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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-01 · Heft 1 (1.1.1875) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 1 (1.1.1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 genwärtigen Direktors der Schule, des Herrn Seligmann, im Namen seiner College«, dann die eines gewesenen Schülers, des Herrn Max Ritter von Brühl, königl. nieder!. General-Consuls, im Namen der ehemaligen Zöglinge des Gefeierten, der dem treuen Lehrer die erfreuliche Mittheilung machte, daß seine dankbaren Schüler zur ewigen Erinnerung eine „Salomon-Kohn- Stistung" für arme Schüler unserer Schule gegründet haben. Zum Schluffe dankte Herr Kohn mit gerührtem Herzen für die Auszeichnung und nahm Abschied von dem heiligen Berufe, in dem er durch 40 resp. 51 Jahre so segensreich, aber auch unter Anerkennung gewirkt. Noch am selben Tage überreichte ihm eine Deputation des allgemeinen israel. Landeslehrervereines, dessen Mitbegründer und Centralkafsirer par lwuaeur unser Kohn ist, ein prachtvolles Album mit den Fotografien fast aller Bereinsmitglieder. Aber ein eben so schönes Zeugniß stellte ihm der leitende Vorstand der Pester israel. Religionsgemeinde Anfangs v. M. in einem sich und ihn ehrenden Schreiben aus, in welchem dieser ihm den Beschluß des Ausschusses dato i. Oct. l. I. mittheilt, daß er in den wohlverdienten Ruhestand versetzt wird, und daß die Gemeinde sich verpflichtet, ihm lebenslänglich sein volles Gehalt zu bezahlen. Ueber das Vorleben und die ersprießlichen Leistungen des Herrn Kohn will ich nur noch hervorheben, daß er im I. 1806 in dem böhmischen Dorfe Metzling von unbemittelten Eltern geboren und bis zu seinem 20. Jahre mit Talmud, hebräischer Sprache und mit Privatunterricht sich befaßte. Nach Fortbildung strebend ging er zur selben Zeit nach Prag, wo er seine früheren Studien fortsetzte, aber auch an der dortigen Technik den Naturwissenschaften, der Mathesis u. s. w. durch mehrere Jahre mit vielem Fleiße oblag und an der Musterhauptschule die Hauptschullehrerprüfung ablezte, bis er 1834 auf Empfehlung des l)r. Wolfgang Wesseli nach Pest an die reorganisirte israelitische Gemeindeschule berufen, 1850 vom Vorstande zum dirigirenden Oberlehrer gewählt und 1856 von der damals bestandenen Statthalterei in obiger Eigenschaft bestätigt wurde. Die Gewissenhaftigkeit, Bescheidenheit, Freundlichkeit und Gefälligkeit des Gefeierten, besonders aber seine vortreffliche Methode und sein ausdauernder Fleiß in der Schule, der er seine ganze Kraft widmete, verschaffte ihm die Liebe seiner Schüler, die Achtung der Ellern und seiner College«, die Anerkennung des leitenden Vorstandes und die hohe Auszeichnung der Regierung. M. Flosch, Lehrer. Pest, 13. December. (Privatmitth.) In der hiesigen k. Gesellschaft der Aerzte wurde Herr Iw. I. Hirschler gegen den zeitigen Rector der Universität mit großer Majorität zum Präsidenten gewählt. 8. Auö dem südliche« Böhmen, im Decemb. (Privatm.) Seitdem die Spaltung im czechischen Lager offenkundig geworden und Alt- und Jungczechen sich gegenseitig in den Haaren liegen. haben die Hetzereien gegen die Juden in den nationalen Blättern bedeutend abgenommen. Die Herren haben eben mit sich zu thun, sich gegenseitig allerhand Artigkeiten zu sagen, und da können Schmäh- und Schimpfworte besser verwerthet werden, als sie den Juden an den Kopf zu schleudern. In einigen Orten haben sich die Juden, das kleinere von zwei Uebeln wählend, den liberalen 'Jungczechen angeschloffen, obgleich auch diese die Verfassung, welche den Juden die Gleichberechtigung garantirt, perhorresziren. Freilich nehmen dieselben nicht an der freiheitlichen, sondern an der politischen Seite der Verfassung Anstoß. Immerhin aber bleibt es noch ftaglich, ob die Juden nicht besser daran gethan hätten, auch von den Jungczechen sich so lange fern zu halten, als dieselben nicht in den Reichsrath eintreten und die Verfassung anerkennen. Daß die jungczechischen Blätter jetzt auch hie und da ein Wort des Lobes und der Anerkennung für die Juden fioben, darf nicht allzu hoch angeschlagen werden, denn man merkt ja die Absicht. Uebrigens verdient die Thatfache Erwähnung, daß die Juden in rein czechischen Gegenden auch unter sich sehr oft böhmisch sprechen und daß namentlich die Kinder bis zum 5., 6. Jahre nur diese Sprache sprechen und Deutsch sehr häufig nicht einmal verstehen, so daß Lehrer an den jüdisch confessionellen Schulen mit deutscher Unterrichtssprache nicht selten die deutschen Vorträge mit böhmischen Erläuterungen begleiten müssen, um sie den Kindern verständlich zu machen. Auf religiösem Gebiete herrscht in den böhmischen Landgemeinden vollkommene Ruhe. Obgleich manche Gemeinde noch viele altftomme Mitglieder zählt, wird doch der Friede wegen Einführung synagogaler Reformen nirgends gestört. So B. haben in der Gemeinde H., welche zu den ftömmsten Gemeinden des Landes gezahlt wird und wo in der That noch recht jüdisches Leben herrscht, schon vor Jahren Mädchen im Chore mitgewirkt. Die religiöse Heuchelei und Tartüfferei, welche im practischen Leben über alle jüdischen Satzungen sich hinwegsetzt, in der Synagoge aber ftomm die.Augen verdreht und von einer Veränderung des alten und Hergebrachten nichts hören will, ist eben mehr in den Großgemeinden der Hauptstädte zu Hause. Wenn in den kleineren Gemeinden ja hie und da Zank und Stteit ansbricht, so bewegt sich derselbe in der Regel auf administrativem Gebiete. Laut Artikel 1 und III des österreichischen Staatsgrundgesetzes vom 21. December 1867 müssen die in den im Reichsrathe vertretenen Königreichen und Ländern angestellten Seelsorger cisleithanische Staatsangehörige sein. Da nun auf die Beobachtung dieser Gesetzesbestimmung in neuester Zeit strenger als früher gesehen wird und die Regierung auch die Bestätigung von Rabbinern von der Erfüllung der genannten Gesetzesbestimmung abhängig macht, so sehen sich die aus Ungarn — den« auch dieses gilt als Ausland — hierzulande angestellten Rabbiner vor die Alternative gestellt, entweder ihr ungarisches Staatsbürgerrecht aufzugeben und um das cisleithanische sich zu

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