Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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zuladen, stand jedoch hiervon ab, da die mißlichen politischen, mit Blumen umwundene Thorarollen sichtbar wurden. Nicht Verhältnisse, wahrend der Aufruhr vor den Thoren der Haupt-! minder spiegelte sich der eigentliche Zweck der Religion, die stadt wüthete, dies rathsam machten. Man beschränkte sich daj Menschen mit einander zu vereinigen, in diesem Gemisch von her auf die Glaubensgenossen, deren Eifer einen schönen Be-i Israeliten aus den verschiedensten Ländern der alten Welt ab, weis von der nie verlöschenden Liebe zur väterlichen Religion! welche eine einige Verbindung für alle wichtigen Momente des giebt. Es war ein ergreifender Augenblick, als unter den Tönen j Lebens und des Todes gebildet haben, des uralten Instruments die heilige Lade sich öffnete und zwei! Jeuilleton. CorresponLery. Görlitz, den 12. December 1874. Nachdem die hiesige Gemeinde am 28. November das 25 jährige Dienstjubiläum ihres verdienstvollen Lehrers und Schächters Herrn Kämpf in würdiger Weise durch Vorstand, Repräsentanten und Lehrercollegium gefeiert hatte, fand acht Tage später, den 5. December (Sabbath Chanukah), das 25 jährige Jubiläum unseres Vorstandsvorsitzenden Herrn M. Wieruszowski statt. An diesem Tage waren es 25 Jahre, seitdem Herr M. Wieruszowski das Amt eines ersten Vorstehers angetreten, das er seitdem, immer von Neuem einstimmig dazu berufen, bis auf den heutigen Tag verwaltet. Die hiesige jüdische Gemeinde hat während dieser Zeit bedeutende Wandlungen durchgemacht. ^Nachdem das mittelalterliche Privilegium, das keinem Juden die Ansiedelung in Görlitz gestattete, gefallen war, wohnten vor 25 Jahren vielleicht an 12—15 jüdische Familien Hierselbst, bis sie sich unter Leitung des Herrn Wieruszowski, nach Maßgabe des Judengesetzes von 1847 zu einem Synagogenbezirk, umsaffend die Kreise Görlitz, Lauban, Rothenburg und Hoyerswerda constituirte, wodurch dann das Gemeindewesen festen Boden gewann, und sich nach Junen und Außen hin, unter der stets unermüdlichen Leitung des Jubilars, gedeihlich entwickelte. Im Jahre ' 1856 gelang es demselben, für die Gemeinde einen ebenso tüchtigen Kanzelredner, als bewährten Religionslehrer in der Person unseres Rabbiners und Predigers Herrn Dr. Freund zu beschaffen, wodurch dieselbe eine würdige Umgestaltung und geistige Repräsentation erhalten hat. Seitdem hat sich die Gemeinde um das zehnfache vermehtt, und beinahe durchweg durch intelligente, achtbare, gesinnungstüchtige Mitglieder. Auf Anregung des Jubilars und durch sein unermüdliches Stteben ist ein würdiges Gotteshaus errichtet, ein wahrhaft ergreifender Gottesdienst mit Orgel und Chorgesang eingeführt, ein gutgeschulter Cantor und auf dem Seminar zu Berlin ausgebildeter Religionslehrer, sowie Schüler der Kullackschen Academie in der Person des Herrn Wolfssohn angestellt, so daß die Gemeinde in Bezug auf Gottesdienst und Religionsschule keiner Schwestergemeinde in Deutschland nachstehl. Desgleichen sind Wohlthätigkeits-Anstalten, p'n, n's, Frauenverein, :'n, ins Leben gerufen worden, die sich der schönsten Entwickelung erfreuen. Unser Gottesacker hat durch entsprechende Anpflanzungen ein würdiges, erhebendes Aussehen erhalten, und gewährt den Anblick eines schönen Park's, in welchem sich eine Halle mit angemeffenen würdigen Einrichtungen zu Leichenreden und Trauerfeierlichkeiten erhebt. Die Gemeinde genießt durch eine solche Repräsentation und solche Institutionen die Achtung und Anerkennung der Gesamrntbevölkerung, die sich bei jeder Gelegenheit thatsächlich kundgiebt. So hat der genannte Herr mit all' der Hingebung und Selbstlosigkeit, die dazu gehört, fast ein Vierteljahrhunderl unverdrossen und unermüdlich eines Amtes gewaltet, das seinem Träger keinen Lohn, oder sonstige Vortheile, sondern nur Mühe und Arbeit gewährt, und nicht geringe Opfer an Kraft und Zeit von ihm fordert. Es war daher vorauszusehen, daß dieser Tag sich zu einem seltenen und wahrhaft erhebenden Gemeindefeste gestalten würde. Schon am Morgen des genannten Tages versammelten sich die Gemeinde-Mitglieder ungewöhnlich zahlreich in ihrem prächtigen Gotteshause, wo der Ehrenplatz des Jubilars mit dem herrlichsten Grün geschmückt war. Feierlicher Gottesdiensi, bestehend aus Orgel und Chorgesang, hatte die Weihe des Tages eröffnet, dem unser Rabbiner und Prediger Herr Dr. Freund die Krone auffetzte. Nach beendigtem Gottesdienste versammelten sich allmalig fast sämmtliche Mitglieder der Gemeinde, sowie zahlreiche Freunde und Verehrer des Jubilars aus allen Confefsionen und Ständen in dessen Behausung, wo dann auch Deputationen der Gemeinde, des Vorstandes und Repräsentanten-Colleziums, sowie der hiesigen verschiedenen Vereine zur Beglückwünschung erschienen. Der Beisitzende Herr L. Cohn überreichte mit einer sehr herzlichen Ansprache, im Namen der Gemeinde, eine höchst kunstvoll ausgeführte Adresse, während der Repräsentanten-Vorsteher, Herr Stabtrath a. D. Wallach, dem Jubilar in einer gediegenen Anrede Seitens der Repräsentanten-Versammlung die herzlichsten Gratulationen und einen prachtvollen silbernen Ehrenpocal überreichte. Der Wohlthätigkeiisverein der Gemeinde vermochte seiner Verehrung und Anerkennung nicht würdigeren, dem Sinne und Geiste des Jubilars enffprechenderen Ausdruck zu geben, als daß er ihm eine Urkunde behändigte, vermöge deren eine „Wieruszowski Stiftung" gegründet, deren Zinsen nach freiem Ermessen des Jubilars zu einem von ihm zu bestimmenden wohlthätigem Zwecke Verwendung finden sollen. Nachdem der Gefeierte in einem längeren Bortrage ein Bild der Ent-