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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-06 · Heft 49 (6.12.1870) · p. Seite 961

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 49 (6.12.1870)
Date
1870-12-06
Page
Seite 961 (sequence 9)
Language
German
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961 Samstag gar keinen Unterricht ertheilt, der andere nur an der Gewerkschule, die von fast gar keinen jüdischen Schülern besucht wird. 8. 8. Oesterreichischungarische Monarchie. Wien, 18. Nov. (Privatmitth.) Am 15. Novbr. wurde der Namenstag des heiligen Leopold (!) gefeiert, dies Mal in der Leopoldstadt mit ganz besonderen Festlichkeiten, weil es zugleich die zweihundertjährige Feier der Leopoldstadt und ganz besonders ihrer Pfarrkirche war. Es wurde deshalb ein großes Festessen gegeben, bei welchem es an ministeriellen, städtischen und geistlichen Würdenträgern nicht fehlte, viel gegeffen, viel getrunken und viel toastirt wurde. Und doch feierte man nur — die meisten Anwesenden haben dessen wahrscheinlich garnicht gedacht — den Jahrestag einer jener greulichen Judenaustreibungen, bei denen man froh sein muß, wenn man neben Plünderung, Raub, ins Elend jagen, nicht auch noch Mord und Brand begegnet, und an, denen auch die Geschichte Wiens nicht arm ist. Die Leopoldstadt hieß bis dahin Judenstadt, und wo die Pfarrkirche steht, erhob sich vordem eine Synagoge. Nun aber hatte des finstern Leopold II. fromme Gemahlin Margaretha aus Spanien in die Hand ihres jesuitischen Beichtvaters das Gelübde thun müssen, für immer reinen Tisch zu machen mit der „Judenstadt" und deren Insassen. So ward denn am 3V. Juni 1669 in allen Straßen Wiens unter Trommelschall das Decret des Kaisers ausgerufen, wonach alle nicht mit Immobilien in Wien ansässigen Juden die Stadt und Oesterreich binnen vierzehn Tagen zu räumen hätten. Am 14. Februar 1670 ward der Befehl auf alle Israeliten ausgedehnt, mit dem Zusatze, daß Todesstrafe Jeden träfe, der sich zum Frohnleichnamssefte noch in Wien betreten ließe. So ward die Judenstadt zur Leopoldstadt und mit rührigem Eifer gingen jetzt die Fanatiker daran, zur Krönung des Gebäudes der neuen Christenheit auch eine eigene Pfarrkirche zu verschaffen. Die Synagoge ward niedergerissen, die umstehenden Judenhäuser wurden demolirt, und an ihrer Stelle ward am 18. August 1670 durch den Kaiser, in Gegenwart des ganzen Hofftaates, der weltlichen und geistlichen Würdenträger, der Grundstein zu der neuen Kirche gelegt. Mit dem Grundstein aber ward eine goldene Denkmünze in die Erde »versenkt, auf der in lateinischen Worten zu lesen stand: „Nach Berjagung der ungläubigen Juden hat der durchlauchtigste Kaiser Leopold die hier befindlich gewesene Synagoge zerstört, die Räuberhöhle gereinigt und zu einem Gotteshause bestimmt, das er dem heiligen Leopold, Markgrafen und Paton Oesterreichs, nach katholischem Brauche Wechte." Die Dinge blieben aber doch nicht so. Gegenwärtig ist die Lcopoldstadt in beträchtlicher Mehrzahl wieder von Juden bewohnt, und in ihr erhebt sich eine prächtige Synagoge, zu deren Erbauung man aber keine Pfarrkirche zerstört hat. Wie die Dinge stehen, rechnen wir diese Feier einer grausamen That den Behörden nicht weiter an, weil, wie gesagt, die Meisten davon kaum eine Ahnung gehabt, und auch wir hätten den Tag feiern können, da er uns einen so völlig veränderten Zustand erweist, und jetzt finstre Fürsten und versolgungssüchtige Priester dergleichen doch nicht mehr zu Stande bringen können. Glücklicherweise für die schmausenden Herren brachte man außerhalb ihres Kreises die ganze Angelegenheit garnicht zur Sprache; es wurde daher nicht wie bei ähnlicher Gelegenheit in Brüssel vor einigen Monaten Lärm davon geschlagen; jene konnten in Frieden festessen, und Niemand kümmerte sich darum. — Wie man uns aus Prag schreibt, wird am 1. Januar 1871 Herr Prof. vr. S. Kaempf sein 25-jähriges Amtsjubiläum feiern, und trifft man hierzu bereits Vorbereitungen. — Brünn, 20. Nov. Am 14. d. fand hier die Generalversammlung der Delegirten sämmtlicher mährischjüdischer Cultusgemeinden in Angelegenheit des in ihrer autonomen Verwaltung befindlichen Landesmafsefonds statt. Aus dem Berichte entnehmen wir, daß das Vermögen dieses Fonds in 612,490 fl. 17 kr. vinculirter Staatsobligationen, 328,060 fl. 43 Vs kr. hypothekarischer Forderungen und 20,391 fl. 83 Vr kr. baar, zusammen 960,942 fl. 49 kr. besieht. Die dem Fondszwecke gewidmeten Einnahmen werden pro 1870 im Jahresvoranschlage mit 37,002 fl. beziffert, wovon an Ausgaben für Verwaltung, Steuer :c. und Abschreibungen von Dubiosen 7834 fl. 50 kr. zu absttahiren sind, und findet der hiernach noch reftirende Betrag folgende statutengemäße Verwendung: 12,000 fl. Subventionen an jüdische Volksschulen, 12,000 fl. Unterstützungen an Personen, 3000 fl. Unterstützungen an 49

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