Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 962 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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962 Gemeinden, und die weiteren 3068 fl. 50 kr. bleiben noch zur Verfügung für die im § 3 der Statuten bestimmten Zwecke. Der Delegirte für Austerlitz, Herr E. Baumgarten aus Wien, gibt seinem Bedauern darüber Ausdruck, daß der Jahresbericht nicht früher in die Hände der Delegirten gelangt ist. Einmal erblickt er darin ein statutenwidriges Vorgehen und dann hätte dessen genaue Prüfung Anlaß und Ursache bieten können, daran Wünsche, Beschwerden und Vorschläge zu knüpfen, welche in dieser Versammlung einer eingehenden Erörterung wären unterzogen worden. Insbesondere wäre es nicht unwichtig gewesen, die Frage zu ventiliren, ob es gut gethan bleibt, Gemeinden, die jeder Existenzbedingung entrathen, fortan aus Mitteln dieses Fonds zu unterstützen, wahrend größere, lebensfähige Gemeinden, welche nur der Zubuße bedürfen, um die Existenz ihrer Anstalten außer Frage zu stellen, nicht die entsprechende Subvention zu erlangen vermögen. Wie die Schmarotzerpflanzen fristen erstere nur ihr Sein, indem sie diesen die zu ihrer Nahrung nothwendigen Säfte entziehen. — Die Versammlung begann um 10 Uhr Vormittags und schloß um 3 Uhr Nachmittags. Am Abend traten die noch anwesenden Delegirten wiederholt zusammen, um zu berathen, ob die im Kronlande Mähren bestehenden eigenthümlichen Verhältnisse der dortigen israelitischen Gemeinden und deren Beziehungen zum Landesmassefonds nicht ein LandesstatM für die Judenschaft Mährens dringend erscheinen lassen. Die Versammlung sprach sich in diesem Sinne aus, und wurde ein Comit6 gewählt, dem es obliegt, ein solches Statut zu entwerfen und der endlichen Sanction zuzuführen. Lemberg. 19. Nov. Der „N. Fr. Pr." schreibt man: Der Dombrowaer Bezirksrath hat an den Landesausschuß eine Petition gerichtet, in welcher er neben der Einführung von Friedensgerichten und der Beschränkung der Wechselfähigkeit auf den Handelsstand (angeblich um die Bauern vor den Uebervortheilungen von Seite der Juden zu schützen) auch verlangt, daß die Zahl des von den Juden zu erhebenden Contingents bestimmt werde. Es ist dies ein neuer Beweis für vie so oft ausgesprochene Wahrheit, daß unsere Bezirksräthe zumeist Reactionäre und Judenhaffer sind. Die Tonangüber in diesen Bezirksrächen sind gewöhnlich bankerott gewordene kleine Adelige, die aus Aerger darüber, daß die neue Aera sie um Vermögen und Einfluß gebracht hat, alles Mögliche anwenden, um die früheren Zustände der Leibeigenschaft der Bauern und Bogelfreiheit der Juden wieder einzuführen. Daß aber nicht nur der Bezirksausschuß von Dombrowa solche Gelüste hat, sondern daß auch die übrigen galizischen Bezirksräthe gleiche Begriffe von confessioneller Gleichberechtigung haben, geht schon daraus hervor, daß in Folge Aufforderung des Dombrowaer Bezirksrathes sich schon eine bedeutende Anzahl von Bezirksräthen in Galizien dieser Kundgebung angeschloffen hat. Aber nicht nur die Herren Bezirksräthe scheinen die Juden nicht recht leiden zu können, auch unsere Demokraten sind trotz der bekannten Judenfreundlichkeit ihres Oberhauptes auf die Juden nicht gMzu sprechen. Ihr Organ, der Dziennik Lwowski, griff neulich in etwas starken Worten die Juden au und wollte sie als „Germanisatoren" an den Pranger stellen, verfehlte aber natürlich den Zweck, indem es für die Juden Galiziens nur schmeichelhaft sein kann, Vertreter und Vorkämpfer der deutschen Cultur genannnt zu werden. Frankreich. Paris, 10. Nov. Nach belgischen Blättern erzählt die Köln. Zeit., daß die Baronin James v. Rothschild (die Frau des vor einigen Monaten verstorbenen pariser Rochschild, des letzten Sohnes des Gründers des Bankhauses) am 30. October von einer Bande Herumstreicher an den pariser Barrieren beinahe umgebracht worden wäre. Dieselbe war am genannten Tage nach Boulogne (es liegt am Rande des Boulogner Wäldchens) gefahren, wo sie ein Schloß besitzt, um der in diesem von chr errichteten Ambulanz einen Besuch abzustatten. Ms sie wieder nach Paris zurückkehren wollte, wurde sie von einer wüthenden, ungefähr 4V Kerle starken Bande umringt, die Todesdrohungen gegen sie ausstieß. Frau v. Rochschild faßte sich aber schnell, trat den Wüthenden muchig entgegen und hielt eine so beredte Ansprache an sie, daß diese sie wegen chres Auftretens um Verzechung baten, ihr eine Ovation darbrachten und bis nach Paris zurückbegleiteten, damit chr kein weiterer Unfall zustoße. Frau v. Rochschlld (sie ist eine Tochter des