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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-13 · Heft 50 (13.12.1870) · p. Seite 980

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 50 (13.12.1870)
Date
1870-12-13
Page
Seite 980 (sequence 8)
Language
German
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980 zum ersten Male ein Urthcil ermöglicht war, in keiner Beziehung Etwas zu wünschen übrig lassen und über dem Niveau der gewöhnlichen Einwanderer stehen, und haben denselben ein günstiges Loos prognosticirt — gewiß die ehrenvollste Genugthuung, die dem hiesigen Hauptgrenzcomite werden konnte. Der inzwischen ausgebrochene Krieg verbot — Unterstützung von Einzelnen ausgenommen — jede größere Massensendung; und das Hauptgrenzcomite mußte sich auf die Fürsorge für die in Schulen und bei Handwerkern hier und in Memel untergebrachten Zöglinge beschränken, für deren Unterhalt glücklicherweise die Mittel vorläufig noch gesichert sind. Da die öffentlichen Verhältnisse auch die Beförderung von adoptirten Waisenkindern verboten, so bildete das hiesige Comite außerdem nur noch eine Etappencommission für die von Berlin aus in chre Heimath zurückzusendenden bereits ausgebildeten jungen Leute, welche die Erlernung von leichteren Gewerben und Handwerken, wie Destillatton, Seifensiederei, Strohflechterei, Cigarrenanfertigung bereits vollendet haben. Um so erfreulicher war es daher, daß die wiedereröffnete Schifffahrt dem Comits Gelegenheit bot, seine Hauptthättgkeit wieder aufzunehmen und durch eine größere Expeditton wieder zu inauguriren. Am 15. November sendete daffelbe circa 50 Personen in gewohnter Weise nach New-Jork ab. Es wäre zu wünschen, daß das Hauptgrenzcomite Gelegenheit gebe, durch Veröffentlichung der demselben täglich zugehenden directen Berichte der Auswanderer selbst zu constaüren, daß in der That die meisten der Letzteren bereits sichere Existenz gefunden und in zahlreichen Gesuchen um Nachsendung anderer hier zurückgebliebener Angehöriger bitten. Wenn der wiederkehrende Friede die Fortsetzung dieses Werkes in früherem Maßstabe ermöglichen sollte, dann wird man über kurz oder lang erkennen, daß die Berliner Octoberversammlung mit glücklichem Griffe und klarem Blicke die auch in diesen Blättern so warm befürwortete „Auswanderung" als erste Aufgabe aller Hülfscomitss bezeichnte. So lange das Damoklesschwert öffentlicher Rechtsunsicherheit, willkürlicher Verordnungen und böswilliger Verleumdung und Austreibung über unfern Glaubensgenossen im Osten noch schwebt — knüpft sich nur an Len Westen ihre Hoffnung, erblüht ihnen nur dort eine neue schönere Zukunft. Hannover, 21. Novemb. (Privatmitth.) Zweien hiesigen Israeliten, welche für den Versöhnungstag als Geschworene ausgeloost waren und bei dem Präsidenten des Schwurgerichts für jenen Tag um Dispensatton nachgesucht hatten, wurde dieselbe verweigert, weil nach dem Gesetze die jüdischen Feiertage nicht als solche anzusehen seien, die von der Theilnahme an den Schwurgerichtssitzungen entbinden können. Die beiden Geschwornen mußten daher erscheinen, wurden jedoch nach Erledigung der Förmlichkeiten bald wieder entlaffen und brauchten den Sitzungen nicht beizuwohnen. Am 9. d. M. starb hier Frau Henriette Deren d geb. Bondi aus Dresden, eine durch einen seltenen Wohlchättgkeitssinn und hohe Bildung hervorragende und überall geschätzte Dame, welche länger als ein Decennium hindurch als Vorsteherin des hiesigen israelittschen Frauenvereins segensreich wirkte. Auch aus Götttngen haben wir leider einen unserer Glaubensgenossen als Opfer des Krieges zu verzeichnen, indem der einjährig Freiwillige Carl Levin von dort, welcher in der Schlacht bei Mars la Tour verwundet wurde, vor Kurzem seinen Wunden erlegen ist. In Nr. 43 widmet der überall umherwühlende Mainzer „Israelit" unserer Gemeinde einen besonderen Artikel. Wir würden dieses Gewäsch sicher ganz unbeachtet gelaffen haben, wenn darin nicht eine so freche Unwahrheit sich befände, wie sie eben nur dem „Israeliten" möglich ist. Es wird in jenem Artikel nämlich behauptet, daß man in der hiesigen Religionsschule niemals über Sefer Bereschith hinausgekommen sei und daß außer dem genanMen Sefer und dem Gebetbuche noch ein hebräisches Buch existire, hätte diese hannoverschen Knaben nie, wenigstens in der Religionsschule nicht erfahren. Es fällt uns nicht ein, diese unverschämte Behauptung eingehend zu widerlegen, was wir schon durch den einfachen Hinweis darauf thun könnten, daß in der gedachten Schule sogar rabbinisch gelehrt werde, denn Mohren zu bleichen vermögen wir nicht; nur das Eine wollen wir dem wahrheitsliebenden Redacteur des Israeliten bemerken, daß die Schüler der hiesigen Religionsschule in der jüdischen Geschichte sicher gar manches hebräische Buch haben nennen hören, von welchem er selbst wahrscheinlich niemals Kunde erlangt hat, und daß sie das nicht im Sefer Bereschith vorkommende und Herrn vr.

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