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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-01-01 · Heft 1 (1.1.1875) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 1 (1.1.1875)
Date
1875-01-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Religionsunterrichtes in allen den Schulen, in welchen für die christlichen Confessionen Religionsunterricht ertheilt wird, und die gleiche Behandlung dieses Lehrfaches, sowie die Anstellungsfähigkeil jüdischer Lehrer an diesen Schulen überhaupt. Mit gleicher Nachhaltigkeit tritt aber auch die Gleichstellung der jüdischen Consessionsschule da auf, wo die specifische Konfessionsschule als solche bestehen bleibt, die Gleichstellung in Charakter, Behandlung und Subvention der Schule. In allen diesen Momenten ist der Weg angetreten, aber noch in sehr schwankender Weise. Hierin das Ziel zu erreichen, und bis dahin nach allen Seiten wachsam zu sein und möglichst einzuwirken, wird zu einem offenbaren Bedürsniß. Hierbei ist nicht zu übersehen, daß während deffen der jüdische Religionsunterricht eine ganz besondere Auffnerksamkeit ersordert, da, wenn er in einigen Schulen eines und deffelben Ortes ertheilt wird, in anderen nicht, die Schüler dieser nicht ohne ihn bleiben dürfen, er aber hierdurch in mannigfache Verwirrung und Vernachlässigung verfallen kann. Hierzu kömmt der Umstand, daß bei dem jüdischen Religionsunterrichte, der von.den öffentlichen Schulen als Lehrfach angenommen wird, so daß dieser unentbehrliche Theil des jüdischen Religionsunterrichtes Seitens der Gemeinden immerhin zu besürsorgen sein wird. Man sieht, wie viel hier in Betracht zu ziehen und zu organisiren ist. (Schluß folgt.) SemerKuugeu über Eduard von Hartman« : Die Selbstzersetzung des Christenthums und die Religion der Zukunst. Berlin, 1874. IV. Wir haben gesagt, daß es für das Judenthum von hoher Wichtigkeit sei, stets diejenigen Momente, in welchen das Christenlhum sich von ihm unterscheidet, und diejenigen, in welchen beide übereinstimmen, in vollem Lichte zu erhalten, damit es in den ersteren nicht mit dem Christenthume verwechselt und zusammengeworfen werde, in den anderen, um auch seinerseits die Gegner zu bekämpfen. Auf diese Fragen wollen wir jetzt mit besonderer Beziehung auf die Schrift Hartmanns einzugehen ver- Zwei Weltanschauungen stehen sich seit uralter Zeit in Religionen und Philosophemen gegenüber: der Optimismus und der Pessimismus, ,d. h. die Anschauung, welche die Welt als die beste, allweise eingerichtete, das Lebten als ein hohes Gut, die Bestimmung des Menschen als eine bedeutende und erhabene, und im Gegensätze die Anschauung, welche die Welt als eine schlechte, das Leben als ein Uebel, des Menschen Wesen und Thun als nichtig und allen Uebeln Press gegeben ansieht. Zwischen diesen beiden Gegensätzen erstand aber auch ein mittleres System, welches den Bestand der Welt im Kampfe zwischen zwei sich feindlichen Mächten, dem Princip des Guten und dem Princip des Bösen, welchen beiden es eine gleiche Existenz und Potenz zuschrieb, fand. Am User des Ganges, mitten in der üppigsten Natur, aber auch unter dem Joche des grausamsten Despotismus, des Despotismus, den nicht ein einzelner Machthaber, sondern die ganze G^eüschafr ausübt. trat der Pessimismus in seiner nacktesten Gestalt als Religion auf, der Buddhismus, dem die Welt als ein Nichts, als eine bloße Bewegung erschien, das Leben als das höchste Uebel, dem nicht einmal der Tod abzuhelfen vermag, weil sich das Leben des Individuums in einer unaufhörlichen Seelenwanderung wiederholt, des Menschen höchste Ausgabe das Versinken in Nichts erschien. An den Usern des Nils und des Euphrats hingegen bildete sich jener Semi-Pessimismus aus, welcher die Herrschaft des guten und des bösen Prineips annahm, und entweder den Kampf beider einen beständigen ldie Religion der Perser) oder einen abwechselnd mit einem Siege res Guten und mit einem Siege des Bösen verbundenen sein ließ (die Religion der Egypter). Wie sich diese beiden Anschauungen in den einzelnen Philosophemeu der antiken und der modernen Zeit reproducirten, können wir hier nicht weiter aussühren. Beiden gegenüber steht der Optimismus, rer eine breite Basis in der Weltanschauung der israelitischen Religion fand. Hier war die Welt, welche ein allweiser, allgütiger und allnrächtiger Gott schuf und erhalt, vollkommen, sowohl in ihrer Ganzheit, als auch eine jede einzelne Wesengatwng nach ihrer Art, nach Zweckmäßigkeit, Gesetzmäßigkeit und Ordnung; der Mensch, Gott ebenoildlich, befähigt und bestimmt nach Gottähnlichkeit immer mehr zu streben, in Gott auch für sich das höchste Ideal zu finden; die Uebel nicht zur Beschaffenheit der Welt gehörend, sondern nur in Verhältnissen des Menschen zu sich selbst, die in ihm Vorgehen und verschwinden, bestehend. Auch diese Anschauung fand in mannigfachen Philosophemenbis zum heutigen Tage ihre Abspiegelung. Das Christenthum nun entfaltete sich zu einem Gemisch aller dieser Anschauungen, und hierin unterscheidet es sich, abgesehen von seinen Dogmen, wesentlich vom Judenlhume. Aus diesem nahm es die Lehre von dem allweisen und allgütigen Wcltschöpfer und von dem Gottebenbildlichen Menschengeiste, sowie von der Unsterblichkeit deffelben*) herüber und konnte deshalb dem enffchiedenen Pessimismus nicht anheimsallen. Trotzdem aber näherte es sich dem Parsismus und stellte das Princip des Bösen als selbstständig und kämpfend Gott gegenüber, deffen Reich jenes unauf- *) Daß schon vor dem Ursprünge des Christenlhmns die IIn stcrblichkcitslehre die vollste Ausbildung und Bcrbrcitung im Juden chume gewonnen hatte, geht schon daraus hervor, daß die aristokraniclie und sehr weltliche Scctc der Sadduzäer die Unsterblichkcitslel're leng nete, weil sie nicht wörtlich in der Thora ausgesprochen sei. Dieie Lecte war aber der Zahl nach noch nicht bedeutend, batte nur geringen Einfluß auf die jüdische Lehre selbst und verschwand später gänzliw. S. übrigens unsre Abhandlung in der Beilage III zum II. Bande unsrer „Israelitischen Religionslehre."

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