Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 95 (9.8.1838)
- Date
- 1838-08-09
- Page
- Seite 386 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224952--01209-3302947- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
386 bine in Stuttgart und A. Kohn, Rabbine in Hohenems' (der auch, damit der Verbreitung nichts im Wege stehe, die k. k. österreichische Censurbewilligung einholen wird). Der Dritte ftird später bei der Bestimmung des Preises an Geld bekannt gemacht werden, wo dann auch der Termin zur Einsendung der Arbeiten anberaumt werden wird. Hoffentlich werden auch andere wohlmeinende Rabbinen und Schulmänner und einsichtsvolle Volks - und Jugendfreunde in Israel durch ein ähnliches Versprechen, bei dem so wenig gewagt ist, dieses gewiß höchst heilsame Vorhaben unterstützen und zu gleicher Zeit zur Erzielung und zur Verbreitung guter Volks- und Zugendschriften in und außer ihren Kreisen beitragen wollen, da die Aussicht auf einen starken Absatz den Verfasser oder den Verleger in Stand setzen wird das Buch um einen billigen Preis zu geben, was das beste Mittel zur größer» Verbreitung ist, und werden sie geziemend ersucht ihre diesfälligen Versicherungen durch dieses vielgclcsene Blatt bekannt zu machen. M i s c e l l e. In Venedig wird ein junger Componist von 20Jahren, Herr Samuel Levi, mosaischen Glaubens, sehr gefeiert. Seine erste Arbeit, Iginia d’Asti, Text von Rossi, wird wegen des Geschmackes und der Eleganz, die über die Musik verbreitet ist, sehr gelobt. (Gazz. privil. di Venezia, 13. Juni 1837.) Er ist ein Schüler Eallegari's. 8. D. L. Literatur. S e lm a d! e jüdische Seherin, von M. Wiener, Dr. Berlin, bei Fernbach jun. 1838. (Schluß.) Während des Hellsehens äußerte sie einmal über die Sprache der Geister folgendes: Es ist eine Sprache, die sogleich alles wieder giebt was die Seele bewegt, ohne daß man erst nöthig hätte, die Zunge zum Uebersetzcn zu gebrauchen. Sie stehet in der Seele geschrieben, und das geistige Auge sieht sie —. Ueber den Magnetismus sagte sie: ES giebt eine Urkraft, die ein reiner Ausfluß des Schöpfers ist. Sie durchdringt alle Körper, und ist deren Grundstoff. In dem feinsten Körper gehüllt, heißt diese leuchtende Lebenskraft „Licht." Gott sprach, eS werde Licht, und da ward Licht. Gott sah, daß das Licht gut war. Da schied der Ewige das Licht von der Finsterniß, und nannte das Licht Tag und die Finsterniß Nacht. Das geschah am ersten Tage. Am 4. Tage schuf Gott die Lichter des Himmels zu scheinen auf der Erde. Doch Licht am 1. Tage war leuchtende Lebenskraft, der Urstoff aller erfthaffnen Dinge; das Licht am 4. Tage Sonnenlicht. Jene leuchtende Lebenskraft aber ist der Magnetismus." — Auf die Frage, ob in der heiligen Schrift angedeutet sei, daß es mehre Stufen der Glückseligkeit gebe; erwiederte sie: „Gottesfurcht ist der alleinige Weg zur Weisheit. Heil dem Frommen; je mehr er-das Wort Gottes sich erkiest zu einer Seelenbraut, desto mehr wird sein Geist erleuchtet werden, und Dinge, die dem blöden Sinn entgehen, sie entschleiern sich seinen erstaunten Blicken. ES giebt eine Menge Stufen bis zur Seligkeit. „Jacob schlief ein, und ihm träumte und siehe! Eine Leiter stand auf Erden, die reichte mit der Spitze in den Himmeb, und die Engel Gottes stiegen daran auf und nieder und der Herr stand oben darauf." — „Kann