Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 964 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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964 führung zu bringen. Die Herren vr. Mayer, Tuska, Girkenthal wurden als „Bersöhnungscomits" (ein Mitglied der Conferenz bezeichnet es als solches) ernannt. Rev. vr. Mayer bringt hierauf den Antrag ein, daß ein Comits von Dreien ernannt werde, dessen Aufgabe es sei, ein Circular zu verfassen, in welchem den Gemeinden des Landes Zweck und Ziel der Conserenz auseinandergesetzt werde, wie die Conferenz in Frieden und Einheit wirken will, um die zweckmäßigste Reform einzusühren. Der Antrag wurde einstimmig entgegengenommen und wurde noch beschlossen, daß die Verhandlungen der Conferenz öffentlich seien, und den Vertretern der Presse allen möglichen Vorschub zu leisten. Die Versammlung vertagte sich hierauf. (Zweite Versammlung». Der Vorsitzende vr. Mayer rief die Vers, zur Ordnung und bittet er gleichzeitig die Conferenz. hiermit seine Resignation als Vorsitzender anzunehmen, worauf als solcher Rev. vr. Lilienthal einstimmig ernannt wird. Herr vr. L. nimmt die Wahl an und hält folgende kurze Rede: „Meine Herren! Ich danke Ihnen herzlich für die Wahl, mtt welcher Sie mich beehrt, ich danke Ihnen auch für die gMe Meinung, die Sie für mich hegen; ich fürchtete eben kein anderes Verdienst mitzubringen als meine grauen Haare. Durch Sie lerne ich es, daß meine grauen Haare im Verhältniffe mit meinen reifen Erfahrungen stehen; wohl, ich will nnseren Versammlungen so viel wie immer möglich diese Erfahrungen zu gute kommen lassen." Der Secr. verliest das Protokoll der jüngsten Versammlung und wurde selbes nach verschiedenen Verbesserungen, die technische Fassung einzelner Puncte betreffend, angenommen. Ebenso wurde die Abschrift der engl. Fassung des Protokolles, wie es verlesen wurde, genehmigt. Die nächste Arbeit der Tagesordnung war die Entgegennahme des Comit«berichtes betreffs der Geschäftsordnung, die für die Conferenz bindend sein solle. Eine lebhafte Discussion enffpann sich über einzelne Stellen des Comitöberichtes, der mit verschiedenen Abänderungen angenommen wurde. Herr vr. Mayer berichtete nun im Namen des Versöhnungscomites: „Wir kamen zum Herrn vr. Einhorn, fanden ihn aber nicht zu Hause. Rev. vr. Gutheim, den wir zunächst auffuchten, erklärte mit Herz und Seele mit uns zu sein, um aber in keine schiefe Stellung zu gerachen, behält er sich das Recht vor, endgültige Antwort zu geben, bis er mit seinen Collegen Rücksprache genommen. Eine ähnliche Antwort erhielten wir von vr. Adler, vr. Melziner fanden wir auch nicht zu Hanse. Um unsere Mission getreulich zu erfüllen, schrieb ich persönlich privatim, osficiell war ich nicht berechtigt es zu thun, an vr. Einhorn, und ließ chm den Brief durch eine sichere Person zukommen. Ich bat ihn im Briefe um eine baldige endgültige verständige Antwort." Rev. vr. Hübsch beantragte das Count« anzuweisen, den Bericht schriftlich einzubringen und dem Secr. zu übergeben, damit derselbe ganz getreu im Protokoll figurire. Angenommen. Wir übergehen Formalien, die eine längere Debatte hervorriefen. Der Tagesordnung zufolge wurde nun der Comit6bericht betreffs „hebräischer Theil des Gebetbuches" vorgenommen. 1) Schir hamaalos, borchu, poseach scheorim wegzulassen, dann Ahawach olom. Ueber den im Ahawath olom vorkommenden Ausdruck: al ken adonaj elohenu beschochbenu ...... bechukechu, enffpann sich eine Debatte, vr. Kalisch beantragte nämlich die Streichung dieses Satzes, nachdem er nicht mehr wahr sei. vr. Sonneschein antwortet: wir beten so manches was nicht wahr ist, z. B. „wir ruhen und jubeln am Sabbath", während so viele den täglichen Geschäften nachgehen. Endlich, sagt er, beten wir ja blos: wir wollen lernen u. s. w., folglich wir keiner Unwahrheit uns zechen. Dann kommt der erste Theil der Kerffchma, von wehoju im schomaia bleibt alles bis zu lemaan tizekeru aus. Bon lemaan tizekeru bis ani adonoj elohechem wird alles gebetet. Nun kömmt der Emes. Das Comit6 empfahl die volle Beibehaltung des Gebetes, vr. Lilienthal: Dieses Gebet wie so viele andere wurden zu einer Zeit verfaßt, in welcher die Juden, Verfolgungen ausgesetzt, sich glücklich schätzten, wenigstens in der Vergangenheit Trost zu suchen. Die Basis unserer heutigen Gebete soll Jubel über unsere heutigen Verhältniffe sein, und wenn mir das Recht zustände, ich würde die Weglassung dieses Gebetes beantragen. vr. Hübsch: Alle Herren erinnern sich wohl dessen, was wir in Cleveland beschlossen hatten, keine neuen Gebete zu verfassen; ein Gebet, in welchem Jubel über die moderne Erlösung gesungen wird, hätte ein neues Gebet erfordert, und selbst wenn dieser