Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 94 (7.8.1838)
- Date
- 1838-08-07
- Page
- Seite 380 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3224856-3224951--01202-3302939- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
380 hiesiger Gemeinde, sondern auch seine christlichen College«, und selbst die Herren Professoren der Medicinischen Facultat anschloffen, war ernst, feierlich und würdevoll. Kaum war der Körper dem Schooße der Erde übergeben, und dem Hingeschiedenen die letzte Ehre erwiesen worden, als sich einige wackere, mit dem Verstorbenen durch collegialische Innigkeit verbundene Freunde, die ihn schon während seiner Krankheit mit seltener Hingebung und Selbstverlaugnung pflegten, zu dem ReLigionslehrer, Herrn Dr. Wessely, in dessen Hause der Verstorbene wohnte, sich verfügten, und ihn aufforderten, sich unter ihrer Mitwirkung für die Gründung einer Unterstützungsanstalt studirender Israeliten zu verwenden, und so dem Verstorbenen ein bleibendes Andenken zu gründen. Dieser Vorschlag entsprach völlig dem Biedersinne des Herrn Dr. W., und er willigte mit Vergnügen in diesen Wunsch. Bereits sind von ihm, im Vereine mit jenen Herren, die nöthigen Schritte gethan, und es steht zu erwarten, daß das Unternehmen gelingen und gedeihen werde. H. N. Gießen, 2. Juli (Privatmktth.). Diejenigen Israeliten, welche sich dem Lehrer-Amte widmen wollen, werden hier als jüdische Theologen bei der Universität immatrikulirt, und als solche im Verzeichnisse aufgeführt. Tages-Controle. Santo Domingo. — Dr. Stephani. So eben ist ein Schristchen erschienen: Hamburg — wie es ist, von Santo Domingo, in welchem zwei Nummern: Juden und Advokaten nachzulesen und zusammenzustellen sind. Erinnert man sich dann, daß in Hamburg kein Jude Advokat werden kann, so fühlt man sich versucht, anzunehmen, daß der Senat zu Hamburg nur aus reiner väterlicher Fürsorge für die Juden, sie nicht advociren laßt, damit man letzteren aus dem Zustande der hamburgischen Advokatur nicht etwa, wie man gewohnt ist, Vorwürfe zu drehen vermöge. Denn dieser Zustand der juristischen Praxis, wie er von Santo Domingo mit Thatsachen belegt wird, ist so erschrecklich, so demoratisirt, daß die Judenfeinde ohnfehlbar, und wenn nur ein Jude Advokat wäre, sagen würden, das kommt von den Juden! Merkt es Euch aber wohl, es sind keine Juden unter diesen Advokaten — und das gereicht ihnen zur Ehre! Denn so hat neutichst ein „alter Physikus" (wahrscheinlich ein „altersschwacher^) geschrieben, der ärztliche Stand wäre nur darum in Preußen herunter, weil Juden Aerzte würden — ein Gegenstand, der nächster Tage in diesen Blättern von sachkundiger Hand näher beleuchtet werden wird — und doch können wir fast wöchentlich von jüdischen Aerjten berichten, die die öffentlichen Preise rc. gewonnen. Welch ein Glück, daß weder Paracelsus, noch Brown, noch Hahnemann — Juden waren. — Doch um zu unserm Domingo zurück zu kommen. Es ist wol zu bemerken, daß, wenn man lange genug mit systematischen Teufeln und mit teuflischen Systemen sich herumgequält, die aus grundlosen Prämissen Dir Dein ganzes bürgerliches Glück vor der Nase wegdemonstriren, und dir haarklein beweisen, daß du ganz eigentlich im Schmutze der gesellschaftlichen Knechtschaft Zeitlebens herumwaten mußt, und dabei noch den Herren zu danken hast, daß auch dieses dir noch gestattet wird: der gesunde praktische Menschenverstand mit einem derben Faustschlag alle diese Kartenhäuser zerschlagt, indem er sich rein an den Menschen hält, und das argu. mentum ad hominem allein geltend macht. Dies thut der wackere Santo Domingo, und er wird diese jüdische Eensur recht gern annehmen! Unlängst las man in diesen Blättern folgenden Stteckvers: Als in meiner Behausung ich freundlich mit Dir verkehrte, Schwurst Du beim Glase Wein für die Emancipation. Lraun, es war bacchischer Dunst, denn als Du nüchtern geworden, Schwurst Du auf offenem Markt gegen Emancipation. Nichts vermag den redlichen, offenen Mann mehr zu empören, als wenn nach jahrelangem Umgang, bei stets innigsten und herzlichsten Aeußerungen durch Wort unb That für Humanität und Liebe, hinterrücks und heimlich, allem diesem zum Hohne, eine ganz entgegengesetzte Meinung kund gethan wird. Dem, der sich offen gegenüber stellt, weiß man entgegen zu treten, seine Gründe zu entwaffnen, seine Ansichten zu bekämpfen, und mag dies siegreich oder nicht geschehen — man weiß, woran man ist. Wenn aber der Lichtscheue sich in das mysteriöse Gewand der Heimlichkeit schlägt, und die Lüge zu Gevatter bittet, ohne dabei in seinen individuellen Beziehungen nachzutassen, so bringt dies i neben dem Gefühle der Verachtung noch die bittere Empfin- 1 düng der Täuschung herbei — hintergangen zu sein, thut gar zu weh. — In dem baierschen Kreise Gunzenhausen und Kronheim lebt eine Anzahl recht tüchtiger jüdischer Schullehrer, die, trotz beschränkten Verhältnissen nach dem Bessern und Besten zu streben, nicht müde werden, so Krämer, Schweizer u. A. Diese ließ der Kirchenrath Dr. Stephani zu einem freundlichen Umgänge zu, er besuchte ihre Schulen, unterstützte sie mit Rathschtägen, spru-