der Jude, jetzt, da er Tempel und Vaterland verloren hat, also manches nach den Vorschriften seiner Religion nicht halten kann, die höchste Stufe der Glückseligkeit erreichen?" Darauf erwiederte sie „o ja! der fromme Jude, der wahrhafte Israelit." Welchen Juden nennst du fromm? „den der alles beobachtet, wa6 in seinen Kräften steht. Fromm sein heißt: „Glauben wie die Kinder glauben! ohne den Verstand an daö Himmlische zu legen." „Der Verstand, der durch Irdisches entwickelt wurde, darf sich nicht vermepen, seinen Maßstab an das Göttliche zu legen. Glaubt es mir, wenn^ der Mensch seine Hülle dem Staube wiedergiebt, wenn das entkörperte Auge frei um sich schaut, dann blickts zuerst in sich hinein und Wehe, wenn es zittern muß. Wehe, wenn er, der im Leben so Stolze, der. alles verwarf, was sein winziger Verstand unerklärlich und unbegreiflich fand, nun sich selbst daö Urtheil spricht. Nur wer die Vorschriften seiner Religion, alö vom Varer kommend beobachtet, und sich liebevoll gegen seinen Nebenmenschen betragt, nur ein solcher kann selig werden." Die TageSfrage, ob man in deutscher oder hebräischer Sprache beten soll, entschied sie dahin. „Jede Zunge ist dem Herrn verständlich, ihm, der Herz und Nieren prüft, und des Menschen Gedanken kennt, bevor sie noch in ihm entstehen. Aber es ist doch ein großer Unterschied; „die hebräische Sprache Ist eine Gebetsprache, sie hat Worte der Kräfte und nicht, blos Worte des Seelengefühlö :c." Beim Klange ihrer Worte sinkt Mensch und Engel anbetend nieder; der verworfene aber erbebt und ergreift die Flucht vor ihm. Alles was ist und war und sein wird, liegt in diesem Worte; denn es ist von den Worten der Kraft das Kräftigste. Die genaue wörtliche Aufzeichnung alles deffen, was die Seherin sprach, verdanken wir der Stenographie des Verfassers und der Aufmerksamkeit Selma'S, die zuweilen verbessernd wiederholte, wenn der Bruder falsch schrieb; obwol sie mit geschlossenen Augen da lag. Ref. hat ebenfalls wörtlich diese Stellen abgeschrieben. Wenn gleich die Seherin, wie das hier allgemein bekannt ist, im gewöhnlichen Zustande eine ganz schlichte gewöhnliche Sprache spricht, so äußerte sie dennoch merkwürdigerweise während deS clairvoyanten Zustandes inc sehr gewählten Ausdrücken ihre Gedanken. Ein Beispiel genüge", sie sagte ihrem Bruder. „Wenn der junge Lenz auf den Schwingen des Morgenwindes seinen Einzug gehalten, wenn Baum und Strauch sich neu bekleidet, wenn die junge Rose knospet, dann schlägt für dich die Abschiedsstunde. t In diesem Zustande herrscht in ihrer Sprache durchweg ein gewisser Adel und eine feine Eleganz. Die Worte sind gewählt und in ihrer natürlichen Bedeutung, so daß man mit Recht wünschen dürfte', manche unsere Schriftsteller wären clairvoyants. Auch die Berichte, die Beschreibungen, und die persönlichen Ansichten des Verfassers sind von geübter Meisterschaft im Ausdrucke angefertigt, ganz wie es von diesem beliebten Schriftsteller/ dem Verfasser der „Proselytin" zu erwarten steht. Und so läßt sich dieses Buch angenehm lesen, und mit Recht dem Publikum, daö sich einige Stunden dabei wol unterhalten wird, bestens empfehlen. Auch die äußere Ausstattung des Buches ist untadelhaft; Druck und Papier vortrefflich. Hh<l, Redacteur Dr. L. Philippson. — Verlag von Baumgärtners Buchhandlung. — Druck von I. B Hirfchfrld.