Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 971 (sequence 19)
- Language
- German
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Kampfweise sehr gut verstand. Sein Plan war, die I Deutschen fortwährend zu beunruhigen und ihnen allen! möglichen Abbruch zu thun — und in der That kam | er gleich in den ersten Tagen mehreremale mit ihnen in blutige Berührung. Die Elsässer Juden lieben es, ihre Leute, die sie loden wollen, als fromm und als an den jüdischen Ceremonien treu festhaltenv darzustellen. Und so erzählen sie auch, daß Feiwisch Lion selbst in den Bogesen allen religiösen Verpflichtungen streng nachgetommen. Eines Morgens wurde er von preußischen Husaren überfallen, eben als er im Gebete begriffen war. Trotzdem er noch die Gebetriemen um Kopf und Arm geschlungen hatte, warf er sich aufs Pferd, sammelte seine Leute und stürzte sich in diesem für einen Soldaten sonderbaren Aufzuge in den Feind, den er auch in die Flucht schlug. Immer noch in den Gebetriemen und den Degen in der Hand, verfolgte er ihn bis gegen Zabern. Aber Feiwisch Lion's Wirksamkeit in den Vogesen dauerte nicht lange; da er von dem Zuge Mac Mahon's horte, schlug er sich mit seinen Leuten zu ihm durch, blieb bei der Armee und marschirte mit ihr nach Sedan. Dort blieb er gleich am ersten Schlachttage, und seinem Heldeuherzen wurden Schmach und Schmerz der Capitulation erspart. Seine Glaubevsgenoffen betrauern seinen Fall aufs tiefste, überzeugt, daß er als Parteigänger dem Feinde großen Schaden und seinem Volke viel Ruhm gebracht haben würde. ,Mer weiß," sagen sie, „ob Feiwisch Lion aus diesem Kriege nicht als Marschall hervorgegaugen wäre, ob er nicht Metz entsetzt hätte, denn er war heldenmüchig wie ein Makkabäer." So weit unser Gewährsmann, der nur noch andeutet, wie die Juden besonders in Lothringen, wenn geschickt benützt und iu ihren Freiheiten beschützt, trotz alles französischen Patriotismus ein gutes Instrument der Germanisirung abgeben könnten, da sie selbst in Metz und im fernen Hinterlaude noch Deutsch sprechen. L. M. Curiosa. Ueber Heinrich Heine, dessen Bruder Gustav Heine und Fritz Reuter bringt das Hamburger Blatt „Montags-Nachrichten" vom 17. Okt. folgende ergötzliche Stückchen: Während Heinrich Heine, der gewaltige Satiriker, längst das Zeitliche gesegnet hat, nachdem er es oft genug iu seiner unnachahmlichen geißelnden Form verdammt hatte, hat sein Bruder Gustav, Herausgeber und Redacteur des Wiener „Fremdenblatts", jetzt erst angefangen, ein Mensch zu sein: er wurde nämlich zum Baron des Kaiserstaats erhoben (?), und der selige Fürst Windischgrätz that bekanntlich den ewig denkwürdigen Ausspruch, der Mensch fange erst beim Baron an! Nun mag Se. neugebackene E;cellenz wohl an den fröhlichen Ostermorgen in Goethes „Faust" denken und cittren: Vergnügt sind Alle groß und klein. Jetzt bin ich Mensch, jetzt darf ich's sein! Bekanntlich hatte Heinrich stets großen Respect vor dem Geschäftstaleute seines Bruders Gustav, und dieser hat allerdings seit einer langen Reihe von Jahren eclatant bewiesen, daß er aus seinem Blatte etwas zu „machen" wußte, nämlich eine Art Annoncen - Moniteur, mit literarischen „Zuthaten". Es wird den meisten meiner Leser auch im Gedachtniß sein, daß Heinrich Heine eines schönen Tages seinen Bruder Gustav feierlichst bat, ihm einst einen Grabstein setzen zu lasten, und als Gustav, ihm dies versprechend, fragte, welche Grabschrift Heinrich wünsche, dieser sich folgende satirische Inschrift bestellte: „Hier ruht Heinrich Heiue, Bruder des Gustav Heme, EigenthmuerS des „Fremdenblatts", die dreigespaltene Petitzeile fünf Kreuzer". Der arme Heinrich! Er hat es trotz allem Schreiben nie so weit gebracht, wie der gute kaiserliche Bruder Gustav, und doch lesen sich seine Sachen, wie allgemein anerkannt, viel besser, als die Gustavschen! Anläßlich seiner jüngsten Auszeichnung gab Gustav den Mitgliedern seiner Redaction ein Souper, bei welchem er unter Anderm sagte: „Mißgunst und Neid schieben zwar meinen Handlungen andere Absichten unter, jedoch ich sehe darüber weg und laste mich nicht irre machen. Es wäre ja geradezu ein Frevel von mir, wenn ich das feierlich verkündigte Wort meines Kaisers, daß Allerhochstderselbe den Boden der Verfassung nicht verlassen werde, bezweifeln wollte igle!)- Es wäre Unrecht von mir, wenn ich einer Regierung, die ebenfalls bis heute keineLinie vou der Bahn des Rechtes und der Verfassungs- Mäßigkeit abgewichen ist (?!!), Schwierigkeiten bereiten würde. Nein, das werde ich mir nie zu Schulden kommen lassen.—" Ist das nicht ein erhabenes politisches Glaubensbekenntniß des Bruders Heinrich Heine's, und sollte man denselben nicht hierauf sofort zum österreichischen Grafen avanciren lasten? Die „Flensburger Norddeutsche Zeitung" hat nach Empfang der vorigen Nummer dieses Blattes einen offenen Brief an Fritz Reuter erlasten, worin dieser in mehr als einer Beziehung originelle Schriftsteller in besten eigenem Jntereste und im Interesse der deutschen Schriftstellerwelt aufgefordert wird, die Imputation, daß er Heinrich Heine wegen seiner Verherrlichung des ersten Napoleon (unter deffen glänzender Epoche er ja ausgewachsen war) einen „elenden Judenbengel" genannt habe, von sich abzuwalzen. Das wird Reuter mit gutem Gewissen nicht thun können, ebenso wie er andererseits diesen peinlichen Flecken nickt mit gutem Gewissen auf sich sitzen lasten kann. Inzwischen dürfte wohl der in seinem Freiherrntitel glücklich gewordene Gustav Heine sich veranlaßt sehen, an Fritz Reuter einen offenen Brief etwa folgenden Inhalts zu schreiben: „Verehrter Herr „Ut mine Stromtid", und „Ut mine Franzosentid", und von „Hanne Nütes" Gnaden, Mann der „Ollen Kamellen"! Sie haben meinen verstorbenen Bruder Heinrich einen „elenden Judenbengel" genannt. Ich bemerke Ihnen,