Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 94 (7.8.1838)
- Date
- 1838-08-07
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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h. 3°h-s->>g. Allgemeine R». »4. Zeitung des Iudent-ums. Ein uupartheiisches Organ für alles jüdische Interesse. (2H!t Königl. Sächsischer allergnadigster Concession.) Leipzig, den 7. August 1838. Zeitungsnachrichten. Würz bürg, 19. Juli (Privatmitth.). Das Jntelligenzblatt vom 2. Juni enthalt ein Ausschreiben des königl. Landgerichtes Hosheim, nach welchem das Rabbinat Burgpreppach besetzt werden soll, und fordert die um diese Stelle sich bewerbenden Kandidaten auf, sich daselbst zu melden und die nöthigen Zeugnisse vorzulegen. So erfreulich dieser erste. Schritt ist, und so sehr er der Hoffnung Raum giebt, daß nun auch die übrigen Distrikte werden bedacht werden, so sehr ist doch die Bildung dieses Distrikts auffällig, da er vier Landgerichte umfaßt, und 500 Familien stark ist, die in zwanzig auseinanderliegenden Ortschaften vertheilt sind. Was vermag da ein Rabbine zu wirken? wie oft kann er da in einer Gemeinde predigen? noch dazu, da hierdurch die Kosten nur vergrößert werden. — An Bewerbern fehlt es nicht, man spricht von vier Kandidaten. Möchten diese doch immer die rechten Mittel ergreifen, sich zu empfehlen, damit das Amt nicht an seiner Würde verliere. —. Das Jntelligenzbl. vom 3. Juli bringt amtlich und lobend zur Kenntnißnahme, daß ein zu Altenschönbach im vor. Jahre verst. Israelit Singer testamentarisch 25 Fl. zur Vertheilung an christliche Arme, 500 Fl. für Unterricht armer jüd. Kinder, und 2400 Fl. zum Bau einer Synagoge alldort vermacht habe. —. Zu Unsleben hat in diesen Tagen der Bau eines neuen Schulhauses für die israel. Gemeinde begonnen. Die königl. Regierung hat 200 Fl. aus der Kreis-Schuldotationskaffe dazu angewiesen, allein die Ausgabe ist für die Gemeinde noch groß genug, um zu wünschen, daß Menschenfreunde einige Unterstützungen zufließen lassen. Aus Holland, 11. Juli. Die Bevölkerung Nord- Niederlands betrug am 1. Jan. 1837 unter 2,557,522 Seelen: 47,323 Juden, worunter ungefähr 3650 portugiesische, 1,518,700 Neformirte, 877,674 Katholiken, 55,400 Lutheraner, 32,700 Mennoniten. (So daß also auf 100 Menschen nicht ganz 2 Israeliten, etwas über 59 Resormirte, etwas über 34 Katholiken, etwas über 2 Lutheraner, und etwas über 1 Mennonit kommen) Anfangs des vorigen Jahrhunderts zahlte Nord-Niedertand 2,162,000 Seelen, worunter: 1,500,000 Resormirte, 330,000 Katholiken, 160,000 Mennoniten, 80,000 Lutheraner, 60,000 Remonstrantcn, 25,000 Israeliten K., so daß wahrend die ganze Bevölkerung in einem Jahrhundert um 400,000 Seelen, also um ein Fünftel, zugenommen, die Reformirten nur um 18,000, die Katholiken beinahe um das Dreifache, und die Israeliten fast um das Doppelte gewachsen, dagegen die Lutheraner 25,000 verloren haben, also ein Drittel, die Mennoniten auf ein Fünftel ihrer frühern Anzahl reducirt sind, die Remonstranten (jetzt 5000) sich fast ganz aufgelöst haben. Turin, 15. Juli. Unter den 120,108 Einwohnern die Turin gegenwärtig zahlt, befinden sich 1514 Israeliten. Brüssel, 16. Juli (Privatmitth.). Obschon Herr Dr. Carmoly nicht mehr dem geistlichen Stande zugehört, ist er dennoch thatigst mit historischen und literarischen Studien aus dem Gebiete des Judenthums beschäftigt. In diesem Jahre erschien von ihm ein sehr interessantes Werk: Mille et un Contes, reeits chaldciens, in dessen erstem Bändchen ungefähr 50 Parabeln u:.d Erzählungen aus dem Talmud und den Midraschim in sehr zierlichem Gewände und dem Texte angemessenen Style vorgetragen sind. Sehr interessante Aufsatze hat derselbe auch in dem hier erscheinenden l’Artiste über Fragmente, aus der Geschichte der Juden im Mittelalter, mitgerheilt. —. Nun ist auch ein Jude Ritter des Leopoldsordens geworden, nämlich ein Herr L. Richtend erg er. Ich muß jedoch bemerken, daß es überhaupt Fremden leichter ist, diesen Orden zu erhalten, als Einheimischen, da laut den Statuten der Orden keinem Belgier ertheilt werden darf, ohne daß dabei öffentlich angezeigt werde, durch welche besondere Thaten und Verdienste in Civil oder Militair er diese Distinction verdient habe, was bei Fremden nicht erfordert wird. —. Es soll hier bald in französischer Sprache eine Geschichte der Juden in Polen seit der frühesten Zeit, erscheinen. Der Verfasser, ein Jude, I)r. ßu bl in er, war ehemals Offizier in der polnischen Armee während der Revolution von 1831, und seitdem nebst Anderen hierher geflüchtet, wo er als Advokat ausgenommen, und in den besten Hausern sehr wohl angesehen ist. Prag, 23. Juli (Privatmitth.). Wie bereitwillig der Jude von jedem Ereignisse, es sei erfreulich oder betrübend, Veranlassung zu gemeinnützigem Streben nimmt, davon möge nachstehende Mittheilung neuerlichst einen kleinen Beweis liefern, in der zugleich dem Andenken eines edlen, hoffnungsvollen Jüngling ein bescheidnes Denkmal gesetzt werde. Am 19. Januar d. I. starb hier Joseph Winternitz, ein in jeder Beziehung achtungswerther Jüngling, im 23sten Jahre seines Lebens, im letzten seines medicinischen Studiums. Der Leichenzug, dem sich nicht nur ein großer Theil