Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 965 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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965 Grund noch nicht bestimmend gewesen wäre, hätte ich doch dieses beizubehalten gewünscht, namentlich in diesem schönen Gebete ist eine hohe Mission Israels niedergeschrieben, an die ich alle Welt erinnern will: Israel ist der Bannerträger nicht nur der religiösen, sondern auch der politischen Freiheit. Ein solches politisches Glaubensbekenntnis wie es in diesem Gebete enchalten, ist wahrlich würdig beibehalten zu werden. Namentlich aber enthält es ein ehrwürdiges Stück Geschichte, den Auszug aus Aegypten, und durch unsern Pesach, den wir beibehalten, beweisen wir Sympathie zu haben und anzuerkennen jene Epoche, die bewiesen, daß Israel kein Sklavenvolk, sondern ein der vollen Freiheit entgegenjauchzendes, mit Herz und Seele freiheitliche Ideen anerkennendes Volk sei. vr. Sonneschem: 2m Gottesdienste, den ich leite, wird dieses Gebet auch beibehalten, und ich kann aus Erfahrung mittheilen, daß die Erinnerung kaum störend, ja sogar durch den Vergleich der Zeiten erhebend wirkt. vr. Wise: Ich theile die Ansicht des vr. Lilienthal, unsere Gebete dürfen nicht das ewige „Geschichtliche" an sich haben; wem's gefällt, kann ja sogar die Beibehaltung der Gebete wünschen, die die Theilung des rochen Meeres erzählen. M. H., es ist ein Facttum, daß an den Auszug aus Aegypten niemand mehr denkt. Der Prophet Ieremiah hat also Recht gehabt, wenn er schon verheißen, daß dieser Auszug vergessen sein wird. Heute haben wir für die Freiheit der Menschheit zu beten und ich bin dafür, dieses Gebet zu beseitigen. vr. Birkenthal: Für die Beibehaltung des Gebetes, und weist die Versammlung auf die Vorgänge in der Moldau und Walachei hin. Das Gebet wird beibehalten. vr. Wise will goel jisroel in goel amim (wohl hoamim) umgewandelt wissen. vr. Kalisch beantragt die Weglassung des Mi chomaucho boelim adonaj, indem es mythologisch klingt, Vergleiche anzuftellen zwischen Gottheiten, wo nur ein einziger Gott lebt. vr. Mayer betont, wie das, was vor tausenden Jahren maßgebend gewesen, heut es nicht mehr ist. Die Richtschnur der heutigen Gebete müsse eine andere edlere sein, als immer blos zu jammern, ist daher gegen das ganze Haschkiwenugebet, wenigstens in der Form wie das Eomitv es vorlegt. vr. Sonneschein: Die Auseinandersetzung des Vorredners bestimmt mich ihm beizusttmmen. Es konnte aber das ernannte Comits nicht besser handeln, da selbes erst heute Morgen im Nebenzimmer gedrängt durch Ihre Gegenwart, seine Arbeiten vollendete. Erst jetzt fühle ich die große Verantwortung die wir auf uns laden, wenn wir beim Entwürfe der Gebete den kosmopolitischen Ideen der Zeiten keine Rechnung tragen und uns durch die Engherzigkeit der ererbten Ideen beeinflussen lassen. Ich ziehe hiermit meine Betheiligung an dieser Arbeit des Comitss zurück. Nach verschiedenen Versuchen, dem Gebete eine neue Fassung zu geben, wurde die Sitzung auf 10 Minuten suspendirt, damit die Herren sich über eine Fassung vereinigen könnten. Nach Wiedereröffnung der Sitzung las vr. Hübsch eine neue Fassung des Emes vor, welches dann angenommen wurde, ebenso der Haschkiwenu mit dem Schlüsse. Das Counts berichtet hieraus über ein abgekürztes Schemone Esre. Mit andern Auslassungen wird auch beliebt „Gott Abrahams, Jsaak's und Jakob's" wegzulassen und nur Gott unserer Väter zu sagen, vr. Kalisch findet Anstoß an el eljon, ebenso an chesodim towim als Pleonasmus. Die Bemerkungen finden keine Berücksichtigung. vr. Kleeberg erinnert die Vers, schließlich an ihre Pflichten, daß sie kein jüd. Gebetbuch für Polen oder Marokko auszuarbeiten habe, sondern für die amerikanisch jüdischen Gemeinden, die das Hebräische nicht mehr beachten. Der Vors, weist vr. Kleeberz den parlamentarischen Weg an, um seinen Ideen Geltung zu verschaffen, nämlich schriftlich seine Anttäge einzubringen. Dritter Tag. Nach Formalien fragt Rev. S. Tuska aus Memphis im Namen seiner Gemeinde an, welcher Ansicht die Conferenz in Betreff des Betens mit unbedecktem Haupte sei. Dieser Gegenstand wird den Herren vr. Hübsch und Mayer (Clevclandj zur Begutachtung zugetheilt. vr. Hübsch sagt, daß hierüber eine genügende Zahl von Entscheidungen abgegeben wurde, und daher von religiösem Standpunct kein Zweifel obwalte. Man stehe nicht auf der Platform des Schulchan Aruch und und des Talmud, und selbst wenn man diese zu Gunsten des entblößten Hauptes beim Gebete anziehen wollte, so könne man aus diesen Autoritäten das Verbot desselben folgern. Die Frage sei auch schon längst erle digt und bedürfe keiner weitern Erörterung. vr. Sonneschein glaubt, daß diese Frage nicht erledigt sei und wünscht hierüber eine klare Entscheidung. (Fortsetzung folgt.»