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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-05 · Heft 2 (5.1.1875) · p. Seite 29

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 2 (5.1.1875)
Date
1875-01-05
Page
Seite 29 (sequence 13)
Language
German
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29 So endete die liebliche Feier, welche gleichzeitig als religiöser Einweihungsact des Schulgebäudes gellen sollte. Gießen, 21. December 1874. Einiges aus Gießen. Warnung vor betrügerischen fremden Bettlern. In Mannheim und Mühringen, wie mir von dort geschrieben worden, und ohne Zweifel noch an vielen anderen Plätzen, haben ein oder mehrere Individuen ihren Bettelbriefen Empfehlungszeugnisse. als von mir, beigelegt, die ich nicht gegeben habe. Nicht bloß Inhalt, Schrift und Unterschrift sind falsch: die Betrüger gingen in ihrer Fälschung so weit, den Zeugnissen, als Zeugnis; ihrer Echtheit, meinen Namen lithographisch abzudrucken. Was mir geschehen, geschieht gewiß auch anderen Rabbinern. Darum ist wie bei Ausstellung, so auch insbesondere bei Beurtheilung von dergleichen Zeugnissen die größte Borsicht geboren. Meine Freunde und Bekannte wissen übrigens, daß ich fremden Bettlern fast niemals Empfehlungsschreiben gebe. Hohes Alter! Sechs Stunden von hier, in Cleeberg bei Usingen, früher nassauifch, jetzt preußisch, lebt eine 107, schreibe hundert und sieben Jahr alte Jüdin, Leah genannt, die ich kürzlich in Begleitung mehrerer Männer von hier besucht, und nicht bloß körperlich wohl, sondern auch geistig frisch und lebhaft gefunden habe. Wir sprachen mit ihr über viele Dinge, jüngstvergangenes und Gegenwärtiges, und erhielten auf unsere Fragen nicht selten witzige, ja nmrhwillige Antworten. Wir trafen sie bri Kartoffeln und Butterbrod, wie sie sagt, ihre liebsten Speisen, wiewohl sie auch Besseres genießt. Der frühere Srtspfarrer, jetzt in der Nähe, zu Efchbach wohnhaft (ick, glaube Weigand oder Wiegand heißt er), bat sich schon vor langer Zeit in edelster Menschenfreundlichkeit des alten Mütterchens liebevoll angenommen und ausreichend für sie gesorgt. Dank diesem würdigen Manne, den das 107jährige Frauchen nicht anders als „mein Vater" heißt. Goldene Hochzeilsfeier. Bor mehreren Wochen fand in der Synagoge hier, unter großer Betheiligung aller -Klassen der Einwohnerschaft, Juden wie Christen, die goldene Hochzeirsfeier der Heineman Hermannsche Eheleute (der Mann 87, die Frau 73 Jahre alt!) statt, die in diesen Blättern erwähnt zu werden verdient. Um die Würdigkeit des Jubelpaares darzuthun, sei es mir gestattet, das anzusühren, waS ich Eingangs meiner Rede, der strengsten Wahrheit gemäß, gesprochen habe. ,Wie wenig Eheleute werden dieses Ehrentages tdeilhaftig! .... „Wie wenig Eheleute können aber auch aus ein so reich gesegnetes Eheleben zurückblicken! Reich gesegnet!? Zählt ..unser Jubelpaar etwa zu den Reichen und Vornehmen, zu den „Gebildeten und Einstußreichen unser Stadt und Gemeinde, oder „zu denen, welchen Gott ein großes, weites Feld menschlicher „Thätigkeit und gesegneten Wirkens gegeben hat? Nickis von „Alledem. Aber es zählt zu den Bravsten und Besten, zu den „Rechtschassensten und Gottesfürchtigsten, zu den Geachtetsten und „Beliebtesten in unserer Mitte, und das ist ruhmvoller als alle „andern Vorzüge, die wir Einer vor den« Anderen voraus- „haben, und das ist es, wodurch es reich gesegnet erscheint und „was ihm unser ganzes Mitgefühl, unsere vollste Symparbie „und die freudige Theilnahme dieser zahlreichen, hockansehnlicken „Zuhörerschaft zugewenvet hat." Und so sei nur noch des Einen erwähnt, daß unser Jubelpaar von Sr. .König!. Hoheit dem Großherzog ein ansehnliches Geldgeschenk, von unserer Gemeinde einen prächtigen silbernen Pokal, und von vielen Privaten, Christen wie Juden, eine große Menge von Liebesgaben erhalten hat. Gesellschaftliche Stellung der Juden in Gießen. Es möchte wenig Städte im lieben deutschen Vaterlands geben, in denen ein so gutes Verhältnis; zwischen Juden und Christen besteht, wie hier in Gießen. Beide verkehren in allen Gesellschaftskreisen freundschaftlich mit nnd nebeneinander, und man läßt hervorragenden Männern unserer Gemeinde volle Gerechtigkeit widerfahren und verleibt ihnen die gebührende Stellung und Ehren. Nachdem das langjährige Mitglied unseres städtischen Gemeinderaths, Herr Hofgericktsadvoeat Rosenberg se«., wegen Kränklichkeit aus demselben scheiden mußte, ward alsbald ein anderes Mitglied unserer Gemeinde, der Borstandspräses, Herr Mayer Homberger, der auch Handelsrichter ist, in denselben gewählt. Ja, bei der jüngst stattgehabten Neuwahl des ganzen Gemeinderathes erhielt er, glaube ich, von allen Candidaten die meisten Stimmen. Und dieses schöne Berhältniß zwischen Juden und Christen besteht hier nicht erst seit gestern, sondern schon seit Jahrzehenlen, was von guter Begründung zeugt. Rabb. l»r. Levi. Vermischtes. Bekanntlich hat .König Salomon die Stadt Thadmor. wahrscheinlich eigentlich Thamar — rer erftere 'Name ist svrisck'e Verbreiterung des Wortes — Palmenstadt, zwischen Euphrat, dem Oronteö und Damaskus, mitten in der syrischen Wüste, aber in einer gueüreicben Oase gegründet < 1 Kor.;», IS. —

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