Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1870)
- Date
- 1870-12-27
- Page
- Seite 1016 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1016 Gesuch au die verehrlichen Vorstände der jüdischen Gemeinden in Deutschland. Der Unterzeichnete erlaubt sich, die Aufmerksamkeit Eines verehrlichen Vorstandes auf die, „den jüdischen Gottesdienst im Felde" und „die jüdischen Feldgeistlichen" in Nr. 44, 45, 46 und 48 dieser Zeitung betreffende» Artikel, besonders auf den Bonn vom 30. October datirten in Nr. 45, zu lenken. Es handelt sich darum, für die Zukunft in seelsorgerischer Beziehung eine gleiche Behandlung der jüdischen Soldaten in den deutschen Heeren zu erlangen, wie sie den Soldaten katholischer und evangelischer Confessionen zukommt. Außer der principielleu Bedeutung hat dies seine volle praktische Wichtigkeit. Durch den Anwachs des preußischen Staates seit 1866 und durch die Bereinigung aller deutschen Staaten ist die Zahl der im preußischen, wie in den gesammten deutschen Heeren dem Baterlande dienenden Soldaten jüdischer Religion gewachsen und darum nicht mehr in der ftüheren Vereinzelung befindlich. Von den ca. 400,000 Juden in Deutschland stehen im Frieden ungefähr 4000 (1 pCt.), im Kriege 12,000 (3 pCt.) unter den Waffen. Einem verehrl. Borstande ist es bekannt, daß neuerdings durch Rescript gestattet worden, einige jüdische Feldgeistliche an das Heer abzusenden, jedoch mit der ausdrücklichen Bedingung, daß daraus der Staatscaffe keine Kosten erwachsen. Das ist aber gerade in dieser Angelegenheit der eigentliche Nerv. Nicht als ob bei der Opferwilligkeit der Juden trotz der großen Lasten nicht auch eine Besoldung für eine kleine Zahl jüdischer Feldgeistlichen aufzubringeu wäre. Aber einentheils ist es in zahllosen Fallen ganz unmöglich, bei dem Heere im Felde zu verweilen, wenn Verpflegung, Transport u. dgl. nicht von Staatsseiten geschieht, weil dergleichen für Geld oft an Ort und Stelle garnicht 'zu haben sind. Andrerseits kann eine Wirksamkeit dieser jüdischen Feldgeistlichen ohne eine staatliche Anordnung garnicht stattfinden, weil sonst Alles vom Belieben einzelner Militarvorgesetzten, und sehr oft auch nicht einmal von diesem, abhängen würde. Es ist demnach unsere Absicht, zur Erreichung des gedachten Zieles die möglichen Schritte zu thun. Diese können jedoch einen Erfolg nur haben, wenn wir im Stande sind, durch Angabe und Nachweis von Zahlen die Nothweudigkett und Möglichkeit der jüdischen Seelsorge von vornherein zu bezeugen. Wir ersuchen daher Einen verehrl. Vorstand im Interesse der Sache, uns baldmöglichst mitzutheilen: 1) wie viele Personen aus der Mitte Ihrer Gemeinde gegenwärtig im Heere dienen, und möglichst wie diese heißen? 2) in welchen Regimentern diese dienen? 3) wie groß die Seelenzahl Ihrer Gemeinde ist? Die zweite Frage ist wichtig, um den Nachweis zu führen, daß in manchem Regimeute oder Truppentheile die Zahl der Soldaten jüdischer Religion nicht ganz gering ist, diese also leicht zu einer gottesdienstlichen Handlung vereinigt werden können. Wir leben der Ueberzeugung, daß Ein verehrlicher Vorstand sich der betreffenden Bemühung geneigtest unterziehen, resp. eines angemessenen Organs sich dazu bedienen werde. Ohne vielseitige und genaue Erfüllung unserer Bitte könnten die nothwendigen Belege nicht beschafft werden. Dr. Ludwig Philippson emerit. Rabbiner, Redatteur der Allgemeinen Zeitung des Judenthums. Die Lehre des Zudeuthums von der göttlichen Vergeltung. ii. 2. Die Lehre -er Propheten von der Vergeltung. In keinem anderen Momente stehen die Propheten so völlig auf der mosaischen Lehre, wie in der Lehre von der Vergeltung. Man kann sagen, daß vorzugsweise ihre Mission der immer erneuere Ausspruch der Vergeltungslehre an die israelitische Nation ist. Jene Straf- und Lehrverheißungen, die Moses über die Zukunft Israels aussprach, bilden den Ausgangspunct und den Kern der prophetischen Reden und Handlungen. Die begeisterte, rhetorische und poetische Durcharbeitung desselben Gedankens und seine Vertiefung nach allen Seiten des Volksgeistes macht den bedeutendsten Inhalt der uns überlieferten prophetischen Schriften aus. Die Lehre vom einzigen, unkörperlichen Gotte, zu dessen Erkenntniß und Anbetung Israel berufen, und die sittliche