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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1838-08-07 · Heft 94 (7.8.1838) · p. Seite 381

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
2 (1838)
Issue
Heft 94 (7.8.1838)
Date
1838-08-07
Page
Seite 381 (sequence 3)
Language
German
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3Ö1 delte stets von Humanität und Menschenliebe über, erklärte sich für einen Freund der Juden und Judenemancipation rc. — und das Jahre lang. Da erscheint plötzlich ein Schriftchen, das von einem „Staatsgelehcten" geschrieben, einer „Excellenz" vorgelesen sein will, und worin mit Ausnahme „weniger Erleuchteten" die Juden in Moral und Sittlichkeit schimpflich behandelt, und Bedingungen in Bezug auf die Emancipation gestellt werden, die nicht erfüllt werden können, und die für die Emancipation unwesentlich sind, da sie das bürgerliche Leben nicht berühren. Als solches wurde dieses Schriftchen auch in No. 102. und 109. v. I. beurtheilt. Aber bald ergab es sich, daß der Abfaffer — der Kirchenrath Dr. Stephani sei, derselbe menschenfreundliche und menschenliebelnde Mann, der gerade im persönlichen Umgänge mit Juden die entgegengesetzten Principien kund gethan hatte. Auch wurde dies bald (in No. 19. dies. I.) gemeldet. Wie überraschend, wie kränkend siel dies auf die obengenannten Männer, wie mußten sie sich gerade in ihren persönlichen Bezügen schmerzlich und bitter berührt fühlen — darum bedurften sie auch der Aussprache, und trotz den großen pekuniären Opfern, die dies für sie nöthig machte, geschah es in folgendem Schriftchen: „Entlarvung des Kkrchenraths Dr. Stephani oder Widerlegung des von einem Staatsgelehrten erhobenen wissenschaftlichen Bedenkens bezüglich der Juden-Emancipation von David Schweizer. Jul. Volkhart'scher Druck. S. 56. gr. 8." Das Schriftchen ist in derber, klarer Sprache abgefaßt, die Beweise sind so schlagend und sonnenhell, daß sich dabei wol die Frage aufdrängt: was könnte man hiergegen wol einwenden?! Dabei ist die Persönlichkeit so schonend und der Wahrheit gemäß behandelt, daß die Urbanität gewiß auf Seiten des „Entlarvers" steht, und derDemaskirte nur die Augen Niederschlagen kann. Wir wollen hier, um dem Absätze der Schrift keinen Abbruch zu thun, keinen weitern Auszug geben, und nur mit einem Mate unser Urtheil dahin aussprechen, daß der Verf. seine Aufgabe recht glücklich gelöst hat. Um so mehr aber wünschen wir, daß unsere Leser die Schrift berücksichtigen mögen, da Herr Schw. nur mit eigenen Opfern dem Drucke übergeben konnte. Literatur. S e l m a die jüdische Seherin von M. Wiener, Dr. Berlin, bei Fernbach jun. 1838. Vorbemerkung des Redakteurs. Folgende Recension, von einem Freunde des Verf. uns gütigst mitgelheüt, ist eher Relation, als Kritik, ja sogar nicht ohne ironische Bezüge. Wir geben sie daher, um unsre Leser mit dem Gegenstände bekannt zu machen, behalten uns aber eine zweite vor, da eine frühere Erscheinung in dem nächsten Kreise des .Redakteurs ihn fähig macht, tiefer in den Gegenstand einzugehen. Unter den politischen Wehen, unter den ewigen Wiedergeburts-Schmerzen unserer Zeit, können wir vorliegendes Werk mit den Worten anzeigen, die Livius einst in der Vorrede seiner Geschichte aussprach: es thut wohl die vielen Leiden der Gegenwart zu vergeben, indem man sich mit alten Mahrchen, oder bester, indem man sich mit einem verjüngten Mittelalter beschäftigt. Wir dürfen wol gar behaupten; es ist erfreulich, eine solche Erscheinung begrüßen zu dürfen. Was auch die Aufklärung des neunzehnten Jahrhunderts gegen Gespenster und spukende Geister eifern mag, wie sie sich auch gegen den jungen neuauftauchenden Aberglauben waffne und geberve; es wird ihr nimmer gelingen, mit Stumpf und Stil, denselben zu vertilgen; immer werden Trümmer einer verschollenen Zeit in die neue Welt hineinragen, und flüchtige Schaaren geisterhafter Heere, aus Hexen- und Teufel- Regiment ihren Unfug treiben und einen verwegenen Guerilla- Kampf fonsetzen. Die Richtung K e r n e r' s und E sch e n m a y e rS, die jüngst in Deutschland sich hervorthat, beweist das zu Genüge. Nun giebt es leider in unfern Tagen sehr viele poetische Philosophen und schwärmerische und mystische Theologen, die, wenn auch nicht in einzelnen Fällen, doch im Allgemeinen aus diesem dumpfen Pfuhl die Tiefe und Innerlichkeit des Glaubens heraus demonstriren wollen; und gerade die lichte Klarheit des Judcnthums, daS durchsichtige kräftige Gemüth in seiner reinen Lauterkeit als eine Verflachung, als eine Nivellirung jeder religiösen Gesinnung bezeichnen. Diesen trete diese Geistererscheinung entgegen, und belehre sie, daß auch dem Juden die Innerlichkeit nicht fehle, daß es auch unter unS Menschen giebt, die ohne jede verständige Refiection an ihrem Glauben hangen, deren ganzes Wesen durch den Glauben erschlossen wurde, die in dem Glauben ihr geistiges Dasein fanden. Denn hier handelt es sich nicht um die obiective Realität, sondern um die subjective Ueberzeugung, und diese ist klar niedergelegt; wollen die Herren nun, daß wir ihnen Glauben dcimessen, um ihre Demonstrationen zu agnosciren, so dürfen sie auch uns Glauben nicht versagen. Den gläubigen Brüdern aber vollends, die noch an jene Geisterwelt glauben, die sich vor dem verzehrenden Feuer einer modernen Aufklärung sorgfältig gehütet haben, wird dieses Buch gewiß höchst angenehm fein; sie werden in ihm eine Bestärkung ihrer Ansicht und Ueberzeugung finden; sie werden finden, daß ihr Glauben nicht verjährt ist, und daß es noch heute ist wie es damals war; wer Augen hat dazu, der sieht. Denn diese Wiener in Berlin ist keine fingirte Person, und die Erzählung keine Lüge. - Und wenn überhaupt die Wahrheit nur relativ ist, so ist daö ganze Factum reine Wahrheit. Res. kennt den Verfasser, er kennt den darin mit B'^bezeichneten Schullehrer, und hat sich nach den berichteten Umständen gewissenhaft erkundigt; er fand zu seinem Erstaunen alles treu und aufrichtig berichtet, ganzso wie eS der Verfasser gehört und gesehen, oder zu hören und zu sehen glaubte. Seine subjective Ansicht über animalischen Magnetismus wird er sich nie erkühnen öffentlich auszusprechen, da er Laie in der Medizin ist, und diese Verhandlung natürlich Sachkundigen überlassen muß; was jedoch den Glauben an Gespenster und Geister innerhalb des JudenthumS

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