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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-09 · Heft 95 (9.8.1838) · p. Seite 385

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 95 (9.8.1838)
Date
1838-08-09
Page
Seite 385 (sequence 3)
Language
German
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385 Augen öffnen, ihnen belehrende Winke geben über das, worauf sie bei der religiösen Erziehung ihrer Kinder vorzüglich zu sehen, und wohin sie zu wirken haben, werden aber auch für sie selbst nicht ohne Nutzen sein. Deßhalb wünschen wir auch vorzugsweise Zugendschriften, obwol Volksschriften ein nicht minder dringendes Bedürfniß sind, dem aber öurch jene zum Theit abgeholfen wird, da jedes gute UnLerhallungsbuch für die Jugend zugleich ein Volksbuch ist, aber nicht umgekehrt. — Da es jedoch noch lange nicht an dem ist, daß blos das religiöse Leben uns von unseren christlichen Mitbürgernunterscheidet, unsere früher (noch nicht überall gründlich verbesserte) bürgerliche Stellung vielmehr dem Denken und Treiben der Menge eine eigenthümliche Richtung gegeben und sich noch in den meisten Lebensverhältnissen kund giebt, so bedürfen wir auch eigener nicht gerade religiöser Volks- und Jugendschriften, in welchen diese ganze Denkungs- und Lebensart und diese Eigenthümlichkeiten (sowol die guten — denn allerdings haben wir auch deren z. B. Häuslichkeit, Mäßigkeit und Nüchternheit, Barmherzigkeit und Wohlthätigkekt u. s. w. — die beibehalten, als die schlechten, die abgelegt werden sollen)- besonders berücksichtigt werden, und nur von solchen können wir uns eine heilsame Wirkung versprechen. Die allerdings zahlreichen Schwierigkeiten, mit welchen die bessern Bestrebungen bei uns namentlich im bürgerlich-gewerblichen Fache zu kämpfen haben und an welchen sie oft scheitern, dürfen weder übersehen noch verkleinert werden, aber ihrd glückliche Besiegung durch Einsicht, Muth und Ausdauer soll in ermunternden Beispielen gezeigt werden. — Ohne Kenntniß der Geschichte der Juden dürfen wir schon der Ehre unserer Religion wegen unsere Jugend nicht lassen, damit sie nicht in Versuchung komme die Gebrechen der Judenheit dem Judenthum zur Last zu legen, damit sie in den Stand gesetzt werde, unser Zurückbleiben in so mancher Beziehung sich zu erklären, aber auch die herrlichen (Gottlob noch nicht ganz aus unserer Mitte verschwundenen) Tugenden, die unsere Väter in den Zeiten des Druckes und der Verfolgung entwickelten, kennen und nach Gebühr würdigen lernen. Dieser Zweck wird aber wieder weit besser zu erreichen sein durch bezeichnende lebensvolle Scenen, als durch einen trockenen Auszug aus jener Geschichte. Das dringende Bedürfniß unterhaltender Volks- und Jugendschriften für Israeliten kann also nicht in Abrede gestellt werden und ist der Aufmerksamkeit des Publikums bereits anderswo (Zeitschr. für jüd. Theol. IV. Bd. 1. Hst. S. 26— 36 *) empfohlen worden. Es wurde dort ange¬ •) Wir haben nur zu bemerken, daß dort 1. die Ueberschrift zu eng ist, und eS statt „die Nothwendigkeit religiöser Volks- und rathen durch Aussetzung von Preisen oder was eben so viel wäre, durch die Versicherung eine bedeutende Anzahl von Exemplaren abzunehmen, beizutragen, daß diesem Bedürfnisse bald abgehotfen werde, und als erste Preisaufgabe vorgeschlagen die Ausarbeitung eines unterhaltenden Lesebuches für die reifere Jugend von 10—15 Jahren, das Weckung des religiösen Gefühles und Beförderung echter Religiosität überhaupt zum Zwecke hätte. Es sollte in einer fortlaufenden Erzählung aus der neuern Zeit gezeigt werden, wie die (israelitische) Religion den Menschen hebt und veredelt, wie sie allein ihn vor jedem Fehltritt, vor jeder wirklichen Gefahr bewahren und eine stete Zufriedenheit, ein von allem Aeußern unabhängiges Glück sichern kann. Ungeachtet nun die Hoffnung, die dem Einsender zur Aussetzung eines Preises an Geld von einer gewissen Seite gemacht wurde, unvorhergesehener Hindernisse wcgen noch nicht in Erfüllung gegangen, ist die Aufforderung doch nicht fruchtlos geblieben und haben versprochen abzunehmen: 1) Die Herren Mitglieder der kön. wür> temb. Oberkirchenbehörde von der bezeichneten Preisaufgabe wenigstens .... 100 Exemplare 2) Abraham Kohn R. in Hohenems . . 50 3) H. Satomon Sachs Satzer und Etbogner Kreisrabbine . 50 4) H. Jakob Haller, Rabbine in Brandeis .... 20 220 Exemplare. Bei 2) ist überdies ein Preisbektrag von 40 stanz. Franc deponirt worden. 2) und 3) versprechen auch von jeder andern (nicht nach den angegebenen Regeln verfaßten) Volks - und Jugendschrist, die von den zu ernennenden Richtern als der allgemeinen Verbreitung würdig erkannt werden würde, jeder 25 Exemplare abzunehmen. Die Beurtheilung der genannten Preisaufgabe werden übernehmen, die Herren vr. Maier, Kicchenrath und Rab- Jugendschriften" heißen sollte ,,die Nothwendigkeit unterhaltender Volks - und Jugendschriften für Israeliten," indem wir, wie bereits dargerhan worden, nicht ausschließlich, sondern nur vorzugsweise und zuerst religiöse brauchen, und daß wir 2. durchaus nicht theilen können, die in der Nachschrift ausgesprochene Besorgniß, „überfluthet zu werden mit Schriften, von denen dann jede nicht genug Absatz fände." Mögen bald recht viele — verstehet sich tüchtige von innern Berufe getriebne — Volks - und Jugendschriftsteller sich unter uns Hervorthun! Ihre Werke werden sämmtlich Abnehmer finden und zwar in hinreichender Anzahl. Das deutschlesende jüdische Publicum (in und außer Deutschland) ist (wo eS sich nicht um gelehrte Werke handelt) so klein nicht, und wird von Tag zu Tag größer. Und an Männern, die sich die Verbreitung angelegen sein lassen, wird es auch nicht fehlen. Einsend.

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