Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1870)
- Date
- 1870-12-27
- Page
- Seite 1022 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1022 .hinaus unter den beengenden Verhältnissen einer kleinen Gemeinde treu und gewissenhaft auSgehalten haben. Seine zahlreichen Freunde, Amtsgenossen, Schüler und Schülerinnen machen mir im Voraus auf diesen Tag. aufmerksam, damit sie Gelegenheit haben, dem würdigen Greise zu dem Tage, den Gott ihn froh erleben lassen möge, ihre Glückwünsche darzubringen! Tann mag er ttotz seiner körperlichen Augenleiden ausrufen: „Zur Abendzeit wird eS Licht werden!" ' Au- Westphalen, im Dec./lPrivatmitth.» Tie Einberufung zu den Waffen hat mancher Gemeinde in Westphalen Störung in schul« .'und Synagogenleitung und in einzelnen Fällen von der Armee zurückke^rende Lehrer in einen Kampf mit der Gemeinde gebracht. ES handelt sich nämlich um die Frage, ob dem einberufenen Lehrer das Salair. für die Zeit seiner Abwesenheit gezahlt werden soll. Dieser Fall wird demnächst durch gerichtliche Entscheidung festgesiellt werden. Tie« jenigen, welche sich durch praktische Beispiele zur Nachachtung wollen belehren laffen, mögen sich aus folgendem das Eine oder Andere zum Dkuster nehmen. Dem Lehrer L. zu R., Regierungsbezirk Münster, weigerte im Jahre 1866 die Gemeinde das Salair für 'die zwei Monate, die er im Militairrocke als Pertheidiger deS Vaterlandes gestanden. ES galt viele Verdrießlichkeiten in R. nach dem preußisch - östteichiscben FriedenSschluffe, und erst da. als der Lehrer mit der Kündigung ernstlich verging, bequemte sieb die Gemeinde zur Zahlung. — Herr Lehrer Bilstein ist vor einigen Wochen vom Kriegsschauplätze in seine Gemeinde Alsen wieder zurückgekehrt, die Gemeinde macht ihm für di» Zeit seiner Abwesenheit den ihm empfindlichen Abzug am Gehalt. Da alle Vorstellungen fruchtlos, hat Herr Bilstein den Weg deS Rechts betreten. Anders die Gemeinde Rheda. Als deren Lehrer Steinweg im Jahre 1866'den Militairrock mit dem Schulrocke wieder vertauschen konnte, überraschte ihn seine Gemeinde nicht mit Liner Kürzung des SalairS, wohl aber mit einer Ehrengabe von 25 Thalern. Als der Lehrer Lei der jetzigen Affaire wieder.einberufen und später entlasten würde, glaubte die Gemeinde wiederum ihn für die ausgestandenen Strapazen mit einer Entschädigung erfreuen zu muffen. Der Vorstand und die Repräsentanten der Gemeinde» Bielefeld Hjdben nach einstimmigem Beschlüsse ihrem wackeren Lehrer Blumenau eine GehaltHulaae!von 106 Thlr. jährlich bewilligt — ein, beide Theile ehrendes Factum. — Desgleichen hat die Gemeinde Gütersloh ihrem Lehrer Rüben ohne besten Anttaz eine Gehaltszulage von 3» Thlr. jährlich zuerkännt.'— In Celle hat der Vorsteher W. eine Kündigung des Lehrers H. zu Wege bringen wollen, bloS weil Herr W. für seinen eigenen 'Kopf eine aparte Eonffrmation seines Sohnes gegen den dortigen Gebrauch einer gemeinschaftlichen Confirmation wünschte. TaS gab Reibereien, wodurch die Gemeinde erst ihren Lehrer hat schätzen lernen und ihn trotz Vorsteher nicht wollte gehen lassen. Oesterrcichischungarische Monarchie. Prag, Dritte December. (Privanninh.) Jedem nur halbwegs aufmerksamen Beobachter unseres Ge meindelebenS kann es nicht entgehn, daß es seil einiger Zeit in einer Aenverung und Wandlung, und zwar, wie wir das mit Bergungen constatiren. zum Bessern begriffen ist. Aus allen Gebieten desselben zeigt sich Leben und Bewegung und bekundet sich eine Rührigkeit nttd Regsamkeit, wie dies schon seit vielen Jahren nicht der Fall war; und fast gewinnt es den Anschein, alS ob unsere Gemeinde aus der langjährigen Letar gie sich endlich einmal aufraffen, die Bande des Indifferentismus. welcher bisher jeden geistigen Auf- .schwung in ihr niedergehalten, für immer abftreifen und zu einem neuen, thatkräftigen, für sich und für das Judenthum im Allgemeinen ersprießlichen Leben erwachen wollte. Schon die Repräsentanz har in der Angelegenheit der Josephstädter Schule, worüber in diesem Blatte bereits berichtet worden, bewiesen, daß sie. wenn es noch thnt, für die Jnteresten der Gemeinde einzustehen weiß, indem sie das Attentat des czechischen Magistrats auf die älteste öffentliche israel. Schüfe gründlich abgewehrt. Hoffentlich wird es die Repräsentanz bei der bloßen Abwehr nicht bewenden laffen. sondern, soviel dies in chrer Macht liegt, die Schule zu 'heben trachten, damit sie nach alle» Richtungen hin den Anforderungen der Zeit genüge; denn nur dann ist ihr ^ortbeüchnd wirklich gesichert nnd war eS ein Verdienst und von Nutzen sich für chre Erhaltung bemüht zu haben. Vorzüglich aber war es der Verein Aphike-Jehudä, der Sinn und Interestauch für andere als materielle.Dinge in der Gemeinde wieder geweckt. und hat dadurck unsere Hoffnungen und Erwartungen, welche wir zur Zeit seiner Grün«