Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1875)
- Date
- 1875-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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hebräischen Handschriften, zu deren Ansammlung er viele Jahre seines Lebens gewidmet, viele Reisen unternommen und viele Beschwerden ertragen hatte, zeigte er und ließ sie benutzen mit der Liberalität eines Macens und nicht mit der Engherzigkeit eines Raritätenfammlers. Bor seiner Ankunft in Wien hatte er die kleine karäische Gemeinde in Halic; in Galizien besucht, dort Borträge gehalten und im altkaräischen Geiste Einrichtungen getroffen, die sich aus Beschneidungs- und Hochzeilsfeierlichkeilen*) beziehen und von seinen galizischen Glaubensgenoffen einstimmig angenommen wurden. Diese „Tekanot", von denen ich mir durch die Zuvorkommenheit des Chacham von Halicz. der den verewigten Firkowitsch begleitete, eine Abschrift anfertigen ließ, übergebe ich hier der Oeffentlichkeir. Sie sollen eine bleibende Erinnerung sein an die Anwesenheit ihres Verfaffers in Wien, welcher durch seine merkwürdigen Handschristensammlungen, wie durch die Bereitwilligkeit, mit der er sie, besonders meinem verewigten Freunde Pros. S. Pinsker, zur Benutzung überlaffen hatte, unsterbliche Verdienste um die richtigere Kenntniß der jüdischen Literatur sich erwarb, und uns einen Einblick in den puristischen Geist der heutigen Karäer gewähren, der noch immer jeden rabbinischen Einfluß spröde zurückweist. Auch dürfte das vollständige Namensverzeichniß Mitglieder der karäischen Gemeinde in Halicz nicht ohne Interesse sein." — Das Schriftstück des sel. Firkowiffch selbst ist sehr interessant, weniger seines materiellen Inhalts wegen, als weil es von Neuem beweist, daß die Karäer zwar die talmudische Tradition verwerfen, selbst aber immerfort Tradition machen müssen, indem sie mit Aengstlichkeit aus dem Worte der h. Schrift zu machen suchen, was sich irgend daran unmittelbar anknüpfen läßt. Wenn man glauben sollte, daß sie sich hierbei etwa vom Geiste der Zeit oder vom Bedürfniß der gegenwärtigen Verhältnisse leiten ließen, so würde man irren; denn die Karäer schließen sich von der Welt noch mehr ab, als dies die Rabbaniten jemals gethan. — Herr Rabbiner l»r. Engelbe rt in St. Gallen giebt bei I. Kauffmann in Frankfurt am Main eine „Statistik des Juten- *) Siehe Löw, „Die Lebensalter", S. M ss. und 1S5 ff. thums in Deutschland lausgeschlossen Preußen» und der Schweiz" heraus. Sie umfaßt nicht nur die Mitglieder- resp. Seelenzahl der einzelnen Gemeinden, giebt nicht nur die Größe und Anzahl derselben an, sondern theilt auch das Wissenswertheste über ihre gesammten Cultus- und Unterrichtsangelegenheiten mit, über ihre Schulen und deren Schülerzahl, ihre Beamten und deren Besoldungen, ihre Immobilien (Synagoge, Schulhaus undBegräbnißplatz), ihre Stiftun gen, Wohlthätigkeitsanstallen und Vereine, sowie über ihre innere Organisation und Kirchenversassung, somit auch über die Stellung des Judenthums in den einzelnen betr. Staaten. Das Verdienstliche dieses Werkes springt in die Augen, und da es gewiß für viele Fragen und Gelegeuheiten nutzbar sein wird, können wir es nur dringend empfehlen. — Moses Mendelssohn. Ein Lebensbild von Ferdinand Schmidt. Berlin. Kästner. Wir können diese kleine, für die Jugend geschriebene Biographie Mendelssohns dringend empfehlen. Sie ist wahrheitsgetteu (nach Kayserling's trefflichem und erschöpfendem Werke», aber auch, wie es für die Jugend ziemt, in leichtem, etwas ausgeschmücktem Erzählertone abgefaßt, mit wahrhafter Liebe für den Gegenstand und im humansten Geiste. Das beigesügte Bildnis; Mendelssohn's läßt fteilich viel zu wünschen übrig. Jeder jüd. Familienvater thäte gut, feinen Kindern dieses Büchlein zur Leo türe in die Hand zu geben. Herr Ferdinand Schmidt hat vor einiger Zeit sein fünfundzwanzigjähriges Jubiläum als Bolks- und Jugendschriftsteller gefeiert und dabei die vielfältigsten Beweise der achtungsvollsten Anerkennung erhallen. — Auf die Warte will ich steigen. Antrittspredigt, bei seiner feierlichen Einführung als Bezirksrabbiner in Mühringen, am 17. October 1874 gehalten von l>r. M. Silberstein. Esslingen, Harburger 1874. Nachdem Herr Or. Wassermann an Stelle des verstorbenen vr. Maier als theologisches Mitglied der k. israel. Oberkirchenbehörde und Rabbiner nach Stuttgart versetzt worden, wurde Herr vr. Silberstein, bisher Rabbiner in Buttenhausen, nach Mühringen versetzt, und es liegt uns hier seine Antrittspredigt vor. Dieselbe hat Ezechiel 3, 17 zum Texte und spricht ihren gediegenen Inhalt, die Begeisterung für sein Amt und das Bewußssein seiner Pflichten in ebenso klarer wie schwunzreicher Sprache und angemessener Form aus. Xiretfciutcj .Hiocc&t^cfeteu. Deutschland. Berlin, 27. November. Die „N. Z." enthält folgenden Bericht, welcher uns hier interessiren wird. In der am Mittwoch Abend im Bürgersaale des Rathhauses abgehaltenen Versammlung des Vereins für öffentliche Angelegenheiten stellte der StadtsyndikuS Zelle ein umfassendes Programm für die Ueberweisung des Beerdigungswcsens an die bürgerliche Gemeinde auf, welche die Stadtverordneten Versammlung schon vor sieben Jahren beschäftigte, in neuerer Zeit auch an den preußischen Landtag durch den Virchow'schen Antrag auf Säcularisirung der Kirchhöfe herangetrelen ist, und