Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 34 (1870)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1870)
- Date
- 1870-12-06
- Page
- Seite 958 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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958 Weise. Auf 360 Seiten Lexikonformat wird der ganze Sprachschatz der h. Schrift behandelt, werden die Bedeutungen jedes Wortes pracis und in logischer Folge angegeben , reichlich grammatische Formen angeführt und prägnante Stellen mit zutreffender Wahl citirt. Augefügt sind Paradigmen der Nomina und Verba, was den Gebrauch für die Clasien erhöht. So reiht sich dieses Werk den neueren Arbeiten, vorzüglich Fürst's, würdig an und wird dem, in der jüoischen Jugend wieder erwachenden Studium des Hebräischen förderlich seiu. — „Borträge zur Förderung der Humanität. Herausgegeben von vr. L. Adler. Zweiter Band. Berlin, Gerschel, 1870." Manche unserer Leser werden sich der ersten Sammlung dieser Vorträge des vr. Adler mit Vergnügen erinnern, und daher diesen zweiten Band willkommen heißen. Das Ziel derselben drückt der Titel in seiner Einfachheit vollkommen aus. Dem Berfaffer kommt es aus innerster Ueberzeugung, wenn er Nachweisen will, daß das Judenthum eine Religion der Humanität ist, und sich diese in Lehre und Leben immer mehr aus ihm entwickeln soll. Mögen die vergangenen Zeiten in ihrer Barbarei manchen Rost auch ihm angesetzt haben: vor dem Hauche einer milderen Zeit weichen schnell die Nebel zurück, und es zeigt sich, daß die fruchtbarsten Sproffen der Humanität im Judenthume wurzeln. Den Inhalt dieses Bandes machen Festreden, Predigten, Vorträge in der Gesellschaft „Humanität" in Caffel, Abhandlungen verschiedener Art, wobei wir hervorheben wollen, daß sich der Verf. bei diesen Betrachtungen nicht auf die Bibel beschränkt, sondern auch die große nachbiblische Literatur in Betracht zieht. Wie die Gesinnung, so ist auch die Sprache überall edel, wenn wir auch hier und da eine etwas straffere Zusammenfaffung gewünscht hätten. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Berlin, 17. Nov. Am I K. d. M. feierte hier vr. F. Le brecht feinen 70. Geburtstag. Der gelehrte Orientalist, in Baiern geboren, studirte unter Gesenius in Halle und war bis 18-19 Lehrer am hiesigen Seminar unter Leitung des vr. Zunz. Im Jahre 1856 wurde die alte Beitel Heine Ephraim'sche Stiftung (Bet hamidrasch) durch die Bemühungen des verstorbenen vr. I. Rubo reorganisirt und in eine wissenschaftliche Lehranstalt über Talmud, jüdische Literatur und die damit verknüpfte semitische Philologie für Studirende an der Universität ohne Unterschied des Glaubens, unter Fernhaltung jeder exclusiven dogmatischen Richnrng, umgewandelt und Lebrecht als Hauptlehrer angestellt. Sein erster Bericht nebst wissenschaftlichen Abhandlungen von ihm und seinen Collegen vr. Haarbrücker und Steinschneider, erschien 1862. Seit 1869 hält auch der hiesige Rabbiner vr. Aub Vorlesungen an dieser Anstalt. — Lebrecht's Artikel in der großen Encyklopädie von Ersch und Gruber, feine Abhandlungen und Kritiken u. A. in den Berliner Jahrbüchern, in Lehmann's Magazin und in den ersten Zeitungen der Hauptstadt mit der Chiffre F. L. oder F. Lt. unterzeichnet, sowie die begonnene Ausgabe des Talmudtextes, haben seit dreißig Jahren Lebrechts Namen in weite Kreise getragen, seine Bemühungen für die Stellung der Lehrer in der jüdischen Gemeinde sich Anerkennung im Kreise seiner Collegen erworben, sein freies offenes Eintreten für Gewissensfreiheit ihm Freunde — und Feinde zugezogen : körperliche Leiden haben seiner Persönlichkeit eine schüchterne Bescheidenheit und den Hang nach stiller Zurückgezogenheit ausgeprägt. Letzteres und die allgemeinen Zeitverhältniffe waren bestimmend für die einfache improvisirte Jubelfeier. Es versammelten sich, einem Berichte der „Bossischen Zeitung" zufolge, am 16. Lehrer und Schüler der Anstalt (zum Theil aus Ungarn, Rußland, Hamburg, Newyork u. s. w.>, Dirigenten und Lehrer der jüdischen Gemeindeschulen «worunter Schüler des Jubilars und deren Schüler) u. s. w. Der Privatdocent und Stadtrichter vr. Th. Rubo, Sohn und Nachfolger des Obengenannten, überreichte eine anerkennende Adresse des Curatoriums. vr. Steinschneider gratulirte im Namen der Collegen und Schüler, und der Rabbiner vr. Geiger sprach im Flamen der Wissenschaft die Zuversicht aus, daß der Jubilar im Dienste derselben treu ausharren werde. Berlin, 25. Nov. (Privatmitth.) Nach der nunmehrigen Aufklärung über die, die Seelsorge der jüdischen Soldaten betreffende Frage, können wir dieselbe noch als fast ganz ungelöst ansehen. Was Herr