Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 machen, so ist es nur angemessen, daß man dem Staate möglichst großen Bortheil daraus ziehen helfe. Selbstverständlich aber schmieden die Ultramontanen daraus nur einen Beweis, daß die Juden Tvdtfeinde der Kirche seien und jede kirchenschänderische Handlung mit aller Kraft unterstützen. Gegenwärtig nun ist eine osficielle Veröffentlichung über die Käufer erschienen, welche in Rom gelegene Kirchengüter erstanden haben. Hieraus geht hervor, daß unter 159 Käufern nur 5 Juden waren! Nebenbei ergiebt sich auch, daß 141 Käufer in Rom selbst ansässig sind und nur 18 Ausländer gekauft haben, daß also im römischen Volke selbst die größte Kauflust für solche Güter besteht. Ob die ultramontanen Scribenten, nachdem sie der Unwahrheit so glanzend überführt worden, dieselben Schmähungen denuoch bald wiederholen werden, ist für denjenigen, der diese Sorte kennt, kaum zweifelhaft. Aber es ist in diesem Punkte nunmehr die Gegenwehr in die Hand gegeben. Ferrara, 6. December. (Arch. isr.) Daß Herr Finzi diesmal ins Parlament nicht gewählt worden, hat allgemeinen Unwillen erregt, und am Tage der Eröffnung drückten ihm dies über 200 Abgeordnete in einer Adreffe aus. Die Regierung hatte die Absicht, ihn zum Senator zu ernennen, etwas, was bis jetzt in Italien keinem Israeliten geschehen. Herr Finzi lehnte diese Ehre ab und will lieber als Candidat bei einer Nachwahl auftreten. — In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 25. Nov. wurde Herr Maurogonato mit 213 Stimmen zum Bicepräsidenten des Hauses und zum Präsidenten der Budget-Commission ernannt. Rumänien. Bukarest, 16. December. (Eingesandt.) Vor etwas längerer Zeit brachten Sie in Ihrem geschätzten Blatte einen Bericht über eine hier stattgefundeue Kindervorstellung. Es war diesem Berichte eine Bemerkung über die hiesigen sittlichen Zustände beigefügt, die mich veranlaßt, auf diesen Gegenstand zurückzukommen. Unsere hiesige Gemeinde erfteut sich im Auslande keines guten Rufes und dies zum Theil unverschuldet. Es ist hier lange nicht so übel bestellt, als man gemeinhin annimmt. Was die sittlichen Zustande in den jüdischen Familien in Bukarest betrifft, habe ich zwischen hier und auswärtigen Gemeinden gar keinen Unterschied gefunden. Die Heiligkeit der Ehe wird auch hier hoch gehalten; es ist mir bisher keine Ausschreitung zu Ohren gekommen, obschon ich durch meine Stellung als Prediger und Leiter der Schule sehr häufig Gelegenheit habe, mit allen Schichten der jüdischen Bevölkerung in nahe Berührung zu kommen. Es war vielleicht in alten Zeiten anders — daher möglicherweise der üble Ruf —, ich danke Gott, daß gegenwärtig Reinheit der Familie eine Tugend ist, die sich hier einer allgemeinen Uebung erfreut. Die beregte Kindervorstellung war so unschuldiger Natur, daß sich gegen dieselbe, noch so streng beurtheilt, vom moralischen Standpunkt nichts Erhebliches einwenden laßt. Sie fand nicht, wie Ihnen, hochgeehrter Herr, mitgetheilt wurde, in einem öffentlichen Theater, sondern in einem größeren Saale statt, der nur ausnahmsweise der Thalia zur Herberge dient. Die aufgeführten Stücke waren für Kinder bearbeitet und ihrem Alter völlig angemesien. Ich glaube nun nicht, daß den Kindern hierdurch ein sittlicher Nachtheil erwachsen könnte. Ich erinnere mich sehr wohl, daß ähnliche Kindervorstellungen auch in Deutschland nicht zu den Seltenheiten gehören, ohne daß sie vom sittlichen Standpunkt aus gerügt worden waren. Der Padagog freilich dürfte sich nicht ohne allen Grund dagegen aussprechen. — Ich halte es für angemeffen, in einer au sich nicht besonders wichtigen Angelegenheit zu schreiben, weil mir bekannt ist, daß Sie Niemand grundlos tadeln wollen und Ihnen daher eine wahrheikgemäße Darstellung einer falsch berichteten Thatsache willkommen fein werde; zumal der Bericht in Ihrer geschätzten Zeitschrift viele achtbare Personen unserer Gemeinde unangenehm berührt hat. Mau sagt sich: Jst's nicht genug, daß man uns im Lande täglich ungerechte Borwürfe ins Gesicht schleudert, sollen wir auch noch von hochstehenden Männern in unserer Glaubensgenoffenschaft verkannt und angeklagt werden? Sie würden mich, hochwürdiger Herr, sehr verpflichten, wenn Sie von den vorstehenden Zeilen gelegentlich Notiz nehmen. llr. Moritz Beek. Amerika. Buerros-Ayres, im October. (Vessill. Isr.) Auch hier auf dem Boden früherer spanischer Unduldsamkeit steht jetzt in der besten Lage der Stadt ein stattlicher israelitischer Tempel. Man hatte sich bisher mit einem Wirthslocale begnügt, das bei Gelegenheit zum Beffaal hergerichtet wurde. Ein Comitö, das aus Engländern, Deutschen, Polen, Nordamerikanern und einem Genuesen bestand, hat dieses schöne Werk in der Hauptstadt der Argentanischen Republik zu Stande gebracht. Nachdem der Bau vollendet war, wurde eine Versammlung aller hiesigen Glaubensgenoffen veranstaltet, und es fanden sich dazu über 100 Männer ein. Es wurde die Gründung einer Gemeinde beschloffen, in deren Kaffe jedes Mitglied 25 Piaster (1V» Thlr.) zu zahlen habe. Ein reicher Pole bot sich für das Amt des Borbeters an, und schenkte der Gemeinde ein Grundstück zu einem Friedhofe. Ebenso wurde die Gründung einer Kaffe beschloffen, aus welcher Hülfsbedürftigen eine Unterstützung und Vorschüsse zur Betteibung eines Gewerbes geleistet werden sollten. Am Rüsttage von Rosch-Haschauah wurde der Tempel feierlich durch dreimaliges Blasen auf dem Schofar, hebräische Gesänge und das Abendgebet eingeweiht. Man hatte beabsichtigt, den Präsidenten der Republik unv die Spitzen der Behörden ein-