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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-12 · Heft 3 (12.1.1875) · p. Seite 38

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 3 (12.1.1875)
Date
1875-01-12
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 vom jüdischen Glauben die Religion des Islam als eine an Stelle der jüdischen getretene göttliche Offenbarungslehre ausgab und das Erscheinen ihres Stifters aus der Thora nachwies. In dieser innern und äußern Bedrängniß, welcher der Glaube in den Gemeinden von Jemen zum Opfer zu fallen drohte, wandte sich der hervorragendste Gelehrte derselben, Jacob ben Nathanel Alfajumi, an Maimuni, der damals bereits in Egypten lebte, und von deffen Autorität ihm ein früherer Schüler deffelben, Salomon Kohen, Mittheilung gemacht hatte. Maimuni wird in einem Schreiben um Belehrung ersucht, in Betreff der beiden der jüdischen Gemeinden, ferner wegen der auf Muhammed gedeuteten prophetischen Bibelstellen unv endlich darüber, welcher Glaube dem ausgetretenen Messias beizulegen wäre. Die Antwort Maimuni's auf diese Fragen macht nun den Inhalt des Sendschreibens -,“'r r.-as aus, das an Jacob Alfajumi gerichtet, jedoch für die Gemeinden Jemens bestimmt ist und Allen zur Kenntnißnahme dringend empfohlen wird. Maimuni hall sich vor Allem der hohen Meinung nicht werth, die man von ihm habe, und ergreift dann das Wort zur Belehrung, zum Trost und zur Mahnung an Ausdauer im Glauben in einer Weise, daß mau kaum weiß, ob man die Energie der Auffassung, die Klarheit res Urtheils oder die Wärme der Darlegung mehr bewundern soll. Es sei ein trauriges Zusammentreffen, schreibt er, daß im Westen unv Osten zugleich die Religionsverfolgung ausgebrochen sei; allein im Hinblick auf den Glauben verliere das Leiden seine eigentliche Bitterkeit unv verkläre sich zu einer erhabenen Fügung, durch welche die Glaubensmacht geprüft und geläutert werde, die Wahren und Unzuverlässigen sich offenbaren. Die Drangsale in Israel seien so alt, wie der Besitz seiner Gotteslehre von Sinai, um deren willen es aber nur beneidet und angefeindet werde, und zwar habe sich dieser Haß im Alterthum bald durch die nackte Gewalt, bald durch schlaue Disputationen geltend gemacht; in spaterer Zeit haben dann Christenthum und Islam die Behauptung aufgeflellt, eine neue Offenbarung habe stattgefunden und die erste vom Sinai aufgehoben. Scharf geißelt er diese Offenbarungscheorien, die niemals vermocht hätten, der jüdischen Religion irgend welchen Eintrag zu lhun, oder dem Stifter derselben von seiner Bedeutung einen Strahl zu rauben, sondern die aller Zeit den Opfermuth ihrer Bekenner erhöht und sie in ihrem Glauben gekräftigt hätten. Das nehmt zu Herzen, ruft er aus, und prägt es Allen, auch Frauen und Kindern, in's Gewiffen, daß das Dulden um des Glaubens willen ein Chrenzoll ist, Gott dargebracht, an dem Er Seine Treuen erkennt. Die Gotteslehre, um deren Willen Ihr leidet, ist Euer höchstes Panier, und so wie sie da in den Büchern Moscheh's geschrieben steht, vom ersten bis zum letzten Worte, ist sie ihm von Gott überantwortet worden. Die Leiden, die ihretwillen entstanden, sind alle in der heiligen Schrift voraus verkündet worden, aber auch, daß sie über alle Widersacher siegen und über alle Verfolgung triumphiren werde. Was will es bedeuten, für diesen Schatz all' seinen Besitz hinzugeben und selbst aus der Heimath auswandern zu müssen! — Mit bitterm Hohne läßt sich Maimuni alsdann über den Unverstand deffen aus, der in der Bibel prophetische Stellen für das Erscheinen Muhammed's als Sttfter einer neuen Religion nachwies. Er bezeichnet alle diese Stellen als nichtssagend, die selbst für die Moslems so sehr aller Beweiskraft entbehrten, daß diese vielmehr lügenhaft behaupten, die Bibel sei von den Juden gefälscht und die beweisenden Stellen sind aus ihr entfernt worden; eine Behauptung, die sich jedoch schon dadurch widerlege, daß längst vor Muhammed die heilige Schrift in die verschiedensten Sprachen übersetzt, verbreitet und der Text überall derselbe war. Mit Bettübniß, fährt er fort, habe ich aus Deinem Schreiben ersehen, daß Biele unter Euch sind, denen die Stelle (5 M. 28,15): „Einen Propheten aus Deiner Mitte, von Deinen Brüdern, wird Dir Gott erstehen lassen, mir gleich, auf ihn hört", Bedenken erregt. Allein der Grund davon liegt in der falschen Auffassung der ganzen Bersgruppe, und merke Dir wohl, daß man nicht einzelne Sätze aus ihrem Zusammenhänge Herausreißen und deuten darf. Für uns hat kein Prophet Anspruch auf Anerkennung, dessen Lehre mit derjenigen Mosche's in Widerspruch steht. Nicht, daß er kein Jude ist, oder keine überzeugenden Wunder zu verrichten im Stande ist, sondern das entzieht ihm unfern Glauben, daß er der Lehre Moscheh's entgegen ist, daß er ihr Einiges hinzufügt oder abnimmt. — Auf die Frage wegen der messianischen Zeit und deren Berechnung durch Saadias, bemerkt Maimuni. daß schon nach dem Worte Daniels dieses Gebiet unserer Forschung verschlossen sei, daß daher eine Berechnung der in Rede stehenden Zeit jeder Grundlage entbehre und zu allgemeiner Verirrung in den Massen Anlaß biete. Derartige Vorausbestimmungen sollten schon deshalb unterbleiben, da doch nicht einmal die Zeit der Erlösung aus Egypten, deren Eintritt dem Abraham vorausbezeichnet war, allseitiges Vcrständniß vorfand. Allerdings hätte auch Saadias solche messianische Berechnungen angestellt, allein sicher nur um das schwach gewordene Glaubensleben ''seiner Zeit zu starken, indem er ihr ein leuchtendes Ziel nahe rückte. Die Erfüllung der messianischen Hoffnungen sei verheißen, und über die Zeit ihres Einttitts sei auch ihm eine Ueberlieferung von seinem Vater überkommen; allein Niemand vermöge zu sagen, wenn die Zeit vollendet sei und die Befteiungsstunde schlagen werde. Was mich aber am meisten Wunder nimmt, erwidert Maimuni dem Alfajumi, ist, daß in Eurer Mitte sich ein Mensch für einen Propheten ausgeben kann und Du selber, dem Wissen und Gelehrsamkeit in so hohem Grade zu Gebote stehen, einige Neigung verspürst, über seinen messianischen Beruf nachzudenken. Der vorgebliche Prophet ist natürlich ein ausgemachter Narr, die große Masse besitzt nicht genug Urtheilskraft, Du aber solltest doch ein klares Bewußtsein von der Würde und Höhe des Messias haben. Keine von allen Voraussetzungeu des wahren Messias sind bei

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