Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1870-12-06 · Heft 49 (6.12.1870) · p. Seite 960

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
34 (1870)
Issue
Heft 49 (6.12.1870)
Date
1870-12-06
Page
Seite 960 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3226744-3226794--28974-3302849
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

960 sich auch diesmal zur Verfügung und wurde im August per Depesche nach Saarbrücken berufen. Daselbst hat er unter Entbehrung und Strapazen aller Art, vielen, vielen Leidenden Rettung, Heilung und Trost gebracht. Giebt es edlere, heiligere Werke? Heißt Gott bei Moses (2 M. 15, 3) ein Gott des Krieges, so nennt Gott sich selbst (ebd. 26) einen Arzt. Seit einem Monat befindet sich Herr M. in Forbach. Es sei uns verstattet, aus seinem Schreiben an einen Freund Einiges auszüglich mitzutheilen: „Ihnen kann ich es sagen, was ich meiner Familie verschweige, ich war noch keine Stunde vom Dienst entfernt, ich kenne noch kein warmes Zimmer, fern bleibt jeder Comfort; doch will ich ausharren, so lange der Allgütige Gesundheit schenkt. Ich bekomme ja für jeden Handgriff und die Milderung des geringsten Schmerzes ein dankbares Lächeln — gewiß auch tief empfundene Segensworte — was will ich noch mehr?" — Auch unsere Segenswünsche begleiten ihn auf jedem Schritt. Möge er bald gesund und wohlerhalten zu uns zurückkehren! Bonn, 27. Nov. (Privatm.) Auf unsere Bitte in Nr. 46 betteffs der Fälle, in welchen Juden Mitglieder der städttschen Schuldeputation sind, kam uns folgende Mittheilung zu: Kattowitz (O. S.) 23. November. Durch Ihre Aufforderung veranlaßt, beeile ich mich, Ihnen die gewünschte Notiz zukommen zu lassen. Herr Schalscha, Vorsitzender des Synagogenvorstandes, ist in die hiesige Schuldeputation gewählt. Jntereffe wird es auch erregen, daß hier ein Jude, Herr Königsberger , sogar in das Curatorium des schon im April 1871 ins Leben ttetenden Progymnasiums creirt worden ist. Zugleich erlaube ich mir, die erfreuliche Errungenschaft auf dem Gebiete der jüdischen Schule zu melden, die in Oberschlesien erlangt worden ist. Bereits in einigen Städten: Beuthen, Königshütte und hier, sind die jüdischen Gemeindeschulen zu Communalschulen erhoben und den christlichen Stadtschulen gleichgestellt worden: das Schulgeld ist abgeschafft, indem die städtische Caffe für alles Nöthige sorgt. Der Magisttat, in welchem auch zwei Juden sind: Herr Hammer und Herr Stabsarzt Dr. Goldstein, der einzige Ritter des eisernen Kreuzes hier im Orte, hat sogar beschlossen, für die 'jüdische Schule ein besonderes Gebäude zu errichten, da die Stadt für die katholische Schule bereits ein zwölfclassiges Schulgebäude errichtet hat. Rector E. Landau. —. Ferner wird uns aus Oppeln!mitgetheilt, daß Herr Rabbiner vr. A. Wiener bereits seit neun Jahren das. Mitglied der städttschen Schuldeputcttion ist und als solches Commissionen auszuführen hatte. Herr Louis Weigert in Rosenberg O. S. ist seit mehr als zwanzig Jahren, Herr Rabb. L. P o llak in Jnowraclaw seit 1865 Mitglied der städtischen SchuldepMation, unter Bestättgung der k. Regierung. Fürth, im November. (Privatmitth.) Bei unseren Gerichten besteht noch immer die Unsitte, in irgend welchen Unsersuchungen den „Juden" amtlich hervorzuheben, und erst jüngst hat das k. Bezirksgericht zu Bamberg bei einem auf dorttgem Bahnhof vorgekommenen Diebstahl den Dieb mit dem Bemerken verfolgt, daß er dem Ansehen nach ein Jude sei. Dies ist denn doch eine so unbesttmmte physiognomische Bezeichnung, daß sie schwerlich in die Kategorie des nothwendigen und ersprießlichen Signalements gerechnet werden kann. Dennoch ist selbst dies ein Fortschritt, denn vor einiger Zeit wurde in einer ähnlichen Sache zur Personalbeschreibung des Diebes gesagt; „und hat derselbe ein halbes Judengesicht." (!!!) Wir fürchten, daß es noch einer längeren Zeit bedürfen werde, bis die bayrischen Staatsmänner die Gewohnheit, bei jedem Vorkommnisse an die Consession zu denken, ablegen werden. Bekanntlich hat das Gift der Verleumdung in einem Theile der jüdischen Presse gar sehr überhand genommen, und so ungern man darauf eingeht, verlangt dennoch selbst das allgemeine Interesse bisweilen, derselben entgegenzutreten. Nicht blos die Ehre, sondern auch die Wirksamkeit der würdigsten Männer wird von jener angegriffen und geschädigt. So sagte das Mainzer Blatt jüngst von den Hierselbst bei der kgl. Handelsschule angestellten jüdischen Lehrern, daß durch sie der Verletzung des Sabbachs durch Schreiben bei den Schülern nicht gesteuert, sondern dieselbe gefördert werde. Es entbehrt dies aller Wahrheit, da von den beiden angestellten jüdischen Lehrern der eine am

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.