Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1870)
- Date
- 1870-12-13
- Page
- Seite 982 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Norm, 5. Dec. (Privatmitth.) Zu der Correspondenz in Nr. 48 unsrer Zeitung d. d. Bonn, d. 18. November erhalten wir aus zuverlässiger Hand folgende Ergänzung: Die städtische Schuldeputation zu Berlin nimmt eine ganz eximirte Stellung ein, weil sie nicht nur städtisches, sondern auch Staatsorgan ist und die vollständige und selbstständige Leitung und Beaufsichtigung sämmtlicher Elementarschulen (sowohl der öffentlichen, als privaten), sowie der Mittelschulen, endlich auch der höheren Schulen für Mädchen aller Confessionen (im Ganzen ungefähr 40,000 Kinder) ebenso hinsichtlich der inneren wie der äußeren Angelegenheiten ausübt. Dieselbe wählt alle Letter, Lehrer und Lehrerinnen an den obengenannten städtischen Anstalten und organisirt Letztere, während sie die bezüglichen privaten Anstalten nur überwacht. Ihrer Competenz entsprechend ist die Deputation zusammengesetzt aus 4—5 Mitgliedern, welche vom Staate ernannt werden rz. Z. die hiesigen protestantischen Superintendenten und der katholische Propst), aus 5 Mitgliedern (darunter der Vorsitzende und die beiden Schulräthe), welche vom Magistrate und aus 8 Mitgliedern, welche von der Stadtverordnetenversammlung aus ihrer Mitte, endlich aus 12 Mitgliedern, welche von der Stadtverordnetenversammlung aus der Bürgerschaft gewählt und vom Magistrate, bestätigt werden.' Unter den letztgenannten Mügliedern muß sich'auch ein jüdisches für Bearbeitung der jüdischen Schulangelegenheiten befinden. Außer diesem nothwendigerweise jüdischen Mitglieds in der Behörde, jetzt Profeffor vr. Steinthal, ist allerdings noch ein Jude Mitglied der Deputation, und zwar Herr Stadtverordneter Ludw. Löwe, welcher schon sett 6 Jahren beiden Körperschaften angehört. — Die Schuldeputation hat übrigens noch eine locale Organisation, die Schulinspectionen, unter sich, welche sich in unmittelbarem Zusammenhänge mit der Schuldeputation befinden und deshalb nur von eigenen Mttgliedern derselben besetzt werden können. Dieselben vermttteln den Berkehr zwischen der Schuldeputation und deren örtlichen Executivorganen, den Schulcommissionen. Die Stadt ist in zehn solcher Jnspectionen eingetheilt; als Jnspettor der Jnspection Nr. 1 fungirt Herr Ludw. Löwe ebenfalls. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 28. Nov. (Privatmitth.) Obschon große Fragen auf der Tagesordnung stehen, fand doch diesmal eine große Agitation*) bei Gclegenhett der Ergänzungswahlen in den Borstand der jüdischen Gemeinde statt. Wie mir mitgetheilt wurde, hat man sogar auf der Börse Candidatenlisten vertheilt. Wir begreifen diesen Ehrgeiz und wünschen nur, daß fcer Eifer, den die Herren Candidaten entwickeln, um in den Vorstand der ersten jüdischen Gemeinde des Reiches zu gelangen, nicht erkalte, wenn sie thatsächlich gewählt werden. Wien, 30. Nov. Der israelitische Mädchen-Unterstützungsverein hielt unter zahlreicher Betheiligung seiner Mitglieder und geladener Gäste am 28. d. M. seine vierte Generalversammlung im Tempelgebäude (Stadt) ab. Nachdem die Vorsitzende, Frau Diamant, die Versammlung begrüßt hatte, verlas die Cassierin Frau Benedict den Caffenbericht; sodann gab die Berichterstatterin Frau Markus den Bericht über die intellectuelle Wirksamkett des Vereines. Wir entnehmen dem Ganzen, daß der Verein gegenwärtig über 600 Mttglieder zählt, an ordentlichen Einnahmen 3219 fl. hat. sowie daß in diesem Jahre 13 Mädchen erwerbfahig gemacht wurden und gleichzeitig den Unterricht in der Fortbildungsschule genossen. Der . Verein faßt sein Programm in den kurzen Satz: Arbeit und Wissen in den ärmeren Claffen zu verbreiten. Prediger vr. Jellinek beglückwünschte den Verein zu seinen bisherigen Erfolgen und munterte ihn zur ferneren segensreichen Thärigkeir auf. Der Bereinslehrer Herr Heller regte die Anlegung einer Vereinsbibliothek auf Grundlage freiwilliger Bücherspenden der Mitglieder an. Diese Anregung fand beifällige Aufnahme, und spendeten sofort Herr vr. L. A. Frankl und Herr vr. I. v. Hofmannsthal je 100 Bände. Hierauf fand die Neuwahl des Vorstandes statt. Alt-Ofen, im Nov. Der in der Corresp. aus Pest in Nr. 48 erwähnte Rabbiner, welchen das Gericht zur Vornahme einer Scheidung zwingen will, erläßt in den hies. Bl. folgende Erklärung: *) Die Wiener Blätter sind voll von Reclamen und Candidatenlisten. Jndeß sind bei ca. 600 abgegebenen Stimmen durch große Majorttäten die früheren Vorsteher wieder gewählt worden. Redact.