Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 3 (12.1.1875)
- Date
- 1875-01-12
- Page
- Seite 41 (sequence 9)
- Language
- German
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41 hervorgehoben, daß es vas Bestreben des Vorstandes war, die Schulen zu reorganisiren, und daß die ausgezeichnetsten Kräfte für die Schulen gewonnen wurden. Es wird weiter constatirl, daß der Verein, trotz der schweren Krisis, sich ungeschmälerter Theilnahme erfreut. Im abgelaufenen Jahre wurden 239 Mädchen unterstützt, und gelang es, dieselben zu den ehrenhaftesten Bestrebungen und Beschäftigungen heranzuziehen. Die Fortbildungsschule des Vereines war von 90 Schülerinnen besucht. Zum Schluffe des Berichtes wird allen Wohlthätern des Vereines, namentlich aber dem k. k. Handelsministerium und dem Hoffchauspieler Sonnenthal für die thatkräslige Unterstützung der Dank votirt. Der Vorsitzende bringt noch zur Kenntniß, daß Frau Regine Hellmann dem Vereine eine Stiftung von 2000 fl. Rente Übermacht hat, und drückt die Versammlung ihren Dank durch Erheben von den Sitzen aus. BrÜNN, 27. December. Die „9!. fr. Pr." schreibt von hier: „Die Wahlstreitigkeiten nehmen in unserer Stadt kein Ende. Vorgestern fand eine stürmische Sitzung in der jüdischen Cultusgemeinbe statt. Die Neuwahlen des Vorstandes wurden einer heftigen Kritik unterzogen unv deren Giltigkeit angefochten. Der erste Vorstand, Herr Julius Gomperz, fungirte als Präsident, und seiner Ruhe und Gewandtheit ist es zu danken, daß es zu an den Festlagen die Schule zu besuchen. Man zwingt die Juden, ihre Leichen auf dem christlichen Friedhofe zu begraben und verbietet ihnen, dieselben nach dem jüdischen Friedhofe einer benachbarten Gemeinde zu bringen. Jedem Einwande begegnet man mit dem Ausspruche: die Mehrheit hat zu bestimmen und die Minderheit hat sich dem zu fügen. Jetzt ist die Regierung von Aargau noch einen Schritt weiter gegangen und hat den Juden das rituelle Schächten verboten. Dieses Verbot ist um so härter, als, wie bekannt, im Canton Aargau die zwei größten schweizerischen Judengemeinden in Endingen und Lengenau bestehen und die Mehrzahl der Mitglieder derselben sehr orthodox gesinnt sind. Kann die Aargauische Regierung sich wirklich auf den Schutz gegen Thierquälerei stützen? Es ist ihr dies unmöglich geworden durch die Gutachten der bedeutendsten uaturwiffenschaftlichen Autoritäten, welche der frühere Aargauische Rabbiner llr. Kayserling (jetzt in Pest» über das rituelle Schächten eingeholt und veröffentlicht hatte, und wonach dieses Schächten als die mildeste Weise der Tödtung erklärt wurde.*) Und dann: ist die ganz gewiffe Menschenquälerei einer vermeintlichen Thierquälerei voranzufiellen? Eine Menschenquälerei enthält aber dieses Verbot für die vielen Hunderte von Juden, die im Aargau wohnen. Die religiöse Ueberzeugung ist keine Sache, keinen tumultuarischen Auftritten kam. Dem Porfiand-Stellvercie durch ein Machtgebot entfernt wird. Die Aargauische Retreter wurden Eigenmächtigkeiten bei den Wahlen vorgeworfen, gierung denkt aber: die Mehrzahl im Canton verzehrt todtge- und der Secretär der Genoffenschaft weigerte sich sogar, ein Wahlprowkoll aufzunehmen. Nachdem der Antrag, die ganze Wahl für ungilrig zu erklären, gefallen war, meldeten die meisten Mitglieder des Vorstandes ihren Austtilt an, und es muß wenigstens theilweise eine 'Neuwahl stattfinden, wenn nicht schließlich alle Mitglieder zurücktreten. Dieser Srurm im Glase Waffer schlagenes Vieh, also darf die Minderzahl kein geschächtetes effen! Die Ultramontanen jubiliren; sie sagen: Jetzt kommt es auch an die JudenZuerst wurden wir unterdrück!, nun ist die Reihe an den Juden; von uns sagte man, wir wären Staalsgefährlich — aber sind denn die Juden auch Staatsgefährlich? Nein, es ist religiöse Unduldsamkeit, eS ist Religionszwang, der überall wird wohl auch vorübergehen, doch scheinen die Wahlstreirigkeiren j va beginnt, wo man die Herrschaft der Mehrheit über die reliin Brünn epidemisch zu werden. Es ist nur schade, daß dieigiöse Ueberzeugung der Einzelnen proklamirt. Dabei ist wenig Jubenschaft in Brünn, welche sonst bei den Gemeinde-, Land-! Aussicht, daß Proteste und Appellationen der Juden irgend Getags- und Reichsrathswahlen compact für die liberale Partei auflrat, nun auch in zwei Lager gelheilt ist, und daran tragen nur einige Ehrgeizige die Schuld, welche glauben, sie müffen hier dieselbe Rolle spielen, wie früher in ihrer kleinen mährischen Judengemeinde." Schweiz. hör finden werden. St. Gallen, 29. December. (Privatmitth.) Wieder einmal ein Schächtverbot'. — Kaum haben wir über das beffere Loos unserer hiesigen jüdischen Schuljugend berichtet und hieraus auf die hierorts sich günstiger gestaltete Stimmung im Allgemeinen zu schließen gewagt, als diese unsere Schlußsolgerung durch ein überraschendes Lebenszeichen des sprichwörtlichen *) Um jii zeigen, daß diese Behauptung von keinem parteiischen Autz der Schweiz, 2d. December. (Privatmilth.» Wie! Standpunkte ausgcht, berufen wir uns auf einen Artikel in der Köln. "■> " .» Schweiz. in °inig-n C-n,°n°n.^A»L aayi«™ die Religionsfreiheit versteht, erweist sich - in ganz! Die Versuche nämlich mit der eisernen Stirnmaske und dem Stachel, eiaentbümlicker Art an den Juden Bekanntlich bat es ,'ebr' bcr mit einem Schlage in das Gehirn getrieben wird, sind in Berlin eigenlyumlttyer AN an den >5uoen. ^erannntw yar es siyr ungünstig ausgefallen, und es wird deshalb auf die vielen lange gedauert und der Pression von außen bedurft, um den Gutachten unparteiischer wissenschaftlicher Autoritäten verwiesen, welche 3„t=n d« Mrgeriidjen Rech., m der Schweiz zu WÄ SÖ&S &S Es ist nun, als ob man sich dafür in religiöser Beziehung! Der Titel der Schrift lautet: „Die rituale Schlagstage, oder: Ist Mau zwingt °i. »nt« d« Juden bei B-eichüre gt-ich-u S-,«-»- rächen wollte. des Ausschlusses aus der Schule, am Samstag zu schreiben und i von Dr. Engelbert, die nicht minder eine gute Wirkung übte. 3