Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 959 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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959 v. Mühler gewährt hat, ist nichts als die bloße Duldung. Die jüdischen Feldgeistlichen sind geduldet, sie können kommen, wenn sie wollen, und weiter nichts, ungefähr wie Journalisten, denen man den Aufenthalt im Heere nicht geradezu verweigert. Daß ausdrücklich gesagt worden, es dürfen dem Militärfond keinerlei Kosten daraus erwachsen, hat nicht blos die Folge, daß die Geldkosten von den betreffenden Rabbinen getragen werden müssen, sondern macht die Thätigkeit derselben in den meisten Fällen ganz unmöglich, da auf dem Kriegsschauplätze auch für Geld meist nichts zu bekommen ist. Versagen daher, wie cs nach dem ministeriellen Schreiben gewiß ist, die Officiere für die jüdischen Geistlichen die Verpflegung, so müssen sie unverrichteter Sache nach Hause gehen. Andrerseits werden sie nur selten einen Gottesdienst abhalten können, da hierzu eine bestimmte Regelung von oben her erforderlich ist, weil sich sonst nur selten eine Anzahl jüdischer Soldaten zusammenfinden wird, und vielfältige Zwischenfälle eintreten, welche die etwa schon bestimmte Versammlung wieder vereiteln werden. Es könnte nur hie und da eine ganz besondere Neigung der commandirenden Officiere dazu verhelfen, und diese wird nicht bei vielen gefunden werden, da das Militär außer den hergebrachten Einrichtungen nur ungern, sei es auch nur die geringste Störung, im Dienste zuläßt. Um zu einer angemessenen Wirksamkeit zu gelangen, müßten auch die jüdischen Feldgeistlichen militärbehördlich installirt sein. Uns scheint daher ohne Fug und Recht so viel Lärm von diesem „Errungniß" gemacht zu werden, und erinnert uns dies an das bekannte: parturiuni wonles. Nur das eine mögen wir daraus ziehen, daß die Sache in Anregung gebracht und während des Friedens weiter zu verfolgen ist. Man kann die jüdische Presse nicht genug ermahnen, sich aller Rcclame zu enthalten und sich immer möglichst an die einfache Wahrheit zu halten. Nur dadurch kann sie Etwas leisten, den Fortschritt erwirken und den Angriff nachdrücklich zurückweisen. (Wir können übrigens hinzufügen, daß wir mehrere Feldbriefe erhielten, welche das Verlangen nach einem Feldgeistlichen seitens jüdischer Soldaten aussprachen. Redact.) Magdeburg, im Novbr. Der, auch durch einige Aussätze in dies. Zeit, unseren Lesern rühmlich bekannte Regimentsarzt Dr. Rosenthal von hier hat bei Beaumont das eiserne Kren; wegen seiner mitten im Kugelregen bewiesenen ärztlichen Thätigkeit erhalten. Glogau, 21. Nov. lPrivatmitth.) Es sind hierunter den mehr als 10,000 französischen Gefangenen auch viele Juden, für die wahrend der verflossenen Festtage neben den preußischen in Garnison liegenden Juden ein eigenes Local für den Gottesdienst eingerichtet wurde, da die hiesige Synagoge nicht Raum für sie hatte; auch wurde während der Festtage von Privaten durch Beiträge für ihre Beköstigung gesorgt. Biele stanzösische jüdische Gefangene besuchen regelmäßig den Sabbathgottcsdienst; meist sind sie aus Elsaß und Lothringen. Bleicherode, 20. Nov. lPrivatmitth.) Dem Assistenzarzt Dr. Gustav Frankel von hier, welcher am 30. Aug. bei Beaumont schwer verwundet wurde, ist vor 10 Tagen das eiserne Kreuz verliehen worden. Nachdem derselbe hier bei seiner Mutter gepflegt worden, ist er vor acht Tagen wieder zu seinem Regiment abgegangen. Derselbe steht bei dem 66. Magdeburger 0 'silier-Regiment. Oppeln, im Nov. lPrivatmitth.) Sie haben mit Recht die patriotischen Leistungen unserer Glaubensgenoffen in dem jetzigen Kriege registrirt. Was nun Liebesgaben für die Krieger und besonders für die Verwundeten betrifft, so ist die Freigebigkeit hiesiger Gemeindemitglieder eine sehr nennenswerthe, und stehen auch Einige an der Spitze verschiedener Vereine. Eine seltene Opferwilligkeit und Selbstverleugnung legt der Präses unseres Gemeindevorstandes, Herr Cigarrenfabrikant Münzer, an den Tag. Wenn nun wir Juden so oft für das Vergehen Einzelner unter uns solidarisch verantwortlich gemacht werden, so wäre nur zu wünschen, daß auch die verdienstlichen Handlungen einzelner Israeliten unserm Streben angerechnet würden. Herr Münzer hat jedenfalls das schöne Bewußtsein zum rw77 beizutragen. Derselbe hat schon 1866 in den böhmischen Lazarathen der Pflege Verwundeter mit großer Treue obgelegen. Sein Verdienst fand Anerkennung, er wurde unter sehr schmeichelhafter Zuschrift mit einem Orden decorirt. Doch was waren die damaligen Ansttengungen und Opfer gegen die diesmaligen? Herr Münzer stellte