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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-27 · Heft 52 (27.12.1870) · p. Seite 1019

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 52 (27.12.1870)
Date
1870-12-27
Page
Seite 1019 (sequence 7)
Language
German
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1019 bestimmt wird. Ja, man kann sagen, daß der, welcher gerecht gewesen und in Schuld versinkt, nur um so schuldiger ist, wahrend der, welcher lange Zeit gesündigt und sich aus der Sündhaftigkeit gelautert erhebt, nur um so höher zu erachten ist. Wie dem auch sei, die Lehre Ezechiels, der ja auch auf dem ceremoniellen Gebiete reformistisch vorging «Capp. 40—4S), stellte eine bereits vorhandene Anschauung in das hellste Licht, und mußte eine Verbreitung finden, welche zu neuen Fragen und neuer Behandlung führte, der wir bei den Hagiographen (o-airo) begegnen und sie daselbst ausführlich besprechen werden. (Fortsetzung folgt.) Literarischer Wochenbericht. Wien, 16. Dec. «Notiz). Mein geehrter Freund, Herr Ministerialrath Jos. Jiricek, hatte die Güte mir brieflich einige kritische Bemerkungen zur dritten Auflage meiner Geschichte Israels für die israelitische Jugend, welche jüngst bei Braumüller erschienen ist, mitzutheilen. Ich hebe aus denselben eine hervor, die mir wichtig erscheint. Er bemerkt nämlich zu S. 271: „Das Statut Friedrich des Streitbaren vom Jahre 1244 ist von Ottokar II. im Jahre 1254 in Böhmen und Mahren eingeführt worden. Diese Statuta ^uckaeorum sind das erste Gesetz, welches Oesterreich (im altern Sinne), Ungarn und Böhmen gemeinsam hatten." Eine Thatsache, die gewiß der Beachtung werth ist. G. Wolf. Pest, 15. Dec. In Kurzem erscheint ein hinterlassenes Werk des sel. Dr. A. Meisel, nämlich eine metrische Uebersetzung des -,ni2 -pN „der Prüfstein", des bekannten Sittenspiegels des Kalonymos, herausgegeben und mit einer Einleitung versehen von Dr. M. Kayserling. Der verstorbene Meisel hat seinUebersetzungstalent in metrischer Form durch das in zwei Auflagen erschienene: „Der Prinz und der Derwisch" erwiesen und mtt Vorliebe die metrische Uebertragung des obgedachten Werkes verfaßt und kurz vor seinem Tode vollendet. Sie wird daher als eine willkommene Gabe ausgenommen werden. — Vom Januar an haben die beiden Prediger der hiesigen Gemeinde, die Herren DO. M. Kupferling und S. Kohn, die Redaction des seit sieben Jahren bestehenden „Izraelita Küzlöny" (halb in deutscher, halb in ungarischer Sprache» übernommen und laffen ihn unter dem Titel „Ungarisch-jüdische Wochenschrift, Organ für Gemeinde, Schule und Haus", erscheinen. Ohne sich den allgemeinen jüdischen Jntereffen und Erscheinungen zu verschließen, wird diese Zeitschrift doch vorzugsweise den ungarisch-jüdischen Angelegenheiten ihre Aufmerksamkeit zuwenden, und dabei die Congreßbeschlüsse als den gegenwärtig allein legalen Boden betrachten. Hiermit wollen aber die Herren Redacteure nicht auf ein Gebiet des Streites und des Haders treten, sondern nur die Jnteresien der angestrebten Ordnung entschieden vertreten. Ob sie mit dem besten Willen bei dieser Zurückhaltung verharren und ftiedlich ihren Weg werden gehen können, muß die Zeit lehren. — Bonn, 18. Dec. „Das Studium der hebräischen Sprache in Deutschland vom Ende des XV. bis zur Mitte des XVI. Jahrhunderts von Ludwig Geiger. Breslau, Schletter. 187 0." Dee Verfasser, welcher bereits mehrfache Arbeiten über die Reuchling'sche Zeit geliefert hat, giebt hier eine sehr fchatzenswerthe Monographie. Solche Arbeiten über die Anfänge eines später großartig sich entwickelnden Studiums haben mehr noch einen culturhistorischen Werth, als sie für den materiellen Stoff der Wissenschaft Bereicherungen bringen können. Sie zeigen uns die Bewegung des Geistes, welche in dem Drange nach Ausdehnung und Vertiefung sich Pfade eröffnet und neuer Gegenstände bemächtigt auch unter den schwierigsten Umständen und oft gegen die Anschauungen der Zeit. Vom jüdischen Standpuncte hat der Gegenstand der vorliegenden Schrift das besondere Interesse, zu zeigen, wie die christlichen Gelehrten, namentlich die Humanisten, nach Wiedererweckung des classischen Latein und des Griechischen auch zum Hebräischen kamen, aber ebenso, wie sie das Griechische traditionell von Griechen, besonders von den nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken nach dem westlichen Europa geflüchteten, erlernen mußten, für das Hebräische ihre Zuflucht zu den Juden nahmen, von welchen namentlich Aerzte geeignete Mitglieder abgaben. Wir wissen, daß alsdann das Studium der hebräischen Sprache in der christlichen Welt, zwar sich immer wieder an jüdische grammatische und lejicographische Arbeiten anlehnend, einen eignen wissenschaftlichen Entwicklungsgang

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