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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-27 · Heft 52 (27.12.1870) · p. Seite 1020

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 52 (27.12.1870)
Date
1870-12-27
Page
Seite 1020 (sequence 8)
Language
German
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1020 verfolgte, der uns Juden in neuerer Zeit wieder zu Gute kam. Ueber jene erste Zeit des bei christlichen Gelehrten erwachenden Studiums des Hebräischen giebt die vorliegende Schrift einen geschichtlichen Bericht, nämlich über die Vorgänger Reuchlins, diesen selbst, Johannes Böschenstein und Matthäus Adrianus, Sebastian Münster und Paul Fagius, über das Studium des Hebräischen an den Universitäten und an den Schulen. Der Verfaffer hat mit großem Fleiße und vieler Umsicht gearbeitet und dieumfaffende einschlägige Literatur gewiffenhaft durchforscht. Wer da weiß, wie die einzelnen Notizen oft aus sehr entlegenen Orten geholt werden muffen, wird dies gern anerkennen. — Wenn wir eine Bemerkung an diesem Orte machen wollen, so betrifft dies mehr die Form als den Inhalt, indem wir wünschen, daß der zu vielen Hoffnungen berechtigende jugendliche Verfaffer eine größere Aufmerksamkeit auf die Sprache verwenden, und nach mehr Correctheit und Gedrängtheit des Ausdruckes streben möge. Wir verallgemeinern diese Bemerkuung, da wir zu unsrem Leidwesen seit einem Jahrzehent beobachtet haben, daß viele jüdische Autoren sich viel zu wenig der Pflege der deutschen Sprache befleißigen, daß viele von ihnen sich berechtigt glauben, gleichsam im Schlafrocke vor dem Publicum zu erscheinen, und daß hierin die jüdische Literatur sehr zurückgegangen ist. Es handelt sich aber hierbei nicht um bloße Form; denn Form und Wesen, Worte und Gedanken stehen in lebendiger Wechselwirkung, und wo der Styl vernachlässigt wird, werden auch Logik und schärfere geistige Durchdringung des Stoffes mangelhaft. — Kurz gefaßte hebräische Grammatik für Anfänger zum Gebrauche beim Unterrichte auf Gymnasien, jüdischen Religionsschulen rc. mit Uebungen und Beispielen zum praktischen Erlernen des Hebräisch-Schreibens und zum Lesen des vocalloseu Textes von vr. Salomon Goldschmidt. Berlin, Adolf Cohn 1871. Der Titel besagt Alles, was wir in dieser Schrift (134 S. gr. 8) zu suchen haben und, sprechen wir es mit Beftiedigung aus, auch darin finden. Mit gutem Geschick ist aus dem großem grammatikalischen Stoffe alles das herausgehoben, was für Anfänger, die jedoch die hebr. Sprache nicht oberflächlich kennen lernen wollen, nothwendig nutzbringend und auf Weiteres vorbereitend ist. Das Ausgewählte ist dann klar und einfach, also leicht faßbar und doch prägnant ausgedrückt, und mit angemeffenen Uebungsstücken versehen. Wir glauben daher nicht fehl zu gehen, wenn wir diese Grammatik den Schulen^ sowie Privatlehrern für ihre Schüler empfehlen, und sie wird in den rechten Händen zu schneller Förderung der Jugend gereichen. Wir brauchen nicht zu wiederholen, daß unter den gegenwärtigen Berhältniffeu eine nur etwas dauerhafte Frucht des hebräischen Unterrichts niemals erwartet werden kann, wenn er nicht von vorn herein mit einiger grammatikalischer Unterweisung begonnen wird. Nur die Methode vermag zu ersetzen, was die geringe Unterrichtszeit und die beschrankte Uebung dürftig lassen muß, wozu kommt, daß unsre Jugend jetzt jede Sprache, auch ihre Muttersprache grammatikalisch erlernt/ und deshalb mit der hebräischen keine Ausnahme machen kann. Die hebräische Grammatik bietet aber hierfür vermöge des einfachen Sprachbaus die wenigsten Hinderniffe, und Werke wie das vorliegende befestigen um so mehr die Schwierigkesten. Aeit«»gs«achrichten. Deutschland. AuS Preußen, 14. Dec. (Privatmstth.) Die in Nr. 48 in dem Artikel „Von der Weichsel" gegen die beiden hebräischen Zeitschriften „Hamaggid" und Libanon" erhobenen Anschuldigungen müssen als unberechtigt zurückgewiesen werden, und gerade darum, um derartige Entschuldigungen und Erklärungen zu beseitigen, war es angemessen, Ihrem Correspondenten „Bon der Weichsel" die Auslassung zu gestatten. So diel geht aus allen über .den fraglichen Gegenstand gewechselten Artsteln hervor, daß eine antideMsche Gesinnung in der Masse unserer polnischen Glaubensgenossen als wirklich vorhanden zugestanden wird. Dies thut uns nun sehr leid, nicht um der deutschen Jntereffen willen, die schwerlich dadurch gefährdet sind, als wegen der polnisch-jüdischen Masse selbst, deren Materielles Wohl in vielen Beziehungen von den deutschen Nachbarn abhangt, und deren geistiger Fortschritt, ein so unentbehrliches Bedürfniß für sie, durch eine feindselige Gesinnung gegen Deutschland sehr gehemmt wird. Wer da. glaubt, daß die Masse der Juden in jenen Gegenden ihre geistige Entwickelung ganz allein aus sich und dem bei ihr vorhandenen Stoffe ziehen könne oder, ihre Blldung von der Russificirung erwarten solle, mit dem haben wir nichts zu verhandeln. Wo aber die Ueberzeugung vorhanden, daß jene zw

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