Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 970 (sequence 18)
- Language
- German
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970 gern erhalten wurden. I Taufe, komme im Elsaß selten vor, und daS sei ein Haupt- S ReichlhumeS, warenI beweis, daß man in Frankreich freier sei. Stünden, d Ehrenstellen in der I meinte er, die Elsaß-Lothringer Juden auf dem hohen »altung ohne Hinderniß I Standpunkte der Bildung deutscher Juden, die ganze ihre Glaubensgenossen I Welt stünde ihnen offen ohne die Taufe. Trotzdm» sie s, als Richter rc., be- I an Bildung wie an Zahl tief hinter den deutschen -Juden in der Armee thätig. I zurückstehen, so habe es doch eine verhAtnißmäßig weit nvereu kirchlich gestnn- I größere Anzahl uugetaufter Juden in Frankreich zu hohen neben könnte, und sie I und geachteten Stellungen, zu bedeutenden Namen gebracht, deutschen Juden durch I wie die Herren Goudchau, Crsmieux, Frank, Cerf-Beer, :r Verbindung stehen, I Javal, Leon Gozlan, Halevy rc. beweisen; ja selbst Grundgesetze und Ber- I deutsche Juden, wie z. B. Herr Munck, hätten sich in;ung der Confessionen I Frankreich, obwohl Fremde, Stellungen errungen, zu dewas ein Ministerium I neu sie in ihrer Heimat nie gekommen waren. DaS ten hat. *) Daran ist I seinerzeit vielbesprochene Treiben deS Herrn Abbe Ratisreußischen Freimaurerei I boune, das mit so großer Geschicklichkeit in Scene gesetzt \ steht und die sie sehr I worden, sei trotz aller Borthelle, die ein Anschluß an sie >en Maurer sind. Auch I und ihre Sette gebracht hätte, im Elsaß spurlos vorüberi die protestantische In- I gegangen, und die Abbes Bauer und Hermann, die ihre , nachdem sie in dieser I Lorbeern nicht schlafen ließen, seien deutsche Juden. Bee Erfahrungen gemacht, I weis genug, daß die französischen Inden, obwol weniger «stauten find, da sich I gebildet als die deutschen, mehr Raum zu einer würdigen evffer und abweisender I Existenz besäßen und solcher verwersiicher Mittel, um sich Kll einem Worte: die I eine Stellung zu machen und Einfluß zu gewinnen, nicht n sehen der Annexion I bedürfen. Der Grund davon liege in den freihelllicheu :n und Beben entgegen. I Traditionen und dem Gleichheitsgefühl, auf welche beide aus verschiedenen Ge- I man leider unter deutscher Herrschaft nicht hoffen könne, an Vorsteher, Rabbiner I Der Patriotismus der Juden und ihre Theilnahme nd Klagen und besorgte I am Kriege, die sie selbst vielleicht am meisten überrascht, an von der Zukunft zu I haben übrigens schon ihre sageublldeude Kraft bewährt, zu ergreifen seien, um I Man erzählt mir viele sonderbare Geschichten von jüdi- :n liebeln vorzubeugen? I scheu Mobilen und Freischützen, die ich übergehe, obwohl uer definitiven Annexion I sie manches Charakteristische enthalten mögen, um nur rrker Exodus der Juden I die curiose Geschichte von Feiwisch Lion kurz zu erwähnen, innere Frankreich statt- I Gleich nach der Schlacht bei Wörth holte Feiwifch (d. i. md gewerblicher Thätig- I Phöbus) Lion seine alte Lieutenants-Uniform hervor, :s umsomehr, als gewiß I um sich wieder zum Soldaten zu machen. Er hatte in gerweise meist Protestan- I Afrika gedient und es von der Pike auf zum Lieutenant > Mühlhausen und Um-I gebracht. Krankheit nnd die Sehnsucht nach der Heimat wie große Verluste auch I bewogen ihn, zu quittiren, und da er für den Handel großer industrieller An- I verdorben war und in seiner Jugend als Bachur und luch dieses ist — neben- I Rabbinats-Candidat etwas gelernt hatte. ließ er sich in scheinung, daß trotz aller I einer kleinen Gemeinde bei Hagenau als Lehrer einer » die Geistlichkeit gegen I hebräischen Knabenschule und als eine Art kleinen Gesäß, die doch mit Deutsch- I meiude-Rabbiuers