Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1870)
- Date
- 1870-12-13
- Page
- Seite 981 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3224737-3226744-3226795--28996-3302872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
981 Lehmann gänzlich unbekannte Verbot ‘jaya Vcsn ^bn «b gar wohl kennen. Wenn nach einer theilweisen, perfiden Berichtigung in Nr. 46 Herr Lehmann versichert, schon von Mehreren Seiten erfahren zu haben, daß sich viele von der Wahrheit des in seinem Leitartikel Gesagten tief betroffen fühlen, so ist diese Voraussetzung eine dmchaus falsche, da man hier in maßgebenden Kreisen sein Blatt nicht einmal der Lectüre würdigt und seine Auslaffungen, auch wenn sie gelesen würden, nicht die geringste Beachtung fanden, weil man das nur auf Trennung und Spaltung hinausgehende Ziel seiner Bestrebungen, das er ja auch naiv genug ist in dem Rache zu veröffenttichen, daß sich hier eine orthodoxe israelitische Religionsgesellschaft bilden möchte, kennt, hier aber Gottlob sich für solche Bestrebungen gar kein Boden findet. Was übrigens von dem Gerede über den Mangel an Jntereffe für alles Jüdische inmitten unserer Gemeinde zu halten ist, geht schon daraus hervor, daß, nachdem der Dr. Wiener von mehreren hiesigen jungen Leuten ersucht worden war, ihnen im Laufe dieses Winters einen Cyclus von Borträgen über die Geschichte der Juden zu halten und seine Bereitwilligkeit hierzu erklärt hatte, diese Vorträge nicht allein von mehr als 40 jungen Leuten, die doch chre Muße sonst minder ernsten Dingen zuzuwenden pflegen, sondern auch von vielen anderen gebildeten Gemeindemitgliedern besucht werden und sich einer noch immer steigernden Theilnahme zu erfreuen haben. Man sieht hieraus, daß auch hier sich, wenn man nur die rechte Seite anzuschlagen versteht, noch hinlängliches Jntereffe für das Judenthum findet und daß unsere Gemeinde in diesem Puntte anderen Gemeinden wenigstens nicht nachsteht. Bonn, 4. Dec. Auf unsere Bitte sind uns in der SchuldepMationsangelegenheit abermals folgende Mittheilungen zugekommen: aus Bleicherode (27. November), daß der erste Vorsteher dortiger Synagogengemeinde, der Kaufmann Herr Herrmann Frühberg, seit acht Jahren Stadtverordnetenvorsteher ist und als solcher der städttschen Schuldeputation angehört, und ist hieraus noch niemals irgend welche Mißhelligkeit hervorgetreten. Ferner aus Lauenburg (in Pommern, vom 27. Nov.), daß daselbst ein Israelit als Mitglied der städttschen Schuldeputatton fungirt. Aus Tilsit (28. Nov.) schreibt man: „Ich cheile Ihnen mit, daß ich bereits 1845 als Stadtverordneter zum Mitgliede der Schuldeputation gewählt und bestättgt wurde, und als solches eine Reihe von Jahren fungirte. Meine Theilnahme an den Berathungen und Beschlüssen war eine vollständige, es war kein Gegenstand derselben entzogen, und nur meiner Discretton anheimgegeben, ob ich bei spettfisch christlich religiösen Fragen mich der Mitwirkung bei der Debatte enthalten wollte; — was denn allerdings in der Regel auch geschah. Davon, daß die hiesigen Schulen damals entchristlicht wurden — war nichts zu hören. Seitdem ist ein Vierteljahrhundett verflossen, und die Anschauungen sind in den maßgebenden Kreisen andere geworden. Wenngleich nun Vorstehendes nicht als eigentlich auf Ihre Anfrage zutreffend zu bettachten — so ist der Vorgang doch immer interessant genug, und der Erwähnung werth, um den Fortschritt zu bemeffen, der auf diesem Gebiete gemacht worden, wenn jetzt Hinderniffe erhoben werden sollten. Julius Lebegott. Aus Bielefeld (29. Nov.) giebt man uns an, daß dort der vr. med. Steinheim von der Stadtverordnetenversammlung in den Vorstand der städttschen Tochterschule gewählt worden. Aus Pleß (27. November) schreibt man: Herr W. Kohn, Vorsteher der jüd. Gemeinde, Magisttatsmitglied und bestallter Schiedsmann, ist auch als Mitglied der Schuldeputatton gewählt und von der kgl. Regierung zu Oppeln bestättgt worden. Beiläufig noch die Nachricht, daß hier eine combinirt evangelisch-jüdische Elementarschule besteht, zu deren Vorstande' zwei jüd. Mitglieder gehören. In dieser combinttten Schule haben jedock jüd. Kinder den Religionsunterricht nicht. Es besteht vielmehr eine gesonderte jüd. Religionsschule mit zwei Classen, in deren erster ich selbst den Unterricht ercheile, während in der zweiten unser Cantor Herr Löw unterrichtet, der, tüchttg musikalisch, auch den Chorgesang für den Gottesdienst einübt. Hochachtungsvollen Gruß von Simon Alexander. Wir empfangen ferner die Mittheilung aus Li s s a (29. Nov.), daß daselbst Herr Rabb. vr. Back bereits seit 3 Jahren Mitglied der städttschen Schuldeputatton ist, so daß mit chm alle vier dort bestehenden Confesfionen durch chre Geisttichen vertteten sind. 50