Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 2 (5.1.1875)
- Date
- 1875-01-05
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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28 an denen nicht eine einzelne Person, sondern alle Professoren und Mitglieder der Vorgesetzten Commission betheiligt waren. Es war daher nichts als eine Jntrigue, wenn man dem Prosesior Chon, und zwar, weil er jüdischer Religion ist, für den Ausbruch jener Unrahen verantwortlich macken wollte. Wir können bier ans die, dieser Zeitung fernliegende Angelegenheit nickt weiter eingehen, und bemerken nur, daß Pros. Cyon in seiner Stellung durchaus nickt erschüttert ist und nack Weihnachten seine Vorlesungen wieder beginnt. —. Die Statt Sebastopol, bekannt aus dem Krimmkriege durch den Patriotismus ihrer Bevölkerung, lhut sich aus ihre Verdienste um das Vaterland, die sie sick damals erworben hat, nickt wenig zu gute. Die Sebastopoler wollen sick durchaus nickt mit Allem zufrieden geben, was für die vielen anderen Städte im weilen Rußland Reckt und Gesetz ist. Sie weigerten sich z. B. mit vieler Hartnäckigkeit, als es der Zufall gewollt, daß bei den Wahlen der Friedensrichter für die Stadt in einem der Quartiere auck ein Jute gewählt wurde, diesen als gleichberecktigt mit seinen christlichen Collegen anzuerkennen, obwohl es das Gesetz so bestimmt. Sie wollten keinen Juden aus einem Ehrenposten dulden und protestirten gegen die Wahl bei der Regierung. Allein man hat ihren Protest hohenorts zurückgewiesen, weil man nicht wegen eine- HäusteinS russischer Bürger, und wenn diese noch so patriotisch wären, mittelalterlichen Anschauungen Rechnung tragen wollte. Der Jude, Jakobsohn ist sein Name, blieb Friedensrichter in Sebastopol und übte sein Ehrenamt tadellos zum Wohle seiner Mitbürger auS. In den letzten Tagen erschien auch ein russischer Gutsbesitzer aus der nächsten Umgebung in seiner Gerichtskammer, um in einer gewiffen Privatangelegenheit Reckt zu suchen. Der Richter fand, daß er Unbilliges verlange, und wies seine Klage zurück. Darob ergrimmte der Gutsbesitzer gar sehr und überhäufte den „Juden" mit allen möglichen Schimpfnamen, was zur Folge hatte, daß der Staatsanwalt einen Proceß gegen ihn anhängig machte, der kürzlick vor dem Bezirksgerickte verhandelt wurde. Der Angeklagte wurde zu dreimonatlichem schweren Kerker verurrheilt, und das Publicum klatschte Beifall. Das brachte ihn in unbeschreibliche Wurh. Er konnte es nicht begreifen, wie man ihn wegen „so eines Juden" so empfindlich strafen und obendrein noch verspotten könne; er zerschlug Stühle und Bänke im Gerichtssaale, und hieb auf Jeden ein. den er erreichen konnte, die Richter nicht ausgenommen. Dadurch bat er sich selbstverständlich einen neuen bösen Proceß auf den Hals geladen, der ihm neue empfindliche Strafen einbringen dürfte. I e u i l Eorrespondeuz. Cöln, den 21. December 1874. Der hiesige israelitische Frauenverein, welcher sich neben seiner wohlthätigen Wirksamkeit die löblicke Aufgabe gestellt hat, die unbemittelten Schülerinnen der israelitischen Elementarschule jährlich zweimal — im Frühjahre und Herbst — mit Kleidungsstücken zu versehen, wählte dieses Jahr das Chanukkafest als den geeignetsten Zeitpunkt zur Beschenkung der armen Kinder mit warmen Bekleidungsstücken. — Um nun dieses Fest der sämmtlichen iSrael. Schuljugend näher zu führen und ihr an demselben eine Freude zu bereiten, beschloß der Frauenverein — auf Anregung der Vorsteherin Frau Falk — die Austheilung der Winterkleider an arme Kinder einer allgemeinen Beschenkung sämmtlicher Schüler vorausgehen zu lassen. Letztere fand am 6. Chanukkatage statt. Vormittags 10 Uhr versammelten sich in dem oberen Reservesaale des erst kürzlich seiner Bestimmung übergebenen prächtigen Schulgebäudes die fünf Vorsteherinnen des Frauenvereins, an ihrer Spitze der Vorsitzende res Gemeindevorstandes, Herr S. M. Frank, und Herr Rabbiner Nr. Schwarz. Außerdem hatten sich einige Eltern der Schüler eingefunden. Die rings den Wänden entlang aufgestellten Tische waren mit lieblich duftendem Backwerke :c. reichlich beladen. Von der Lehrerin Fräulein Mayer vorgeführt, l e t o n. erschienen zuerst sämmtliche Schülerinnen und stellten sich in Reihen vor dem mit Zierpflanzen geschmückten Katheder auf. Herr Rabbiner llr. Schwarz eröffnete die Feier durch eine an die Kinder gerichtete, von Herzen kommende und zu Herzen gehende Ansprache, in welcher er in fesielnder und das kindliche Gemüth anregender Weise die geschicktlicke Bedeutung des Channkkafestes erklärte. Am Schlüsse der Rede legre er den Kindern ans Herz, treu im Glauben auszuharren. wie es das Chanukkafest von ihnen verlange, und ebenso opferwillig für ihn einzustehen, wie dies die Frauen in Israel stets bewiesen. — Nachdem sodann die an Wohlthun gewohnten Hände der Vorsteherinnen sich regten, den Kindern die für sie bestimmten Geschenke einzuhändigen, wobei sich das Auge der Anwesenden an den freudestrahlenden Blicken der jugendlich frischen Gesichrchen weidete. trat eine Schülerin aus der Reihe hervor, um dem Frauenverein Namens ihrer Mitschülerinnen zu danken und den Segen des Himmels auf ihn, als Lohn der steten Fürsorge und Wohlthaten zu erflehen. — Frau Vorsteherin Falk versprach den Kindern die Wiederkehr dieser frohen Stunde am näcksten Chanukkafeste. wenn sie der Worte des Herrn Rabbiners eingedenk bleiben wollten, welches von den Kleinen freudig versichert wurde. — Es folgte demnächst die Beschenkung der Knaben. — Herr Lehrer Lob richtete in schönem Bortrage ähnliche Lehren an diese und führte schließlich die in dem Gebete: „Al Hanissim" beschriebene Glaubensstärke der Makkabäer zur Nachahmung vor.