nieder. In dieser Stellung wirkte er nmenhängen, fanatischer I seit vielen Jahren, als ihn, wie gesagt, die erste Niedert Katholiken. I läge der französischen Armee, die er nicht verwinden caßburg. der Deutschland I konnte, seinem friedlichen Berufe wieder entriß. Er war Anverwandte hat, aut- I damals tief in den Fünfzigern, wenn.nicht darüber hinaus, orgniffe zerstreuen wollte I Er steckte sich also in seine alte Uniform, sammelte an •x uns auch nicht so arg I 150 bis 200 bei Wörth zersprengte Soldaten und warf eutschland im öffentlichen I sich sofort in die Vogesen. Unter denen, die den Guerillafast durchgängig getaufte I krieg begannen, war er einer der Ersten. Zu den Solrerflichen Mittel, es zu I daten kamen bald mehrere Franttireurs — und so be- Frankreich nichts wiffen; I fehligte er Turcos, Zuaven, andere Liniensoldaten und Ehrgeiz, überhaupt die I Freischützen. Bei den Turcos stand er sogleich in großem I Ansehen, da er sehr gut Arabisch sprach, aus alter Zell «-«-rückd-r £ -w-m I-Hr M-r-i-t m »Mlm sehr D. Red. > fteundschaftlichem Verhältnisse stand und dre afrikamsche heit mll ihren christlichen Mitbürgern erhalten wurden. I Taufe, komme im Elsaß selten vor, und daS sei ein Haupt- Abgesehen von der Zunahme ihres ReichlhumeS, warenI beweis, daß man in Frankreich freier sei. SEnden, ihnen auch alle einträglichen und Ehrenstellen in der I meinte er, die Elsaß-Lothringer Juden auf dem hohen Armee, der Registratur und Verwaltung ohne Hinderniß I Standpunkte der Bildung deutscher Juden, die ganze zugänglich, und mll Stolz sahen sie ihre Glaubensgenoffen I Welt stünde ihnen offen ohne die Taufe. Trotzdm» sie als hohe Officiere, als Procureurs, als Richter rc., be- I an Bildung wie an Zahl tief hinter den deutschen Juden sonders als höchstgestellte Aerzte in der Armee thätig. I zurückstehen, so habe es doch eine verhAtnißmäßig well Sie ahnen, daß es ihnen unter anderen kirchlich gesinn- I größere Anzahl ungetanster Juden in Frankreich zu hohen ten Herrschern nicht so wohl werden könnte, und sie I und geachteten Stellungen, zu bedeutenden Namen gebracht, wiffen sehr wohl, da sie mll den deutschen Juden durch I wie die Herren Goudchau, Crsmieux, Frank, Cerf-Beer, Handel und Heirat in beständiger Verbindung stehen, I Javal, Leon Gozlan, Halovh rc. beweisen; ja selbst daß es in Preußen trotz aller Grundgesetze und Ber- I deutsche Juden, wie z. B. Herr Munck, hätten sich in faffungen mit der Gleichberechtigung der Confessionen I Frankreich, obwohl Fremde, Stellungen errungen, zu denoch sehr schief stehe. Sie wiffen, was ein Ministerium I neu sie in ihrer Heimat nie gekommen wären. DaS Eulenburg und Mühler zu bedeuten hat. *) Daran ist I seinerzeit vielbesprochene Treiben deS Herrn Abbe Ratiszum Thell die Beschränktheit der preußischen Freimaurerei I bonne, das mll so großer Geschicklichkeit in Scene gesetzt schuld, an deren Spitze der König steht und die sie sehr I worden, sei trotz aller Borthelle, die ein Anschluß an sie wohl kennen, da viele Elsäffer Juden Maurer sind. Auch I und ihre Sette gebracht hätte, im Elsaß spurlos vorüberhaben sie größere Abneigung gegen die protestantische In- I gegangen, und die Abbss Bauer und Hermann, die ihre toleranz, als gegen die katholische, nachdem sie in dieser I Lorbeern nicht schlafen ließen, seien deutsche Juden. Be- Beziehung in dem gemischten Laude Erfahrungen gemacht, I weis genug, daß die ftanzösischen Juden, obwol weniger die nicht zum Vorthelle der Protestanten find, da sich I gebildet als die deutschen, mehr Raum zu einer würdigen diese ihnen gegenüber immer schroffer und abweisender I Existenz besäßen und solcher verwersiicher Mittel, um sich verhielten, als die Katholiken. Mll