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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-05 · Heft 2 (5.1.1875) · p. Seite 23

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 2 (5.1.1875)
Date
1875-01-05
Page
Seite 23 (sequence 7)
Language
German
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23 2rcitaii^.Mi<xcßtxc&teu. Deutschland. Berlin, 22. December. Die hiesige Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums hat von Frankfurt am Main seitens des dortigen Ccmitös zur Forderung dieses wissenschaftlichen Instituts eine Zuwendung von 1571 Thalern erhalten. Einem Studirenden der Hochschule ist jüngst der freiherrlich Königswarter'sche Preis von 420 G. für eine eingehende Arbeit zuerkannt worden. Die Hochschule, welche zu Ende dieses Halbjahrs drei Jahre besteht, wird ihren Studirenden auch die Gelegenheit zur Ablegung einer Prüfung bieten, nachdem dieselben ihr Triennium beendet haben. — Bei dieser Gelegenheit ist es wohl gestattet, noch einmal auf den zu schaffenden Stipendien- und Präparandenfond der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums aufmerksam zu machen. Bis jetzt haben für diese Anstalt überhaupt außer Berlin und Frankfurt am Main nur wenige zerstreute Freunde etwas Erkleckliches gethan, wobei nur noch eine Anzahl Jahresbeiträge aus Aachen zu vermerken wäre. Da nun bei dem gedachten Fond über die Höhe des Beitrages, sei es eines einmaligen oder jährlichen, keine Bestimmung getroffen worden, also jedwede dankbar angenommen wird: so wäre es bedauerlich, wenn sich hierbei dieselbe Erscheinung wie in Wien zeigte, wo für Institute, welche den Glaubensgenoffen des ganzen Kaiserstaates zu Gute kommen, die ganze Last den Wienern aufgebürdet und von den Provinzen so gut wie gar nichts geleistet wird. Hier in Berlin werden unsere Glaubensgenoffen außerordentlich in Anspruch genommen, und dabei versteht es sich von selbst, daß sie sich den nichtjüdischen wohlthätigen und gemeinnützigen Anstalten nicht entziehen können und wollen. Ferner muß bedacht werden, daß die Bedeutung und Tragweite der Hochschule noch nicht gar zu Vielen aufgegangen ist; und so mögen alle Freunde der jüdischen Wissenschaft im In- und Auslände die Gelegenheit wahrnehmen, ihr Jntereffe zu bethätigen. Wir wiffen sehr wohl, daß die gegenwärtigen Zeitläufe in der Geschäftswelt nicht günstig sind. Jndeß der gute Wille vermag doch viel, und die Einsicht, daß es gilt, der bedürftigen studirenden Jugend zu Hülfe zu kommen, müßte doch ein genugsam starker Beweggrund sein. Bom Rheiue, 27. December. (Privatmiltheilung.) Die „Köln. Ztg." enthielt dieser Tage Folgendes: Wie der von Nr. Lehmann in Mainz herausgegebene „Israelit" miltheilt, sind im Jahre 1573 in den alten Provinzen der preußischen Monarchie 90 Israeliten und 1338 jüdische Kinder getauft und in die evangelische Landeskirche ausgenommen worden. In Schlesien wurden getauft 4 62, in Berlin (Brandenburg) 355, in Preußen 276, in Posen 94, in Sachsen 81, Pommern 57, Westphalen 52, Rheinprovinz 156." — Alle diese Angaben sind nach den protestantischen Kirchenblättern selbst, durchaus unrichtig, wie im Juni d. Jahres aus jenen die Zeitungen (auch diese in Nr. 28) veröffentlichten. Hiernach sind im Jahre 1873 in Preußen etwas über 16,000 Personen zur protestantischen Kirche übergetreten, und hierunter s ü n f u n d - fünfzig Juden (Männer, Frauen und Kinder-, die anderen waren Katholiken und Diffenters. Wie viele Protestanten zum Katholicismus, den Diffenters und dem Judenthumc überzegangen, geben die protestantischen Blätter nicht an. Wie kann inan solche ungeheuerliche Unwahrheiten verbreiten. Ich kenne;. B. das Rheinland ganz genau, und wo da die 156 jüdische Kinder, die protestantisch getauft sein sollen, stecken sollten, wüßte ich nicht. (81 in der Provinz Sachsen sind geradezu gröblich erfunden! Redaction.) Davon müßten doch die Juden auch etwas gemerkt haben. Solche Erfindungen, von wem sie auch ausgingen, geben einen betrübenden Einblick in die Motive, von welchen sich eine gewisse Partei leiten läßt! Halberstadt, 22. December. (Eingesandt.) Von befreundeter Seite wird mir Nr. 51 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" zugesandt, in welcher ein Artikel mit der Unterschrift des Synagogenraths der israelitischen Gemeinde zu Karlsruhe enthalten ist. Es wird darin behauptet, daß der Schluß des Leitartikels der „Jüdischen Presse" Nr. 44 auf Unwahrheit beruhe. Ich erkläre hiermit, daß der in der „Jüdischen Presse" citirte eigenhändige Brief des seligen Herrn Oberrath Altmann vom l 8. Marcheschwan d. I. datirt, in meinem Besitze ist, und sich außerdem auch der selige Oberrath Altmann am 24. October v. I. in ganz gleichem Sinne mündlich ausführlich gegen mich ausgesprochen, was ich eidlich bestätigen kann. Dies zur Steuer der Wahrheit!*) Aron Hirsch. Fürth, im December. «Privatmitth.) In einer Zeit, in welcher die Centrifugalkraft so mächtig ist und über die feindliche Religionsparteischaft so oft die trotz alledem vorhandene Einheit Gesammtisraels vergessen wird — in einer solchen Zeit ist es doppelt wohlthuend, von einer That berichten zu können, die in weiteren Kreisen ausgeführt wird und bei der doch Alle ohne Unterschied der religiösen Anschauung einträchtig und friedlich Zusammenwirken. Auf Einladung und unter dem meisterhaft geführten Vorsitz des königl. Notars, Herrn l)r. Ortenau, dieses in jüd. Kreisen als Ausschußmilglied res deutschen Gemeindebundes und als Vorstand der hiesigen israel. Cultusgemeinde rühmlichst bekannten Mannes, tagte am 13. d. M. dahier eine Versammlung von Glaubensgenossen aus allen Theilen des diesseitigen Bayerlandcs, *) Wir geben diese Erklärung, ohne uns verpflichte: zu fühlen, auch die lange Stelle aus der „Jüd. Presse" abdruckeil zu lassen, die Herr A. H. citirt, und die zugleich für Dritte injuriös ist. Red actiou.

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