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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-12 · Heft 3 (12.1.1875) · p. Seite 40

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 3 (12.1.1875)
Date
1875-01-12
Page
Seite 40 (sequence 8)
Language
German
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40 mit dem Zusammenbruch des besten Lebeusumthes bestanden. Wir sind daher gar nicht so unparteiisch, um von dem Unternehmen des Dr. Hildesheimer zu vermeinen, daß es doch auch etwas Gutes leisten könne, wie wohl die beschränkte Gutmüthigkeit uriheilen mag; wir halten es vielmehr nach jeder Seite hin für schädlich, und zwar für das wirklich orthodoxe Judenlhum am schädlichsten. — Als eine besondere Curiosität hat man hier die Nachrichten aus Schrimm ausgenommen. Wir haben doch wohl das Recht hervorzuheben, daß es bis jetzt nur Orthodoxe waren, welche in etwas größerer Zahl den Austritt aus dem Iuventhume in Anspruch genommen haben. So in Karlsruhe, so in Schrimm. Dort hatten sie wenigstens die Orgel zum Vorwand; in Schrimm aber liegt auch nicht der entfernteste religiöse Grund vor. Was denken sich nun diese austretenden Orthodoxen in Schriulm, was sie ihren Kindern antworten wollen, wenn diese sie fragen: Wir sind doch keine Juden mehr, weshalb halten wir denn die jüdischen Gesetze? Sie müffen ihnen antworten: Wir haben das Judenthum nur zum Schein verleugnet. Jene fragen weiter: Weshalb aber dies? Antwort: Weil wir uns mit den andern Mitgliedern der Gemeinde nicht vertragen konnten, oder sie sich nicht mit uns. Aber, lautet die Frage weiter, unser Lehrer sagt zu uns, daß wir jetzt weder Juden noch Christen, ja nicht einmal Heiden wären? Laßt die Leute sagen, was sie wollen; wenn N. N. nicht mehr Gemeindevorsteher ist, werden wir wieder Juden! Fürwahr eine Gewiffenhaftigkeit, welche auf die Religiosität der Jugend sehr segensreich wirken und die Treue gegen ihre Religion sehr heilig machen mußEs ist doch ein eigenes Ding um die gegenwärtige Orthodoxie, und wenn wir bei ihr au die Gefinnungs- und Handlungsweise unsrer Vater und Großväter denken, so drängt sich uns die Meinung auf. daß die heutige Orthodoxie weiter von der alten sich entfernt har, als die Reform mit Chor und Orgel. Berlin, I. Januar. Durch Vermittelung der Herren Prof. Lazarus und Rechtsanwalts Makower ist noch in letzter Stunde, und als schon von Paris aus durch den dortigen Prof. Dernburg Auftrag zum Ankauf der Bibliothek des verstorbenen vr. Abr. Geiger gegeben war, dieselbe um den Preis von 2000 Thlr. für die hiesige „Hochschule für die Wissenschaft des Juventhums" angekaust worden. Schrimm, 1. Januar. (Privatmitth.) Unter Bezugnahme auf die jüngste Mittheilung in Ihrer geschätzten Zeitung aus Schrimm iNr. 52.), betreffs den Austritts aus der religiösen Genoffenschaft, erlaube ich mir hiermit Ihnen mitzutheilen, daß der Austritt der qu. Herren nicht erfolgt ist. Dieselben haben zwar dem Gerichte die Absicht auszutreten kundgegeben, die factische persönliche Austrittserklärung aber unterlaßen, da sie sich überzeugten, daß es ihnen doch gelingen wird, bei der nächsten Wahl zu siegen, wodurch das Motiv für den Austritt wegfällt. Dieses war einerseits die Unterdrückung der von dem Cultusverein für eigene Rechnung unterhaltene Religionsschule, die segensreich wirkt, andererseits die Octroyiruug eines GemeiudepredigerS in einer uns nicht zusagenden Persönlichkeit, endlich aber die maßloseste Chicanirung bei der Besteuerung, und daS Regime von Männern, die jeden Fortschritt hemmten. Mit unserem Siege wird Ordnung und Friede in die Gemeinde einkehren. Köln, 4. Januar. , Privatmittheilung.) Soeben verbreitet sich hier die Trauerkunve, daß Herr Rabbiner Dr. Schwarz, ein Mann noch in den mittleren Lebensjahren, voll Kraft und Strebens, verschieden ist. Die Beerdigung findet am 7. dieses Nachmittags statt. Bromberg, 29. December. lEingesandt.! Unterm 0. Mai d. I. wandten wir uns wegen Ertheilung des jüdischen Religionsunterrichts beim hiesigen königl. Gymnasium an das königl. Provinzial-Schul-Collegium zu Posen, welches uns auch unterm 15. Mai cr. benachrichtigte, daß es wegen Einführung dieses Unterrichts bei jener Anstalt und der aus Staatsfonds zu bestreitenden Remunerirung des Lehrers dem Herrn Minister der geistlichen rc. Angelegenheiten Borttag halten werde. — Auf Anordnung des letztern ist dann auch der jüdische Religionsunterricht seit dem l. October d. I. in den Unterrichtsplau jener Anstalt ausgenommen worden. Da von vielen Gemeinden Anftagen, welche diese Angelegenheit betteffen, an uns ergehen, so theilen wir Ihnen die Thaffache mit dem Ersuchen mit, dieselben zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Rosenthal. Oesterreich - Ungarn. Wien, im December. In diesen Tagen fand im Saale der Handelsakademie die diesjährige Generalversammlung des israelitischen Mädchen-Unterstützungs-Vereines statt. Als einer der ersten Gäste erschien der Herr Statthalter Conrad v. Eybesfeld in Begleitung des Herrn Hoftathes Migerka (an Stelle des Handelsministers), dann Hofrath Seidl, und ließ sich von dem Obmanne des Vereines, Herrn Gemeinderath Gustav Simon, über die Vorgänge des abgelaufenen Bereinsjahres umfaffenden Bericht erstatten; der Herr Statthalter sprach dem Herrn Obmanne seine vollste Anerkennung für die edlen und humanen Zwecke des Vereines aus. Nachdem die Präsidentin des Vereines, Frau Pauline Frankl, die Versammlung mit einigen einleitenden Wotten eröffnet, erstattete Herr Gustav Simon denKaffenbericht über das abgelaufene Vereinsjahr; die Einnahmen betrugen 9454 fl. 70 kr., die Ausgaben 8617 fl. 50 kr., so daß sich ein Saldo von 837 fl. 20 kr. herauSstellt. Die Schriftführerin, Frau vr. Schüßler, erstattet, nach Genehmigung des Kassenberichtes, den sehr klar abgefaßten und mit vielem Beifall aufgenommenen Jahresbericht des Vereines. In demselben wird

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