einem Worte: die I eine Stellung zu machen und Einfluß zu gewinnen, nicht Juden von Elsaß und Lochringen sehen der Annexion I bedürfen. Der Grund davon liege in den freihelllicheu mit großer Besorgniß, mll Zlltern und Beben entgegen. I Traditionen und dem Gleichhellsgefühl, auf welche beide Ich weiß es gewiß , daß bereits aus verschiedenen Ge- I man leider unter deutscher Herrschaft nicht hoffen könne, meinden und von vielen Privaten an Vorsteher, Rabbiner I Der Patriotismus der Juden und ihre Theilnahme und andere Notable in Deutschland Klagen und besorgte I am Kriege, die sie selbst vielleicht am meisten überrascht, Anftagen ergangen sind, was man von der Zukunft zu I haben übrigens schon chre sageublldeude Kraft bewährt, erwarten und welche Maßregeln zu ergreifen seien, um I Man erzählt mir viele sonderbare Geschichten von jüdiso viel als möglich den drohenden Uebeln vorzubeugen? I scheu Mobilen und Freischützen, die ich übergehe, obwohl Es steht auch fest, daß im Falle einer definlliven Annexion I sie manches Charakteristische enthalten mögen, um nur von Elsaß und Lothringen ein starker Exodus der Juden I die curiose Geschichte von Feiwisch Lion kurz zu erwähnen, aus diesen Provinzen in das innere Frankreich statt- I Gleich nach der Schlacht bei Wörth holte Feiwifch (d. i. finden und daß diese an Geld und gewerblicher Thätig- I Phöbus) Lion seine alte Lieutenants-Uniform hervor, kell viel verlieren werden, Letzteres umsomehr, als gewiß I um sich wieder zum Soldaten zu machen. Er hatte in auch viele Christen und merkwürdigerweise meist Protestan- I Afrika gedient und es von der Pike auf zum Lieutenant ten aus dem oberen Elsaß, aus Mühlhausen und Um- I gebracht. Krankheit nnd die Sehnsucht nach der Heimat gegend auswandern werden — wie große Verluste auch I bewogen ihn, zu quittiren, und da er für den Handel mll dem Verlaffen und Ausgeben großer industrieller An- I verdorben war und in seiner Jugend als Bachur und lagen verbunden sein mögen. Auch dieses ist — neben- I Rabbinats-Candidat etwas gelernt hatte, ließ er sich in bei gesagt — eine auffallende Erscheinung, daß trotz aller I einer kleinen Gemeinde bei Hagenau als Lehrer einer Aufreizung der Katholiken durch die Geistlichkeit gegen I hebräischen Knabenschule und als eine Art kleinen Gedie Ketzer die Protestanten des Elsaß, die doch mit Deutsch- I meiude-Rabbiuers nieder. In dieser Stellung wllkte er land durch so viele Bande Zusammenhängen, fanatischer I sell vielen Jahren, als ihn, wie gesagt, die erste Niedergegen uns gestimmt sind, als die Katholiken. I läge der ftanzösischen Armee, die er nicht verwinden Ein gebildeter Jude aus Straßburg, der Deutschland I konnte, seinem friedlichen Berufe wieder entriß. Er war ganz gut kennt und in Preußen Anverwandte hat, ant- I damals tief in den Fünfzigern, wenn.nicht darüber hinaus, wortete mir, als ich seine Besorgnisse zerstreuen wollte I Er steckte sich also in seine alle Uniform, sammelte an und ihm versicherte, das es bei uns auch nicht so arg I 150 bis 200 bei Wörth zersprengte Soldaten und warf sei, daß die Juden, die es in Deutschland im öffentlichen I sich sofort in die Vogesen. Unter denen, die den Guerilla- Leben zu etwas gebracht, doch fast durchgängig getaufte I krieg begannen, war er einer der Ersten. Zu den Sol- Judeu seien: Von diesem verwerflichen Mittel, es zu I daten kamen bald mehrere Franttireurs — und so beetwas zu bringen, wolle man in Frankreich nichts wiffen; I fehligte er Turcos, Zuaven, andere Linieusoldateu und die Taufe aus Eigennutz oder Ehrgeiz, überhaupt die I Freischützen. Bei den Turcos stand er sogleich in großem *) Hier spricht der Lorresp. in Familie, die wir nicht wiedergeben.