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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-12 · Heft 3 (12.1.1875) · p. Seite 44

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 3 (12.1.1875)
Date
1875-01-12
Page
Seite 44 (sequence 12)
Language
German
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44 Die Panzer Kiudi's habe ich treu bewahrt; Wenn immerhin die Menge es verwirft, ich wahre Treue. Einst gab mir AdijL die ernste Mahnung: „O Du mein Sohn, reiß' ja nicht nieder, was ich aufgebaut!" Derselben Geschichte gedenkt auch El-A'scha, wenn er sagt: Sei wie Samuel, als ihn umringte jener Helvenfürst, In einem Heerbaue, staubaufwirbelnd wie mitternächtlich Dunkels; Er stand Wenig zaudernd still, rief ihm zu: Tödte Deinen Gefangenen; ich, ich vertheidige meinen Schützling. Die Geschichte Samuel's wird noch anderweitig erzählt und seiner Gedichte Erwähnung gelhan. Das Schönste derselben ist es, welches uns in der großen HamLsa vollständig überliefert ist. Wie sehr es auch unter den andern Gedichten der Sammlung hervorragt, läßt sich schon daraus schließen, daß Schultens es unter die seiner Bearbeitung des Erpenius (1748) beigegebenen Lesestücke ausgenommen hat; von da ist es in die Chrestomathie von I. D. Michaelis übergegangen, deren Text Bernstein in einer 3. Ausgabe (1817) einiger Kritik unterzog. Delitzsch hat dieses Gedicht in klassisches Versmaß übersetzt, welches dem Geiste, den es athmet, zu entsprechen scheint. Gedicht des Juden Samuel ibn Adijü El-Gaffäni. Wenn nichts Niedrig-Gemeines die Ehre des Mannes besudelt. Kleidet jedlich Gewand, daß er umhüllet, ihn so schön. Wer nicht der eigenen Seel' auflegt was Unbill ihr dünket. Zu der Schöne des Ruhms führet für solchen kein Pfad. Schmähend rückt sie uns auf, daß wir nur wenig an Zahl sind, Freilich, erwidert' ich ihr, Edle giebt's Wenige nur. Doch sind wenig nicht die, deren Ueberbliebene uns gleich sind. Jüngling und Mannen, emporringend im Wettkampf zur Höh'. Was treibt' Adijä's Leute, sagt selbe, doch also zum Wetllauf, Leute so wenig an Zahl, dunkelumhüllten Geschlechts? Wenig! — Was schadet das uns? Ist unser Schützling roch machtvoll. Ist doch niedergebeugt der, den die Masse beschirmt. Uns gehört ein Berg — da hauset den wir beschützen — Unersteigbar; gestumpft treibt er den Blick von sich ab. Das ist Eläblak Elförd, die weithin gepriesene Felsburg. Mühsam, sich dehnend für den, der zu erreichen sie wünscht. Ihre Wurzel sitzt starr im Erdgrund; zu den Gestirnen, Unerklimmbar an Höh', trägt sie ihr Wipfel empor. Wahrlich im Kampfe zu fallen dünkt unserem Völkchen nicht Schande, Wenn auch Amir so denkt, wenn auch so deutet Selül. Liebe des Todes rückt uns die Lebensgrenzen so nahe. Jenen liegen sie fern, denn es verschmäht sie der Tod. Unserer Tapferen keiner starb langsam zu Tode sich röchelnd. Nirgendwo floß sein Blut rachelos Einem dahin. Unser Leben und Blut strömt hin auf die Schärfe des Schwertes, Nirgend strömt es hin als auf die Schärfe des Schwertes. Wir sind rein, nicht getrübt; es lichteten unseren Adel Frau'n hochbürtiger Frucht, Männer erles'nen Geblüts. Wir besteigen die Rücken ergiebiger Höhen, zu Zeiten Lagern wir uns in den Schooß blühender Thäler hinab. Regen aus Silbergewölke sind wir; in unserm Stammhaus Ist kein Blöder und kein Geiziger, zu uns gezählt! Wenn wir wollen, verwerfen mit Nein wir die Rede der Menge, Reden wir — Niemand verwirft unsere Rede mit Nein. Scheidet ein Herrscher aus uns, so erstehet ein Herrscher, beredsam. Der thatkräftig den Rath edler Genossen vollstreckt. Nie verglomen uns das Feuer, daß nicht ein nächtlicher Wandrer Dran sich wärmte, kein Gast hat wohl getadelt uns je. Unvergeßlich gezeichnet dem Feind sind die Tag' unsrer Schlachten Rossen gleich, weiß an der Stirn, weiß an den Füßen gescheckt. Unsere Schwerter, gezückt allwärts in Osten und Westen, Haben Scharten sich an feindlichen Panzern gehauen. Weil sie gewohnt, nicht eher zurück in die Scheide zu kehren, Bis sie Schaaren von Volk, einmal gezogen, vertilgt. Wenn Du's nicht weißt, so befrag' Dich nach uns, man wird Dich berichten. Denn ein Kenner und Unkundiger sind doch nicht gleich. Dajjans Söhne, fürwahr! sind ihrem Volke ein Polpunkt, Um den, kreisenden Gangs, sich seine Mühle bewegt. Die Poesie war in Samuel's Familie heimisch. Unter die fünfzehn vormohammedanischen oder mit Mohammed gleichzeitigen jüdich-arabischen Dichter gehört auch Samuel's Sohn Garid und sein Enkel Suba, der noch unter dem Kalifen Muawija lebte. — Hervorzuheben ist, daß die vormohammedanischen Gedichte von Juden nichts eigenthümlich Jüdisches enthalten: sie folgen arabischer Sitte und athmen arabischen Stolz. Als aber die jüdisch-arabischen Stämme von Mohammed bekriegt und vertrieben wurden, darunter auch die Bewohner von Temü und das Haus Samuel's, reffen Männer schön von Antlitz, wie Abn Adij:»l singt, nie sich zügellosem Leben Hingaben: da prallten die alte Religion und die neue aneinander, und das jüdische Selbstbewußffein beginnt auch in Dichterworten zu protestiren. Der moslemische Dichter Mülik sagt mit Bezug darauf höhnisch: „daß die Juden mit ihren Verfluchungen sich zur Wehr setzen, ist wie wenn die Esel sich mit ihrem Harn «gegen ein Raubthier) zur Wehr setzen. In der Gegenwart ist das Judenthum unter den Wanderstämmen, wie es scheint, ganz erloschen. Aber die vom Stamme Abdilla nebst den mit ihnen verbundenen Kabilen werden, wie wir durch Wetzstein wiffen, noch jetzt von den Bauern des Ostjordanlandes Jehüd geschimpft, und Hamdär, ein Scheich dieser Abdilla, welche vor 80—90 Jahren aus dem Higäz in die syrische Wüste kamen und für einen Zweig der Ruala gellen, mit denen sie lagern unr wandern, ist der letzte jüdische Fürst, von deffen Raubzügen man sich noch jetzt im östlichen Syrien erzählt.

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