Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1875)
- Date
- 1875-01-12
- Page
- Seite 43 (sequence 11)
- Language
- German
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43 geschieht. Ein solcher sehr eklatanter Fall bewog kürzlich die Anglo-Jewish Association, eine Deputation an den persischen Gesandten zu entsenden, die auch freundlich empfangen wurde. Es wäre übersiüssig, hier die wortreiche Unterredung wiederzugeben, die einmal bei Verhandlungen mit Orientalen unvermeidlich ist. Der Hauptinhalt war folgender: Der persische Gesandte wandte ein, daß die jüdische Bevölkerung in Tracht, Sprache und Sitte sich der persischen mehr annähern und amalgamiren mußte, und daß die Alliance ihre Anstrengung vielmehr auf Errichtung von Schulen richten solle. Die Deputation, an ihrer Spitze Rev. A. Loewy, erwiderte, daß die muselmännische Bevölkerung jede Annäherung seitens der Juden zurückweife und möglichst unterdrücke; sie halte sie in ihrem Fanatismus für unrein, und daß deren Berührung, selbst nur eine äußerliche, sie beflecke; da wäre eine Annäherung in der That unmöglich. Ebenso wenig vermögen unterdrückte und mißhandelte Menschen an Unterricht und Bildung zu denken, die ihnen ihre Lage nur um so unerträglicher machen, und von denen sie gar keinen Nutzen ersehen. Erst müsse man sie gerecht und human behandeln, ihnen Leben und Eigenthum sicher stellen, bevor Schulen unter ihnen Eingang und Pflege gewinnen könnten. Es wäre nothwendig, daß die Regierung einen besonderen Beamten einsetze, welcher die Juden durch seine Autorität beschütze. Als der Gesandte einwandte, daß bei den großen Entfernungen ein solcher Beamter wenig nützen könne, da z. B. der Ort der letzten Mißhandlung einen Monat Marsch von der Hauptstadt entfernt ist — in Persien giebt es nämlich noch keine Fahrposten — meinte die Deputation, es müsse ein solcher Beamter zum Schutze der Juden in jedem Bezirke bestellt werden, der dann Rundreisen zu machen habe. Der Gesandte ersuchte schließlich die Deputation, ein Memorandum über alle diese Gegenstände aufzusetzen, das er dann seiner Regierung übermitteln wolle. Zur Abfassung desselben hat sich nun die Londoner Association mit der Alliance in Paris vereinigt und die letztere will zugleich versuchen, in Teheran eine Schule zu gründen. Feuilleton. Jüdisch-arabische Poesien aus vormuhammedanischer m*) Aus den Arbeiten mehrerer neueren Forscher ist, wie wir jüngst auch in diesem Blatte anzuführen Gelegenheit hatten, ein helleres Licht über die Zustande der Araber vor dem Erscheinen Mohammed's gebreitet worden, und es hat sich ergeben, welchen bedeutenden Antheil die Juden an dieser arabischen Vorkultur hatten, insbesondere an der Pflege der Poesie. Die am Fuße der Spalte citirte kleine Schrift bietet uns die Veranlassung, ein näheres Beispiel davon anzuführen. Die Hamüsa ist eine Sammlung von 866 altarabischen Gedichten und Gedichtfragmenten. Die Hamäsa theilt sich in 10 Pforten. Die 1. Pforte, die dem Ganzen den Namen gegeben, ist die Pforte der Tapferkeit büb-el-hamäsa. Eine der ersten Kas'den dieser Pforte hat einen Juden zum Verfasser. Es ist Samuel ibn-Adijk,, der bis heute unter den Arabern Unvergessene. Noch heute — sagt Wetzstein in seiner trahonitischhauranischen Reise — kennt der Araber die Namen der Schlösser Märid in Duma und eb-Ablak in Temü und den ihres ehemaligen Besitzers unv heldenmürhigen Bertheidigers. des jüdischen Gaffäniten -Fürsten Samuel ibn Heg-, ibu Adijä, einer der hervorragendsten Erscheinungen in der Geschichte des arabischen Volkes zwischen Christus und Mohammed. *) Jüdisch-arabische Poesien aus vormuhammedanischer Zeit. Ein Specimen aus Fle is ch erS Schule als Beitrag zur Feier seines Jubiläums von Franz Delitzsch. Leipzig, Dörssling und Frauke 1874. In einer Landschaft Jemans, nämlich unfern von Haadramacit, saß der echt arabische Stamm der Kinditen. Ein König dieser Kinditen, Namens Hugr ibn-Hürith, verlor im Kampfe gegen die Asaditen durch Meuchelmord das Leben. Vergeblich suchte sein Sohn, der berühmte Dichterfürst Amru- I. Rais, die Asaditen mit Hülfe der Stamme Bekr und Taglab zu unterwerfen. Als auch diese von ihm abfielen und obendrein Mundhir, König von Hira, ihn verfolgte, fielen, letzteren fürchtend, die Seinen alle von ihm ab. Besitz- und hülflos irrte Amru- I. Rais von einem arabischen Stamm zum andern. Schließlich rief er die Hülfe des Kaisers an und nicht ohne Aussicht. Zurückgekehrr, erlag er, ohnehin siechen Körpers, in Kleinasien den Strapazen der Reise. Ehe er die Reise nach Rüm (Ostrom) antrat, deponirte er sein Waffengeräth, namentlich eine Anzahl Panzer, bei einem Gassaniten, Samuel ibn Adijä dem Juden. Nachdem Amru- I. Rais gestorben war — wir übersetzen hier die Erzählung Abulfedä's — zog El-HUrith ibn-Abusamar El-Gassäni zu Samuel und forderte von ihm die Harnische des Amru- I. Rais und was sonst von diesem bei ihm in Verwahrung war. Der Harnische waren hundert. El-Härith hatte den Sohn Samuel's gefangen genommen; als dennoch Samuel dem El-Härith die Auslieferung des Berwahrgutes verweigerte, sagte El-Härirh: „Entweder Du lieferst mir die Harnische aus oder ich tödte den Sohn Samuel's." Dennoch willigte Samuel nicht in die Auslieferung der Harnische, und Jener tödtete seinen Sohn vor seinen Augen. Davon spricht Samuel in mehreren Distichen, I unter denen folgende: 3*