Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1870)
- Date
- 1870-12-27
- Page
- Seite 1024 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1024 schule wurde reorganifirt und wirkt an derselben Herr Weiß, ein vorzüglicher Pädagog des Vaterlands. Oberlehrer I. Rosenmeyer. Rußland. Lowno, 7. Dec. sPrivatmitth.) Die in der 45. dkummer Ihres geschätzten BlatteS angeführte Korrespondenz ' auS Rußland, besonders aber der Ansang dazu hat hier in einem gewissen Streife große Sensation erregt. *) Die sonderbare Behauptung, daß der Grund der Sympathien der hiesigen Juden für die Franzosen darin liege, daß sie, ebenso wie die Polen, durch das siegreiche Frankreich von der Herrschaft Rußlands sich ftei zu machen hoffen <?>, haben Sie zwar selbst widerlegt, indem Sie mit vollem Rechte auf die Umerthanentreue der hiesigen Juden hinwiesen. Hingegen aber wälzen Sie auf dieselben eine andere, nicht minder schwere Schuld, nämlich,-^daß sie nur wenig Hebe fürihre deutschen Glaubensgenossen und geringe Dankbarkeit für die ihnen auS'Deutschland während der letzten Jahre zugeflossenen Dohlrhaten empfinden. — Gestatten Sie daher, -geehrtesier Herr Toctor, zu bemerken', daß die allerdings große Sympathie für Frankreich, welche die hiesigen Juden an den Tag legen, durchaus kein Beweis der Undankbarkeit, sondern viel eher vom Gegentheil ist, denn es ist eben die Dankbarkeit gegen die Franzosen dafür, daß sie zuerst und mit. vollem Herzen die Emancipatiou der Juden proclamirren und '»bei all dem häufigen Wechsel der Regierungsform standhaft anftecht erhielten.. Eben so ist eS die Liebe und die Dankbarkeit für unsere deutschen Glaubensgenossen^, welche Biele von uns mit Gram erfüllt gegen jene Schichten des deutschen Lottes, welche 'sie mehr als eia halbes Jahrhundert auf die, durch * die Verfassung garamirtr Gleichberechtigung vergebens warten lassen. — Die hiesigen Juden haben noch lange nicht die politische Reift der ausländischen erlangt, und doch erfreuen wir unS bereits sehr vieler Rechte und Begünstigungen, um welche unS die ausländischen' be- . neide» können, .und dies wurde uns nie versprochen, Loudera ist die Folge der Humanität und der Munif ficenz unser» hochherzigen Monarchen: Freilich haben V. betr. Corresp. war,'wie dort angegeben ist, der—^Ostsee-Zeitung" entnommen.' G. übrigens die beiden de-fallfigen Lorrrfp. in dtr. 48. - Redact. wir auch hier noch manche Unbill ya erdulden und zwar — wie Sie eS richtig bemerkten — von t*n untern Beamten, allein dieses geschieht selten aus Bosheit und Engherzigkeit, sondern vielmehr aus Ignoranz und llnkcnntniß, da die meisten hiesigen Juden nicht einmal die Landessprache verstehen und viele Beamte aus Gegenden Herkommen, wo sie selten oder nie Juden sahen und dieselben bloS aus den Erzählungen ihrer Ammen und Wärterinnen als Scbreckbilder kennen. Ganz etwas andres ist es aber mir den Deutschen und den deutschen Juden. Und wenn Sie uns sagen ^,was kümmert es aber Euch? wenn wir selbst, trotz allem dem, mit Veib und Seele an unserem Larerlande hängen", daraus antworten wir V? -r-.-s zzr, -rz'zz bnz rvizz *T!2D und diese euere unschuldig verletzte Ehre ist es, welche gegen den Himmel schreit und auch hier die Gemüther aufrcgt. Außerdem sind noch zwei Momente hervorzuheben. 1. Dir Juden, welche durch eine ganze Reihe von Jahrhunderten die Bedrängten und die Unterdrückten waren - und - zum Theil noch sind, wenden unsere Sympathien immer denjenigen zu, welche sich in einer ähnlichen unglücklichen r.'age befinden: ist doch dieses so gm wie ein Gebot für uns, denn cn~r: s~-t -txn rs cransn. 2. betrachten Biele von uns ' und Schreiber dieses ganz besondersjeden Krieg, welcher -nicht von der wirkliche n augenblicklichen Sclbstvertheidigunz geboten wird, als eine große Versündigung gegen die Menschheit und die Religion, und selbst in-der Behauptung, daß man hier und da zum Stampft gezwungen ist, um die Grenzen und den zukünftigen Frieden zu sichern, sehen wir» oft nur eitel Phrasen und diplomatischen Schwindel, ja, es kömmt uus bisweilen vor wie die Amputariou eines wichtigen gesunden Gliedes, um den Körper vor einer etwajgen Verwundung zu schützen'—hat es doch auch übrigens nie an schönen Redensarten und an Stoff zur.Bemämelung gewiffer Absichten gefehlt, so daß trotz aller Bildung und Zivilisation die Blüthe der.-Rationen -nach wie vor zu Treibjagden auf chre Nächsten abgerichtet und wie wilde Stiere oft gegeneinander gehetzt werden. Das rorhe Läppchen dazu ist immer bei der'Hand, hat auch immer dieselbe Farbe — dje Blutfarbe — nur ist dffsen Form verschi^eu, einst war sie eine religiöse, jetzt ist sie eine diplomatische. Die-Rrsultate sind ziemlich dieselben und die große Masse schwärmt auf Verlangen für Alle«-in gleiche». Grade, denn sie war und bleibt immer eine Millionen^