leider so früh aus seinem Wirkungskreise äbgerusenen theuren Verstorbenen nochmals Liebe, AchMng und Verehrung zu bekunden. Eine große Zahl von Equipagen beschloß den Zug. Am Grabe sprach zuerst Rabbiner Horwitz aus Crefeld; in schönen, beredten Worten entwarf derselbe ein Bild von des Entschlafenen Wirken als Lehrer und Freund, worauf I»r. Auerbach aus Bonn, 0r. Wolfsohn aus Aachen und 0r. Z. Auerbach ans Elberfeld der herrlichen Tugenden und großen Verdienste des entschlummerten Collegen in ttefer Empfindung gedachten. — Der Verstorbene